Habe ich mit der Trennung von meinem narzisstischen Partner einen Fehler gemacht?
Ist die Beziehung mit einem Narzissten von einer emotionalen Abhängigkeit geprägt, ist diese Frage fast schon an der Tagesordnung. Nein, du hast keinen Fehler gemacht. Die Trennung von einem narzisstischen Partner dient deinem seelischen Schutz und ist für dein Wohlbefinden unerlässlich.
Eine Trennung hat Vorteile
Frisch getrennt kann sich jetzt vieles zum Guten wenden.
Die Seele kann aufatmen!
Das Warten auf die nächste Entgleisung des Partners entfällt!
Den Verletzungen muss nicht mehr standgehalten werden!
Der Körper kann sich erholen!
Das Leben wird ruhiger und ausgeglichener!
Das eigene Selbst kommt wieder zum Vorschein.
Kontaktabbruch und das Abschlussgespräch
Endet eine Beziehung, ist dies fast immer eine schmerzvolle Erfahrung, auch wenn die Beziehung gut gelaufen ist, aber aus irgendeinem Grund nicht mehr weitergeführt werden kann. Selbst wenn man sich aus eigenem Antrieb trennt, geht das meist nicht ohne Wehmut. Oft finden mehrere Abschlussgespräche statt, das Paar bleibt freundschaftlich verbunden oder ist sich nach einer Trennung immer noch einander behilflich.
In einer narzisstischen Beziehung ist dies alles schlicht nicht möglich.
Da schon vorher kein vernünftiger Austausch möglich war, sollte diese Tatsache eigentlich nun keine Überraschung mehr sein. Trotzdem hoffen viele Betroffene das Beste und fordern insbesondere das letzte, scheinbar alles klärende Abschlussgespräch vehement ein.
Bist du dir jedoch sicher, dass du diese offenen Fragen nicht nur klären willst, um die Beziehung weiter fortzuführen? Vielleicht überlegst du dir auch, dass es dir dann besser gehen könnte, wenn alle Tatsachen ausgesprochen werden und du ihm deine Sichtweise nahebringen kannst! Wahrscheinlich hast du tausend Fragen im Kopf und möchtest Antworten.
Es gibt also viele gute Gründe für dieses Gespräch. Du wirst nur keine brauchbaren Antworten erhalten. Was innerhalb der Beziehung nicht geklärt werden konnte, findet auch jetzt keinen vernünftigen Abschluss. Mit einem anderen Partner vielleicht, mit einem Narzissten ganz sicher nicht. Das Ganze endet in Schuldzuweisungen und neuen Verletzungen.
Verzichte bewusst auf das Abschlussgespräch
Hast du dich für einen Kontaktabbruch entschieden, könnte dieses Gespräch für dich einen Rückfall bedeuten; insbesondere wenn er sich als Opfer aufspielt und an dein Mitgefühl appelliert. Führe dir das vor Augen und frage dich, ob es das wert ist. Plötzlich ist er krank oder möchte dich heiraten, wenn nicht sogar Kinder mit dir bekommen. Alles ist jetzt möglich, aber meint er es ernst? Diese Frage bringt dich wieder in seine Umlaufbahn und ein neuer Kreislauf beginnt.
In anderen Fällen wird er dir vielleicht von seinem tollen neuen Leben erzählen. Der Narzisst ist gekränkt, egal was er sagt, egal wer die Trennung angeschoben hat und du musst dir nun anhören, wie glücklich er ist und wie gut es ihm getan hat, die Beziehung zu beenden. Oder er erklärt dir, dass die brandneue Frau in seinem Leben jetzt seine große Liebe ist und du brauchst Wochen, um dich von seinen Erzählungen zu erholen.
Natürlich wird er dir zeitgleich mitteilen, wie sehr er dich vermisst. Vielleicht hörst du auch, dass man gute Freunde bleiben sollte oder eine Freundschaft Plus ganz in seinem Sinne wäre. Die Hoffnung auf eine Weiterführung der Beziehung wird er dir ganz sicher nicht nehmen.
