Verunsicherung und Zweifel während der Trennungsphasen
Körperliche Beschwerden und seelische Beeinträchtigungen sind weitreichende Folgen von emotionaler Gewalt. Eine Beziehung zu führen, in der eine Trennung zum Alltag gehört, sollte deshalb nicht zum Lebensinhalt werden. Insbesondere Narzissten verabschieden sich hin und wieder aus der Beziehung, nur um dann wieder vor der Tür zu stehen.
Trennungsspiele ohne Trennung
Natürlich gibt es viele Gesichtspunkte, sich nicht endgültig trennen zu wollen. Das Haus, der Hund und die Kinder werden oft als Begründung angeführt. Da das Opfer bleiben will, muss der Aggressor sich ändern. Mit diesem Wunsch spitzt sich die Lage dann oft dramatisch zu. Rigoros lehnt er die wohlgemeinten Vorschläge seiner Partnerin ab und macht, was er will. Streit und Unfrieden sind vorprogrammiert und eine Besserung der Situation nicht möglich. Trennungsgespräche sind zwar an der Tagesordnung, die endgültige Umsetzung bleibt jedoch aus.
Nach jedem Trennungsgespräch vergisst der Aggressor scheinbar die Gesprächsinhalte und tut so, als sei nichts vorgefallen. Insgeheim setzt er jedoch ein perfides Bestrafungssystem in Gang und rächt sich umgehend für die Autonomiebestrebungen seines Opfers. Damit eröffnet der Narzisst das Trennungsspiel mit äußerst schmerzhaften Folgen.
Noch während die Betroffene denkt, die Trennungsgespräche würden keine Wirkung zeigen, arbeitet der Aggressor bereits an seiner Autonomie.
Das Opfer verliert sich derweil in der Beziehung
Statt sich dem angstvollen Gefühl einer Trennung zu stellen, werden tausend Ausreden gesucht, um bei dem übergriffigen Partner auszuharren. Beendet der Aggressor tatsächlich die Beziehung, geht die Betroffene umgehend wieder zurück, sobald ihr eine Möglichkeit dafür gegeben wird. Damit setzt sich die Abhängigkeit von dem übergriffigen Partner weiter fort.
Irgendwann weiß sie gar nicht mehr, ob die Beziehung gerade pausiert oder tatsächlich Schluss ist. Das Ganze gleitet ab in eine On/Off-Beziehung, die nur für den Aggressor von Vorteil ist. In den Trennungsphasen geht er weiterhin seinen Vorlieben nach und muss sich dafür nicht rechtfertigen.
Die Partnerin wartet derweil an ihrem Handy auf ein Lebenszeichen von ihm. Nur wenn der Aggressor wieder erreichbar ist, kann sie ihr Leben wie gewohnt aufnehmen. Das ist der Anfang vom Ende jeder Autonomie und Selbstbestimmung. Das erste Warnsignal eines Suchtverhaltens hat sich gerade gezeigt.
Wird in der Beziehung weiter über eine Trennung diskutiert, nimmt der emotionale Missbrauch drastisch zu. Der Aggressor weiß längst, dass sein Opfer sich nicht trennen will, und nutzt diese Tatsache für sich.
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Erstgespräch buchen Mehr zu den BeratungsangebotenIch darf mich nicht trennen
Ist die Beziehung an diesem Punkt angekommen, ist die seelische Gesundheit des Opfers längst im Stress und in der Verzweiflung versunken. Körperliche Beschwerden stellen sich ein. Wird sie gefragt, warum sie die Beziehung nicht verlassen will, wird man mit dem Gedankengut des Aggressors belohnt. „Ich kann mich nicht trennen, weil er das nicht möchte.“ Aha! Was der Aggressor über eine Trennung denkt, ist dem Opfer also zwischenzeitlich viel wichtiger geworden als die eigenen Argumente. Diese scheinen sich augenscheinlich in Luft aufgelöst zu haben.
Während der Aggressor sich weiterhin für jede Nichtigkeit in eine Trennungspause verabschiedet, scheint die Partnerin dieses Recht nicht zu haben. Nur dem Narzissten ist es gestattet, die Beziehung, wenn auch nur kurzfristig, zu verlassen. Die Abhängigkeit vom Partner nimmt nun Formen an, die keine logische Argumentation mehr zulassen. Mit dem Opfer über diese seltsame Konstellation zu sprechen, ist schlicht gesagt sinnlos.
