Die Trauerphase nach der Trennung von einem Narzissten

Wie soll ich das alles überstehen?

Die Trennung von einem Narzissten fühlt sich an wie eine Trennung von sich Selbst. Und genau das ist es auch. Der Narzisst hat keine eigene Persönlichkeit mitgebracht und nur die Partnerin ausgelotet. Diese hat sich ihm angepasst und nach und nach ihr eigenes Leben und ihre Gefühlswelt aufgegeben. Sie ist zu einem Spiegel des Narzissten geworden und sich selbst fremd. Alle Anteile, die einst positiv und liebenswert an ihr waren, wurden verurteilt, abgewertet und fühlen sich nach der Trennung an, wie ausgelöscht.

"Ich will wieder zurück"

In der ersten Zeit nach der Trennung herrscht nur dieser eine Gedanke vor. Die Sucht nach dem Partner ist stärker als vielleicht gedacht, da dort die eigene Persönlichkeit hängen geblieben ist, die man noch kennt. Das eigene Ich ist verschüttet. Die Betroffene fühlt sich beschmutzt, weggeworfen und allein.
Dass man auch schon während der Beziehung mehr oder weniger allein gelebt hat, dessen ist man sich durchaus bewusst; trotzdem war da immer noch der Partner, um den sich halt das ganze Denken gedreht hat. Mit der Trennung hat man daher nicht nur den Narzissten verloren, sondern auch den eigenen Lebensmittelpunkt. Die Lebensumstände verändern sich jetzt dramatisch und man wünscht sich in die Beziehung zurück, damit der Schmerz endlich nachlässt.

"Ich bin ja selbst schuld"

Dazu kommt die Verarbeitung der vermeintlichen Schuld, die Trennung angeschoben zu haben. Spielt der Aggressor diese Schuldgefühle auch noch nach der Trennung aus, weil das Opfer nicht sofort den Kontakt abbricht, landet die Betroffene in einer Endlosschleife und macht sich immer wieder die gleichen Vorwürfe. Sie wird zum Echo des Narzissten und findet darin eine Logik, die es gar nicht gibt. Die Betroffene trägt jedoch nicht die Schuld an dem Ende der Beziehung. Vielmehr hat der Aggressor selbst dafür gesorgt, mit seinem perfiden Verhalten der Partnerin gegenüber.
Nur, diese Klarheit hat keine betroffene Frau, die gerade die Beziehung verlässt. Diese Erkenntnis mag zwar da sein, verflüchtigt sich jedoch immer wieder. Um diesen Gefühlen endgültig auszuweichen, gehen viele Betroffene wieder zurück in die Beziehung. Auch dieser Vorgang findet eher unbewusst statt, da immer wieder andere Gründe vorgeschoben werden.

Um diesen unbewussten Fallstricken auszuweichen, sollte der Kontakt, wenn möglich, unbedingt unterbunden werden, damit die Gehirnwäsche ein Ende findet.

"Der Partner ersetzt mich"

Ja, das wird er wohl tun. Ohne Bestätigung und Aufmerksamkeit kommt er nicht zurecht und ist darauf angewiesen. Viele Frauen sehen sich außerdem mit der Tatsache konfrontiert, sofort durch eine andere Frau ersetzt worden zu sein. Anstatt nun entsetzt und enttäuscht über den Partner zu sein, fragt sich das Opfer stattdessen, was es selbst falsch gemacht hat. Die vorgebrachten Gründe des Aggressors sind beizeiten völlig absurd. "Du hast mich zu oft allein gelassen."
Oft werden sie auch nur pauschal mitgeteilt, trotzdem bleiben sie im Gedächtnis der Betroffenen und führen dort ein Eigenleben.

Was die Partnerin in dieser Situation nur selten zur Kenntnis nimmt, ist die Tatsache, dass der Aggressor spiegelt. Er redet hauptsächlich von sich selbst, sobald er dem Opfer Vorwürfe macht und projeziert sein destruktives Verhalten auf sein Gegenüber.