Kontaktabbruch und der Suchtfaktor
Da es schwierig ist, nach der Trennung getrennt zu bleiben, solltest du auf jede weitere Kontaktaufnahme verzichten, wenn das möglich ist. Ansonsten bist du schnell wieder in einem unerfreulichen Beziehungsprozess verstrickt. Unbeschadet aus diesem Desaster auszusteigen und keinen Gedanken mehr an den Aggressor zu verschwenden, ist sowieso unmöglich.
Stattdessen wird sich eine Art Sucht nach dem Partner einstellen, die man auch als Co-Abhängigkeit bezeichnen kann. Darauf solltest du dich vorbereiten.
Obwohl das Opfer weiß, dass sich am perversen Verhalten des Aggressors nichts ändern wird, kreisen die Gedanken unaufhörlich um die Chancen einer Weiterführung der desolaten Beziehung. Natürlich unter ganz anderen Vorzeichen. Wer möchte den Narzissten schon so nehmen, wie er tatsächlich ist!
"Er will sich doch ändern"
Nein, will er nicht. Natürlich wird er es versprechen, denn nun ist einfach alles möglich. Er braucht nur noch eine erste, zweite, dritte, vierte ... Chance. Du bekommst vielleicht sogar eine Entschuldigung und er geht mit dir zur Paarberatung. Mit großer Liebe hat diese Einsicht allerdings nichts zu tun, mag er dies auch immer wieder betonen. Gemeint ist etwas anderes. Das sollte keine Frau vergessen, die sich da gerade einredet, dass er sie liebt und nun alles gut werden wird.
Hat er noch keinen Ersatz gefunden, möchte er sein Opfer nicht verlieren. So einfach ist die Erklärung, die niemand hören will. Jemand zu finden, über den er weiterhin sein Kontroll- und Machtverhalten ausüben kann, ist nicht so leicht. Deshalb möchte der Narzisst möglichst lange auf sein Opfer einwirken, ohne die Beziehung tatsächlich wieder aufleben zu lassen. Er hält sich die Partnerin warm und du bist vielleicht auch nicht die erste Ex-Frau, mit der er in Kontakt bleiben will.
In meinem Buch kannst du dich detailliert informieren, welche Manipulationstechniken der Narzisst einsetzt, um das Opfer an sich zu binden.
Die Beziehung gleitet ab in eine Gewaltspirale
Gehst du wieder zurück in die Beziehung, wird die psychische und emotionale Gewalt zunehmen. Verschließe davor nicht die Augen. Der Aggressor erlebt jede Trennung als narzisstische Kränkung, und sein Ego zeigt sich wenig begeistert. Seine Bemühungen, die Beziehung wieder aufleben zu lassen, empfindet er zudem als Demütigung. Das Opfer wird er deshalb irgendwann dafür bestrafen. Nach einem vielversprechenden Neuanfang wird er sich wieder destruktiv verhalten, und die Beziehung wird in einer Gewaltspirale enden.
Dieses Werk der Zerstörung wird häufig nicht als eine Folge der Trennung wahrgenommen, weil sich dieses Verhalten erst Wochen später manifestiert. Der Partner rächt sich zeitverzögert für die Zurückweisung, die er durch das Opfer erlebt hat.
Finden die Partner wieder zueinander, kann die Rache des Narzissten so grausam sein, dass es einer Zerstörung des Opfers gleichkommt. Hier ist also Vorsicht geboten!
Das Opfer beendet den Tanz
Dieser Spruch ist wörtlich gemeint. Nach der Trennung fällt es dem Opfer zu, den Aggressor auf Abstand zu halten. Dieser wird auch nach der Trennung nicht aufhören, sein Kontrollverhalten über dich auszuleben. Die Partnerin ist schließlich sein Eigentum – jedenfalls in seinen Augen. Verwechsle dieses Denken nicht mit dem Interesse an deiner Person. Ein narzisstischer Mensch lässt immer ein paar Türen offen, um seine Destruktivität weiter ausleben zu können. Negativer Input eignet sich hierfür genauso gut wie eine positive Verstärkung.