Die Behauptungen des Aggressors, sie hätte ihn durch ein falsches Verhalten in die Trennung getrieben, sind für das Opfer stimmig. Dass diese Vorwürfe teilweise aus der Luft gegriffen sind und jeder Grundlage entbehren, ist völlig bedeutungslos. Es ist die Schuld der Partnerin, dass er Schluss gemacht hat, und nichts anderes zählt. Dass sie sich dieses Recht nicht einräumen darf, übersieht sie geflissentlich. „Warum will sie sich auch trennen?“ Er ist doch ein so lieber Mensch, und nur er hält es mit ihr aus. Dem Opfer fehlen die Worte, und es stimmt dem Aggressor innerlich zu.
Für den Narzissten ist seine Beweisführung natürlich absolut stimmig, und er ist weit davon entfernt, für seine Fehler die Verantwortung zu übernehmen.
Die Worte der Partnerin zählen nicht
Selbst wenn sich die Partnerin aus einem guten Grund von ihm trennt, ergeht er sich in der Schuldfrage. Sie muss tatsächlich die Verantwortung dafür übernehmen, dass er fremdgegangen ist. „Du hast dich nicht genug um mich gekümmert.“ Wenn sie mit ihm darüber reden will und ihre Gefühle mitteilen möchte, wird sie abgeblockt.
Nimmt die Betroffene ihn später wieder zurück, muss sie sich nun bei jeder Gelegenheit anhören, dass sie sich getrennt hat. Die schmerzhaften Gefühle seines Betruges haben weiterhin keinen Platz im Leben des Aggressors und werden weggeschoben. Da der Betrug nicht mehr angesprochen werden darf, fehlen ihr die Argumente, warum diese Trennung überhaupt stattgefunden hat. Ihre Gefühlswelt wird als nebensächlich abgetan und darf nicht angesprochen werden. „Immer kommst du mit dem gleichen Satz. Du kannst ja niemanden lieben, auch mich nicht. Du hättest ja sonst um mich gekämpft und mich nicht verlassen.“ Was soll die Betroffene hierauf noch antworten? Er geht fremd und beschwert sich dann darüber, dass sie ihn nicht genug liebt?
Erklärt sie ihm liebevoll: „Doch, ich liebe dich“, kontert er mit der Aussage: „Du hast mich doch verlassen. Wie soll ich dir denn noch glauben?“ Führt sie wiederum den Grund für die Trennung an, wird ihr mitgeteilt, mit ihrer Eifersucht hätte sie ihn in die Arme einer anderen Frau getrieben.“ Die Argumente sind meist austauschbar und völlig aus der Luft gegriffen. Nur das Opfer sucht den Grund bei sich und findet ihn auch tatsächlich. Der Aggressor kennt die Schwachstellen des Opfers, weiß um dessen Unsicherheit und bedient sich genau an diesen Schwächen.
Der Narzisst ist wie immer das Opfer und niemals der Täter. Er quält die Partnerin mit völlig unsinnigen Vorwürfen, und diese will sich trotzdem noch reinwaschen von der zugeschobenen Schuld. Auch aus diesem Grund nehmen viele Frauen die Beziehung zum Aggressor wieder auf. Nach der ersten Aussprache sitzen sie wie gewohnt neben ihm und entschuldigen die Situation. Alles war nur ein Missverständnis.
Gaslighting, Missverständnisse und Manipulation
Ein Missverständnis kann immer vorkommen, aber nicht das andauernde Aneinandervorbeireden. Ich denke, der Aggressor hat schon alles richtig verstanden. Vieles passt nur nicht in sein Weltbild und wird deshalb nicht zur Kenntnis genommen.
In seiner verdrehten Gedankenwelt hat die Partnerin ihn aus einem nichtigen Grund verlassen, weil sie sein Fremdgehen selbst verschuldet hat. Dieser Gedanke bleibt und brennt sich in sein Hirn.
Bedenklich ist nur, dass die Partnerin diese Schuldzuweisung irgendwann akzeptiert. Und nicht nur das: Sie sucht und findet nachher tausend Ausreden, die rechtfertigen, warum sie letztendlich bei diesem Partner bleibt. Die verdrehte Gedankenwelt des Aggressors macht sie sich zu eigen und harrt aus. Am Ende ihrer Überlegungen fühlt sie sich schuldig, obwohl er fremdgegangen ist.
Das toxische Abschlussgespräch
Wird die Trennung auf die eine oder andere Art besiegelt, braucht es immer ein Abschlussgespräch. Besser gesagt: Das Opfer braucht das Gespräch, und der Aggressor verweigert die Kommunikation. Kommt es doch zu einem Gespräch, dann zu seinen Bedingungen.