Nicht die Frau hat in unserem Beispiel den Partner zu lange allein gelassen, sondern umgekehrt hat der Aggressor sich kaum noch um die Partnerin bemüht, während diese sich für ihn abgearbeitet hat.
In deren Überlegungen schließt sich der Kreis, indem sie für sich befindet, dass sie sich halt nicht genug bemüht hat. Ein Irrtum, da sie gar nicht gemeint war. Sie war niemals diese Person, um den sich der Aggressor gedreht hat. Dieser hat nur sich selbst im Blick.

Die Verletzungen müssen heilen!

Das Ende der Beziehung tut weh. Ja, zweifelsohne ist die Trauer da. Und noch etwas passiert jetzt. Die erlebten Verletzungen kommen jetzt erst richtig ans Licht.
In der Beziehung rollte eine Verletzung nach der anderen auf das Opfer zu und konnte nicht verarbeitet werden. Diese Tatsache macht möglich, den Verletzungen nicht den richtigen Wert zugeordnet zu haben und vieles zu glauben, was der Aggressor dem Opfer vorwirft. Das Wahrnehmen der eigenen Würdelosigkeit und die destruktiven Gedanken lähmte in vielen Fällen ganz massiv die eigene Person und vieles muss erst wieder den richtigen Platz finden. Hören die Verletzungen auf, kann das Hirn sich mit jeder Situation innerhalb der verlassenen Beziehung auseinandersetzen.

Viele Betroffene stehen diesem Schmerz hilflos gegenüber und wünschen sich Ruhe und Gelassenheit. Aber, dann wird wieder alles verdrängt. Besser ist es also, sich diesen Gedanken zu stellen und sie freundlich zu begrüßen. Sie helfen. Diese Gedanken sind nicht Dein Feind.

Nur so beendet sich gleichzeitig auch das Kreiseln der Gedanken. Nur halt nicht sofort, weil es viel zu verarbeiten gibt. Außerdem macht das Hirn erst einmal so weiter, wie in der Beziehung. Die Gedanken beschäftigen sich weiter mit dem Partner. "Wie erlebt dieser gerade die Trennung?"
Von der einsetzenden Trauer, um die vermeintlich rosarot gefärbte Zukunft mit dem Partner, mal ganz abgesehen. Zerplatzte und zerstobene Lebensträume mit eingeschlossen.

Die eigene Psyche hat sich scheinbar irgendwie aufgelöst und man fühlt sich wie umprogrammiert.

Emotionale Gewalt und Partnerschaftsgewalt hinterlässt immer diese Spuren, ganz besonders in der Psyche der Betroffenen. Dass sich die in Aussicht gestellte wunderbare Zukunft mit dem Partner niemals eingestellt hätte, weiß die Frau im hintersten Winkel ihres Herzens. Trotzdem ist der Verlust einfach "da". Sich aus einer destruktiven Partnerschaft zu lösen ist schwer. Die erlittene Ungerechtigkeit muss kompensiert werden und die zerbrochene Seele muss Heilung finden. Das kostet mehr emotionale Kraft als eine herkömmliche Trennung.

Das Selbstbewusstsein, die Seele und die körperliche Verfassung hat enorm gelitten und schon eine kurze Beziehung mit einem persönlichkeitsgestörten Menschen kann das Opfer in einen Strudel von Verzweiflung, psychischen Schüben und Verzweiflungsgedanken treiben. Diese Gefühle sind mit einer normalen Trennung ebenfalls nicht vergleichbar.

Trotz allem lohnt es sich die Trennung durchzuhalten, auch wenn es schwer fällt, sich nicht wieder mitreißen zu lassen, von einem Schwall von Lügen und Lockangeboten. Diese versprechen zwar eine bessere Partnerschaft, aus der jedoch niemals etwas werden wird. Es sind nur Worte. Worte ohne Bedeutung und Hintergrund.

Niemand versteht mich

Die Schilderung der Lebensumstände wird manchen Zuhörern nach der Trennung oft zuviel und den massiven Schmerz können auch nahestehende Personen meist nicht nachvollziehen. Da die Bewältigung des Traumas jetzt aber erst einsetzt, kommt dementsprechend alles neu und unverarbeitet an die Oberfläche und sucht sich Raum. Alles was bisher verdrängt wurde, kommt jetzt an die Oberfläche. Die eigene Persönlichkeit muss einen neuen Platz finden. Die Gedanken des Opfers kreisen nur noch um die Beziehung und um die Bewältigung der vielen ungelösten Fragen. Das Wutpotential ist enorm und das Opfer fragt sich, wie es sich anderen Menschen gegenüber verhalten soll.