Eine Beziehung mit einem Narzissten als Freundschaft mit gegenseitiger Wertschätzung weiterzuführen, ist unmöglich. Ein Kontaktabbruch ist hier also das Mittel der Wahl. Nur so können weitere seelische Verletzungen vermieden werden.
"Ich bin selbst schuld an der Trennung"
Nach jeder Trennung steht das Opfer vor einem Berg von Schuldgefühlen. Ich bin mir sehr sicher, dass es eine unbedeutende Kleinigkeit zur Trennung geführt hat, die sonst niemand interessiert hätte. Habe ich recht?
Entweder warst du zu eifersüchtig oder zu unaufmerksam oder hast dich zu wenig um ihn gekümmert. Selbst wenn er fremdgeht, findet er die Schuld bei dir. Seine Aussagen entbehren jeglicher Logik, und du denkst stundenlang darüber nach, was er gemeint haben könnte. Richtig?
Selbst wenn er einen Autounfall haben sollte, bist du schuld. Du hast ihn nicht angerufen und deshalb war er mit seinen Gedanken woanders. "Eine Partnerin, die sich nur um sich selbst kümmert, kann er nicht brauchen." Am Ende seiner Überlegung wird er dich anrufen und dir erzählen, dass du egoistisch bist und er sich trennen will. Du liegst dann die ganze Nacht wach und fragst dich, was du falsch gemacht hast. Zum Schluss kommst du dann zu dem Ergebnis, dass du nur pünktlich hättest anrufen müssen und deine Beziehung wäre gerettet gewesen. Deine Geschichte ist anders? Ich bin mir fast sicher, dass sie ähnliche Inhalte hat.
Der Aggressor wird niemals eine Verantwortlichkeit bei sich selbst finden. Lass dich durch seine Argumente nicht einfangen und verwirren.
"Warum ist fast immer eine andere Frau im Spiel?"
Hier sei angemerkt, dass sich nicht alle narzisstisch geprägten Menschen auf diese Weise verhalten. Sein Verhalten ist jedoch auffällig genug, dass es zumindest erwähnt werden muss. Der Grund für dieses Verhalten lässt sich ebenfalls gut nachvollziehen.
Hat das Opfer bereits signalisiert, dass es seine Muster durchschaut hat, verliert der Narzisst schnell das Interesse an der Beziehung, da die vertraute Bewunderung und Bestätigung weniger wird oder ganz ausbleibt. Er sieht sich anderweitig um.
Hat die Partnerin keine Kraft mehr und fühlt sich ausgelaugt, hat das den gleichen Effekt. Er erhält nur noch eine minimale narzisstische Zufuhr. Ohne diese Pluspunkte hat er keine Freude mehr an der desolaten Beziehung und sucht nach Ersatz. Obwohl sich das rücksichtslos und lieblos anhört, entspricht das leider ganz genau den Tatsachen.
"Er geht bestimmt wieder zurück zu seiner Ex"
Opfer bzw. Frauen, die er kennt, sind für ihn leichter zu manipulieren, und diesen wird er sich als Erstes zuwenden. Das könnte sein. Ihre individuellen Verhaltensmuster sind ihm mehr oder weniger bekannt. Eine völlig neue Beziehung aufzubauen, ist da schon schwieriger. Außerdem bekommt er hier zusätzlich die Bestätigung, dass er das Scheitern der alten Romanze nicht zu verantworten hat, wenn ihn seine Ex mit Kusshand wieder zurücknimmt. An ihm kann es also nicht liegen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich herumgesprochen hat, wer hier das eigentliche Problem ist.
"Er wird sich anderen Frauen zuwenden"
Nicht jeder Narzisst kann eine Ex aus dem Hut zaubern. Hat er die Beziehung mit einer anderen Liaison kompensiert, wird er dir garantiert vorführen wollen, was du an ihm verloren hast. Egal mit welcher Frau an seiner Seite. Das ist natürlich nur möglich, wenn du den Kontakt zu ihm nicht einstellst. Sein Schwerpunkt liegt auf der Next, mit der er in seinen nächsten Honeymoon startet. Seine Destruktivität lässt er bei der Person ab, die er nun nicht mehr braucht. Das bist leider du.
