Trennungsspiele in die Abhängigkeit

Wie halte ich die Trennung durch?

Trennungen, die aus gemeinsamen, partnerschaftlich abgeklärten Gesichtspunkten heraus erfolgen, gibt es in narzisstischen Beziehung kaum. Wird die narzisstische Art des Partners aufgedeckt, heißt das noch lange nicht, dass die Partnerin sich sofort trennt. Die Schuld anseinen Verfehlungenschiebt der Aggressor der Partnerin zu; und erschwert so eine dauerhaft andere Sicht auf die Dinge. Seiner Meinung nach, ist es immer die Partnerin, die die Schuld an der Trennung trägt. Das Opfer leidet natürlich unter dieser Ungerechtigkeit und kann diese Schuldzuweisungen kaum aushalten. Die Bedenken, etwas falsch gemacht zu haben, nehmen derweil unnatürliche Formen an und die Beziehung wird deshalb eben nicht beendet.

Da jedoch mittlerweile die narzisstische Gewalt erkannt wurde, weil der Trennungswunsch massive destruktive Bewegung in die festgefahrene Beziehung bringt, spitzt sich die Lage dann oft zu. Der Trennungswunsch wird ist zwar massiv da, aber die Umsetzung wird nicht vollzogen. Sattdessen beginnt in vielen Beziehungen der Trennungskrieg. Es wird davon gesprochen. Es wird darüber geredet. Der Narzisst vergisst jedoch alle Gepräche und tut so, als sei nichts vorgefallen. Der Narzisst eröffnet das Trennungsspiel in die Abhängigkeit.

Grenzen werden gezogen

Spricht die Partnerin eine Trennung an, setzt der Narzisst ein Ultimatum und bringt die Partnerin damit unter Druck. Lässt diese die Frist ungenutzt verstreichen, beendet der Aggressor die Beziehung; und schuld hat die Partnerin, die das Beziehungsende damit heraufbeschworen hat. Geht das Opfer wieder zurück in die Beziehung, um sich aus dieser Schuld zu befreien, wird diesem Irrsinn auch kein Ende gesetzt. Die Partnerin wird den Vorwurf, sie habe die Trennung schließlich vollzogen, nicht mehr los. Denn es ist ein Spiel, und es ist sein Spiel. Alles was jetzt passiert, wäre niemals passiert, wenn sie nicht gegangen wäre.

Werden diese Schuldzuweisungen über eine längere Zeit gegen das Opfer eingesetzt, kann diese Form der Erziehung den schwächeren Partner nicht nur schädigen, sondern auch hochgradig abhängig machen. Das Opfer wird jetzt unsicher und findet eine Logig in seinen Worten, die es nicht gibt. Also richtet sich die Partnerin noch mehr nach dem passiv aggressiven Partner, und traut immer weniger der eigenen Wahrnehmung. Die Tatsache mit einem Narzissten liiert zu sein, setzt bald keinen Handlungsbedarf mehr voraus und die Erkenntnis verpufft unmerklich. Eine Trennung erscheint zu schmerzhaft. Willkommen in der Abhängigkeit, die praktisch durch die Trennung erst so richtig ausgelöst wird.

Die Partnerin weiß jetzt zwar, dass es von etwas abhängig ist, was ihr definitiv nicht gut tut, verliert jedoch immer mehr an Selbstbewusstsein und investiert noch mehr Herzblut in die Beziehung, als es vorher schon der Fall war. Jetzt möchte sie die Beziehung um jeden Fall retten, da es ja nachweislich auch ihre Schuld ist, dass die Beziehung nicht funktioniert. "Du kannst ja niemanden lieben, auch mich nicht." Diese Sätze vom Aggressor heitzen die ungute Stimmung noch mehr auf. Erklärt sich die Partnerin: "Doch ich liebe Dich", sagt der Narzisst: "Du hast mich doch verlassen. Wie soll ich Dir denn noch glauben?"

Manipulation und die Verdrehung der Tatsachen

Statt sich dem angstvollen Gefühl einer Trennung nun tatsächlich zu stellen, werden tausend Ausreden gesucht, um bei dem übergriffigen Partner zu bleiben. Seine Argumentation schein logisch und zutreffend. Das über eine Trennung gesprochen wurde und tatsächlich gute Gründer, nämlich sein Fremdgehen zu der vorrübergehenden Trennung geführt haben, darf natürlich nie mehr angesprochen werden. Auch das akzeptiert die Partnerin und sucht tausend Ausreden, die rechtfertigen, bei diesem Partner letztendlich zu bleiben.