Das Mißtrauen gegen andere Menschen, welches in der Beziehung gesät worden ist, kann nicht von heute auf morgen abgelegt werden. Die Umwelt, die bisweilen mit Unverständnis reagiert, wird Prüfungen unterzogen. Jedes Verhalten, welches Ablehnung, Wut und Manipulation ausdrückt, kann selten, bis gar nicht mehr ausgehalten werden. Das wiederum fühlt sich für die umstehenden Personen, die es eigentlich gut meinen, nicht gut an. Es hilft jedoch nichts. Die Betroffene kann nach der Trennung nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen. Sie wurde verbal, emotional und/ oder körperlich angegriffen. Die Seele hat gelitten. Die Seele wurde vergewaltigt und ob nicht tatsächlich eine körperliche Vergewaltigung, mit Zustimmung des Opfers, statt gefunden hat, müsste eigentlich auch noch geklärt werden.


Die Umgebung, die jetzt das ganze Ausmaß der Misshandlung und die Folgen für das Opfer begriffen hat, reagiert darauf teilweise nur noch mit Unverständnis. Viele trennen sich öfter und gehen doch immer wieder zurück. Das hat zur Folge, dass Hilfsangebote von Freunden, Familie und Bekannten immer weniger werden. Die Betroffene isoliert sich und erhält dann gar keinen Rückhalt mehr. Sie schämt sich. 

Gib nicht auf!
Therapie, Ärzte, Psychosomatische Kuren, Selbsthilfegruppen und gleichsam Betroffene geben Halt und Energie, die Trennung durchzuhalten. Selbst wenn mehrere Anläufe nötig sind, sind diese Versuche besser, als sich selbst aufzugeben und in der Beziehung zu bleiben.

Die erfahrene Gewalt muss erst als solche akzeptiert, und als Gewalterfahrung verarbeitet werden, bevor Heilung eintritt.

Die Betroffene braucht nach der Trennung Zeit, Bestätigung und keine Vorwürfe. Aussagen wie: Warum bist du nicht früher gegangen, helfen da wenig und belasten mehr, als sie tatsächlich Hilfe bieten. Sollte das soziale Umfeld hier unfreundlich reagieren und tatsächlich nicht verstehen wollen, ist es besser eine kleine Auszeit von einzelnen Personen zu nehmen.

Warum ist mir das passiert?

Die Frage, warum bin ich in so etwas hineingeraten und warum bin ich geblieben, muss natürlich auch noch einen Platz finden. Im ersten Trennungsschmerz ist dies aber gar nicht möglich. Der Schmerz ist einfach zu groß und drängt sich in den Vordergrund. In dieser Zeit belastet diese Frage mehr als sie gut tut. Jetzt muss erst einmal jeder einzelne Tag für sich bewältigt und gelebt werden.
Die eigene Person sollte jetzt das Wichtigste sein. Ihr zu geben, was sie braucht, ist das Ziel an jedem neuen Tag. (Damit ist nicht gemeint sich den Partner herbeizuwünschen, damit der Terror wieder von vorne beginnt). Die Sucht nach dem Partner raubt die ganze Kraft weg und nichts fühlt sich normal an. Auch hier braucht es Zeit und Geduld mit sich selbst.

Sich um sich Selbst zu kümmern ist deshalb kein Egoismus. Sich seiner eigenen Interessen wieder bewusst zu werden und alte, abgelegte, liebgewonnene Tätigkeiten wieder aufzunehmen, sind gute Möglichkeiten den Tag zu überstehen.
Es wird vieles besser werden, aber die Heilung geschieht nicht von Heute auf Morgen. Zeit und Geduld mit sich selbst hilft, die erste schlimme Zeit zu überbrücken. Dieser Satz ist keine Wiederholung, sondern eine Tatsache. Nichts wird sofort besser, bereite dich wenn möglich darauf vor, bevor du gehst.