Auf diese Weise erhält er weiterhin Aufmerksamkeit und Bewunderung, Anteilnahme und emotionalen Input von allen Seiten. In dieses Ziel investiert er viel Zeit und große Worte: „Hättest du vieles anders gemacht, hätte er nicht gehen müssen.“ Mit diesen Worten zieht er dich zu sich. Du kämpfst weiter um ihn, und das gefällt ihm natürlich. Lass dich durch sein gespieltes Interesse nicht einfangen und versuche, die Hintergründe seiner Manipulation zu verstehen.
"Er erlebt den Honeymoon jetzt mit einer anderen Frau"
Den Honeymoon erlebt jetzt die Next, das ist richtig. Diese tolle Zeit hattest du auch mit ihm. Natürlich fragst du dich, ob diese nun all das für immer bekommen wird, was du dir von ihm gewünscht hast. Du fragst dich, ob es an dir gelegen hat und hast Angst, dass er mit seiner neuen Beziehung viel glücklicher ist als mit dir?
Dieses Denken nimmt sehr viel Raum ein und wird dich nicht ans Ziel bringen. Diese Fragen mit ihm zu klären und ihm nachzustellen auf Facebook und Instagram wird dir auch nicht weiterhelfen. Dort wirst du glückliche Gesichter und wahrscheinlich seine nächste Freundin sehen. Tu dir das bitte nicht an.
Versuche konsequent, dich von Facebook, WhatsApp usw. fernzuhalten. Halte dich möglichst von allem fern, was seine Person betrifft. Die erste Zeit, in der noch alles in rosaroten Farben leuchtete, lebt sonst immer wieder neu auf. Du hast auch schlimme Zeiten neben ihm verbracht, vergiss das nicht. Das eigene Ego spielt dir sonst einen bösen Streich. In vielen Fällen sagt es dir, dass es falsch war, diesen tollen Mann gehen zu lassen. Nein, das war richtig. Sag das bitte deinem Ego.
Mach dir klar, dass hier nur ein erneuter Honeymoon gelebt wird. Die neue Liaison wird das gleiche ungute Ende nehmen wie deine Beziehung mit dem Aggressor.
"Hoffentlich gibt es bald eine neue Frau in seinem Leben"
Viele Betroffene wünschen sich tatsächlich diese Entwicklung herbei, weil sie denken, der Kontaktabbruch und die Trennung würde dann leichter. Diese Strategie funktioniert wunderbar in der eigenen Gedankenwelt, aber leider nur dort. Sobald diese Tatsache Realität wird, beginnt eine andere Zeitrechnung.
Werden erste Bilder mit einer neuen Partnerin veröffentlicht, kommt naturgemäß die Eifersucht aus allen Ecken gekrochen. Diese zieht und zerrt am Nervenkostüm. Die Beziehung wurde zwar beendet, aber die Liebe zum Partner lebt meist weiter. Und es gibt keine Möglichkeit, diesem Gefühl zu entkommen. Der Schmerz der gelebten Beziehung, die nun endet, muss durchgestanden werden. Ob er Schluss macht oder du, am Ende ist es egal. Der Schmerz ist für dich derselbe.
Freundschaft ohne Ende. Beziehung nicht in Sicht.
Hat der Aggressor eine neue Partnerin, heißt das nicht, dass er schmerzhafte Aktionen in deine Richtung aufgeben wird. Sollte der Aggressor sein neues Opfer verlieren, steht er wieder vor deiner Tür. In anderen Fällen wird er dir genüsslich vorführen, was du alles verloren hast und wie glücklich er nun ist. Hat der Aggressor deine Beziehung mit einer anderen Frau kompensiert, wird er dir das immer wieder mitteilen wollen. Willst du das wirklich?
Er wird dich auch weiterhin nicht gut behandeln und dir sogar Vorwürfe machen oder aufzählen, was du seiner Meinung nach für Fehler begangen hast. Die Verletzungen werden unvermindert weitergehen. Mit dir wird er seine destruktive Seite ausleben, während er mit deiner Nachfolgerin womöglich gerade seinen Honeymoon feiert. Alles ist möglich. Er ist ein Narzisst. Das ist die Realität, so schmerzhaft sie auch sein mag. Deine Gefühlswelt ist ihm völlig fremd.