Sind Kinder beteiligt, sollte eine Trennung nicht vorschnell ausgesprochen werden. Da die Trennung, wie hier ja schon beschrieben in dieser Form ablaufen kann, wird der Aggressor alles daran setzen, die Kinder auf seine Seite zu ziehen, um sie gegen die Mutter auszuspielen. Erst wenn die Trennung gedanklich, praktisch und emotional eine beschlossene Sache ist, sollte gehandelt werden. Ansonsten droht der Narzisst, die Kinder würden bei ihm bleiben. Und seine Chancen stehen hier gut. Er manipuliert die Kinder schon massiv im Vorfeld und spielt das Opfer, dass diese nachher tatsächlich bei ihm bleiben würde. Die Trennung sabsicht reduziert sich damit fast auf Null. Hier ist also Vorsicht geboten. Auch hier nimmt die Abhängigkeit vom Aggressor nachher solgar noch zu.

Was soll ich denn tun?

Viele Fragen und Überlegungen sollten erst einmal genau angesehen werden, bevor eine Trennung tatsächlich ausgesprochen wird. Die eigenen Bedenken sollten schon im Vorfeld ernst genommen werden. Diese Bedenken mit dem Aggressor zu besprechen, ist völlig abwegig. Eine Unterhaltung mit einem Waschbecken würde mehr Erkenntnisse bringen. Die oben genannte, entstehende Zunahme der Abhängigkeit sollte auch nicht von der Hand gewiesen werden. Eine Trennung von einem Narzissten muss gut überlegt und erst dann vollzogen werden.
Auch Freunde und Bekannte sollten diese Sorgen und Nöte nicht beiseite schieben und denken, es würde sich schon alles finden. Geht das Opfer wieder zurück verstehen sie nämlich die Welt nicht mehr, weil sie schon vorher sehr wenig von dem verstanden haben, was in einer Missbrauchsbeziehung tatsächlich stattfindet. Nämlich tiefe, durchgreifende Gewalt, die zwar mit Zustimmung des Opfers ausgeführt wird, aber die die gleichen Schmerzen hervorruft.

Wie kann ich die Trennung vorbereiten?

Es gibt viele Faktoren , warum die betroffene Frau in der Beziehung verbleibt. Es ist der Missbrauch an sich, der den Selbstwert zerstört hat und die Angst vor der Zukunft, ohne den Narzissten. Dürstere Gedanken kreisen Tag und Nacht und machen das Leben schwer:

Ich liebe ihn und werde ihn immer lieben
Ich kann nicht ohne ihn leben
Ich habe keine anderen Bezugspersonen, Freunde, Familie und Bekannte
Ich habe kein Geld um alleine klar zu kommen
Ich verschlechtere mich allgemein, wenn ich gehe
Ich nehme meinen Kinder den Vater
Ich nehme meinem Partner die Kinder weg
Ich müsste ohne meine Kinder gehen
Ich muss mir eine andere Arbeit suchen, weil ich mit ihm zusammen arbeite
usw.

Die Lösung? Antworten finden!

Das Leben nach der Beziehung muss nicht nur geordnet werden, es sollte auch emotional weitgehend abgesichert sein. Antworten auf wichtige Fragen müssen erst gefunden werden, mit denen später gelebt und umgegangen werden kann. Die Betroffene muss sich hier selbst an die Arbeit machen. Zweifel, Unsicherheit und Angst nehmen sonst zu und bestimmen weiter das Leben. Die Abhängigkeit wird sonst immer zunehmen, weil die Betroffene sich immer weniger zutraut. Die Trennung mag dann zwar angeschoben werden, aber kann sie auch durchgehalten werden?

Bestimmte Gedanken geduldig zu hinterfragen schiebt die Angst und die Unsicherheit ein wenig zur Seite. Sich selbst Mut zu machen gehört auch dazu. Alternativen zu suchen und sie zu finden sind Wege aus der Beziehung. Nach draussen zu gehen, raus der Isolation, kann ein erster Schritt in die emotionale Freiheit sein.

Neue Gedanken, für ein neues Leben

Neue Gedanken findet man nur in der Aussprache mit anderen, sonst kreist der Mensch immer nur um die gleichen Muster. Sich selbst zu erlauben, dass es neue Gedanken geben darf, sind treue Begleiter in ein freies und eigenständiges Leben.

Die unheilvollen Sätze des Aggressors, die sich tief eingegraben haben, müssen verarbeitet und umgeschrieben werden. "Wenn du so denkst, mach ich besser Schluss." Wer diese Sätze immer wieder hört, stellt für sich fest, dass es gewisse Gedanken in einer Beziehung gar nicht geben darf. Irgendwann wird diese Überlegung zur Akzeptanz. Die Realität und wird nicht mehr hinterfragt. Ob der Ausschluß solcher Gedanken wirklich sinnvoll sind, ist dann kein Thema mehr.