Die Betroffene nutzt dieses Gespräch, um die scheinbaren Missverständnisse aufzuklären. Umgehend will sie dem Aggressor erklären, dass sie ihn liebt und er sich ganz umsonst daneben benommen hat. Wie hätte er denn auch ahnen können, dass die Partnerin noch Interesse an ihm hat? „Wenn man früher darüber gesprochen hätte, warum sie sich um die kranke Mutter kümmert, statt um ihn, wäre er ja auch nie fremdgegangen.“ Diese Aussage wird vom Aggressor natürlich bestätigt. „Sie hätte in der Situation ja wenigstens die Verabredung mit der Freundin absagen können.“ So weit seine Logik. Dass sie in Zukunft diese Freundin aufgeben wird, ist eine Selbstverständlichkeit. Und dass sie jetzt jedes Mal ein schlechtes Gefühl hat, wenn sie sich um die Mutter kümmert, brauche ich hier ja nicht zu erwähnen.
Wer jetzt denkt, ich habe diese Geschichte gerade erfunden, der irrt. In diesem Text eine Logik zu finden, ist ebenfalls nicht möglich. Diese gibt es nur im Kopf des Narzissten.
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Die Trennung von einem Narzissten muss gut überlegt sein, sonst nehmen die Trennungsspiele kein Ende. Das oben beschriebene Durcheinander von unlogischen Argumenten und Lügen sind der Alltag jeder emotional missbrauchten Frau.
Eine Trennung mit einem Narzissten vorab besprechen zu wollen, ist deshalb auch völlig abwegig. Eine Unterhaltung mit einem Waschbecken würde da mehr Sinn ergeben.
Klarheit schaffen, Vertraute finden
Die aufgezeigte tiefe, durchgreifende Gewalt wird zwar mit Zustimmung des Opfers ausgeführt, verändert aber auch dessen Denkprozess. Logische Argumente greifen nur noch selten und die Logik des Aggressors scheint irgendwann unschlagbar. Freunde und Bekannte sollten deshalb für Klarheit sorgen, anstatt sich auf allgemeine Floskeln zu beschränken. Was nützt es dem Opfer, wenn es gesagt bekommt, alles werde sich schon finden? Hier findet sich nichts mehr. Hier findet nur noch mehr Missbrauch statt.
An diesem Punkt hat die Betroffene längst die Übersicht über ihre Beziehung verloren und ist dem manipulativen Handeln ihres Partners vollkommen ausgeliefert. Ihre eigene Gedankenwelt hat sich aufgelöst und wird nur noch von der Denkstruktur des Aggressors beherrscht. Im Zweifel sollten Freunde und Bekannte sich vorher informieren, was tatsächlich in einer Missbrauchsbeziehung vor sich geht, bevor sie das Opfer verurteilen.
Das Trennungsverhalten des Aggressors ist zwar der Auslöser für diesen Wahnsinn. Die bestehende Verlustangst des Opfers nimmt jedoch derweil drastische Formen an und macht sich selbstständig. Wer immerzu Angst haben muss, den Partner zu verlieren, kann nicht mehr klar denken.
Wie lange bleibe ich noch?
Viele Betroffene warten auf den richtigen Tag. Ganz ehrlich: Dieser Tag wird nie kommen. Jeder Tag ist so gut wie jeder andere. Er will sich trennen, aber das kannst du gerade noch so verhindern. Du wiederum sprichst von Trennung und bist froh, wenn er nicht gehen will. Du beendest die Beziehung, um eine Grenze zu setzen, aber insgeheim hoffst du, dass er wieder reumütig vor der Tür steht. Er geht, aber nur, um immer wiederzukommen.
Mach dir nichts vor. Du kannst vielleicht nicht ohne den Aggressor leben, er aber ohne dich – und dieses Wissen nutzt er für sich. Und sein Bestrafungssystem wird an Schärfe zunehmen, je öfter du von Trennung redest.
Sprich also nur davon, wenn du es ernst meinst, und prüfe vorher deine Entscheidung. Trenne dich nicht, weil es einen großen Streit gab oder weil du wütend oder traurig bist. Wenn sich diese Gefühle verflüchtigt haben, wird sich die alte Abhängigkeit wieder einstellen, und du gehst zurück zu ihm. Deine Emotionen sind keine guten Berater!
Warte, bis du wieder rational denken kannst. Du trennst dich schließlich nicht nur von dem Partner, sondern hauptsächlich von dem narzisstischen System, dessen Teil du bist. Die Trennung wird nicht leicht, und du brauchst Ziele, denen du folgen kannst.
Vertraue auf dich und gehe, wenn deine Zeit dafür gekommen ist.
@Evelina