Was der betroffenen Frau immer wieder "vorgekaut" wurde, wird sie natürlich nicht mit zwei, drei Sätzen vergessen lassen. Es braucht Geduld. Antworten müssen her.


Ich liebe ihn und werde ihn immer lieben
- aber mich liebe ich auch und mir geht es so schlecht, dass es mich bald nicht mehr gibt, wenn ich nicht gehe. Ich leide und es wird nicht besser. Lieben kann ich ihn ja weiter, aber aus sicherer Entfernung. Ich...

Ich kann nicht ohne ihn leben
- dieses hat er immer versucht mir zu sagen, mir zu unterstellen, aber ich werde lernen, dass ich mich auf mich selbst auch verlassen kann. Ich...

Ich habe keine Freunde
- aber ich werde mich jetzt umsehen. Ich werde jetzt Kontakt aufnehmen und Vertraute suchen, auch wenn ihm dies nicht gefällt. Alte Freundschaften werde ich wieder aufbauen und Hilfe suchen. Ich werde meine Familie um Unterstützung bitten. Ich werde versuchen Menschen zu finden, die mich auf dem Weg aus dieser Verbindung zu begleiten. Ich...

Ich habe kein Geld, um alleine klar zu kommen
- aber ich rechne jetzt alles ganz genau nach und wenn ich feststelle, dieses Geld reicht nicht, werde ich nachfragen, wohin ich mich wenden muss, um Unterstützung zu erhalten. Mein Lebensstandard sinkt vielleicht, aber mein Leben macht wieder Sinn. Ich...

Ich nehme meinen Kinder die Familie
- ja, dieses stimmt so. Aber wenn ich nur deshalb bleibe, führe ich meinen Kindern jeden Tag vor, wie ein Mann seine Frau behandeln darf. Das wird sich später auswirken und den Kindern nicht gut tun. Den Kindern erweise ich damit keinen Gefallen. Sie werden mich nach einiger Zeit verachten und sich abwenden, wenn ich nicht gehe. Ich...

Ich nehme meinem Partner die Kinder
- ja, aber ich kann mich bemühen, den Einfluss auf die Kinder möglichst gering zu halten, um ihm so die Chance zu geben ein guter Vater zu sein. Wenn er dies nicht ist, werde ich geeignete Mittel ergreifen. Ich ...

Ich muss eine andere Arbeit finden, weil ich mit ihm zusammenarbeite
- eine neue Tätigkeit zu finden geht von heute auf morgen, aber ich werde mich in aller Ruhe umschauen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, diese Abhängigkeit zu lösen. Ich...


Ich werde für immer traurig sein
ja - natürlich werde ich traurig sein.
Schwach und Einsam. Ich werde trauern, wenn ich diese Beziehung verlasse und dazu habe ich alles Recht dieser Welt. Ich werde aber auch wieder Freude am Leben finden, weil ...


Warum kann ich nicht einfach gehen und den Narzissten verlassen? Wie lange bleibe ich noch? 

Viele Betroffenen warten auf den richtigen Tag, an dem sie gehen werden. Ganz ehrlich? Dieser Tag wird nie kommen, weil der Narzisst Dich viel zu gut kennt und deine Grenzen immer wieder neu auslotet. Er trennt sich. Du trennst Dich und bist froh, wenn er wieder da ist. Du trennst Dich, um Grenzen zu setzen, aber insgeheim stehst du in keinster Weise hinter der Trennung. Diese Überlegung führt also direkt in eine noch größere Abhängigkeit, weil du vielleicht nicht ohne den Aggressor leben kannst, der Narzisst kann es. Bemerkt er Deinen Widerstand, rudert er vielleicht wieder zurück. Aber er sucht auch nach Ersatz. Ohne narzisstische Zuführ kann er nicht sein. Du denkst es wird besser und damit hat er Dich wieder eingefangen. Glaub mir. Es wird nicht besser, es wird schlimmer, weil sein Bestrafungssystem noch mehr angeschoben wird, weil du das Wort Trennung in den Mund genommen hast.

Es gibt also keinen guten Tag, um zu gehen. Jeder Tag ist der richtige, aber nur, wenn du tatsächlich gehen willst.

Jeder Tag mehr schwächt dein eigenes Selbst. Der Gedanke, es muss es mir erst etwas besser gehen, erweist sich als Trugschluss. Denn jeder Tag mehr bestärkt Dich unbewusst in dem Glauben, sein perfides Verhalten tatsächlich verdient zu haben. 

Eine Trennung fühlt sich immer an wie ein riesiger Berg, der sich einfach nicht bewältigt lässt und doch ist es möglich. 

Vertrau auf Dich und geh,
wenn Deine Zeit dafür gekommen ist.