Versuche also, dich nicht auf seine Freundschaftsangebote nach der Trennung einzulassen. Er wird es dir nicht danken und keine Rücksicht auf deine Gefühle nehmen.
"Er kann sich noch eine Beziehung mit mir vorstellen"
Obwohl er immer wieder betonen wird, wie gerechtfertigt die Trennung ist, vermittelt er dir gleichzeitig das unbestimmte Gefühl, ein Weiterbestehen der Beziehung läge durchaus im Bereich des Möglichen.
„Du hast mich damals nicht gesehen. Ich habe mich zurückgesetzt gefühlt. Du wolltest die Beziehung zu mir doch gar nicht mehr.“ Manipulativ vermittelt er dir, dass du es wieder gutmachen kannst. Seinen Weggang kann er so kaschieren, und du bleibst mit einem unguten Gefühl zurück, weil du dir die Verantwortlichkeit für diesen Fehltritt zuschieben lässt. Am Ende denkst du, dass du die Beziehung aus einem nichtigen Grund beendet hast. Er hätte auch anders handeln können, mache dir das klar!
"Er wird schlecht von mir sprechen"
Lass ihn reden. Er hat schon während der ganzen Beziehung nicht gut über dich gedacht und dieses Denken auch mit anderen geteilt. Nach der Trennung wird er nicht anders handeln. Bedenke, dass er spiegelt. Er redet hauptsächlich über sich selbst. Dass seine Vorwürfe in deine Richtung unbegründet sind, ist ihm nicht bewusst. Er fühlt sich als Opfer, und das lässt er auch jeden in seiner unmittelbaren Umgebung wissen.
Kommst du jetzt daher und zeichnest dort ein ganz anderes Bild, stehst du verständlicherweise auf verlorenem Posten. Versuche, diesem Vorgang nicht allzu viel Bedeutung beizumessen. Wenn er dein Leben weiterhin massiv beeinflussen sollte, kannst du ihn wegen übler Nachrede verklagen. Mit ihm darüber zu sprechen, ist sinnlos. Er wird nie wieder gut von dir denken. Das weißt du, oder?
"Ich bin selbst übergriffig geworden"
Wenn du dich wegen etwas aufregst, ist dies menschlich. Du hast dein Verhalten irgendwann an den Missbrauch angepasst, um dich zu schützen. Dass du dich irgendwann gegen die Allmacht des Narzissten zur Wehr setzt, ist völlig normal und unvermeidbar. Deine Wut ist also berechtigt. Diesen Vorgang nennt man: Täter-Opfer-Umkehr.
Bist du übergriffig geworden und körperlich gegen den Aggressor vorgegangen, dann sei nachsichtig mit dir und ziehe eine sofortige Trennung in Betracht. Dein Verhalten zeugt von Überforderung, die der Missbrauch deiner Gefühle und das Erleben der vielen Ungerechtigkeiten mit sich bringt. Deine eigene Aggressivität zeigt deutlich, dass deine Grenzen überschritten wurden. Distanziere dich von der Person, bei der du in ein gewalttätiges Verhalten verfällst. Damit schützt du dich und andere.
"Er wird mir schaden wollen"
Wenn du aus gutem Grund eine Beziehung verlässt, lass dich niemals dafür verurteilen. Ja, er wird dir schaden wollen. Die ganze Zeit in der Beziehung hat er das auch schon gewollt. Vergiss das nicht. Dein aggressives Verhalten wird er gegen dich verwenden, aber nur, wenn du es zulässt. Er wird dir mit Freude die alleinige Schuld an deinen Ausschreitungen zuschieben und andere Personen über dein Fehlverhalten informieren. Lass ihn reden! Er wird kein Verständnis für deinen Übergriff zeigen. Du musst dich für dein Verhalten also auch nicht rechtfertigen. Bleib weg und lass die Sache auf sich beruhen, so schwer es dir auch fallen mag.
Der Aggressor ist immer das Opfer
Nach einer Trennung ist er dummerweise dazu gezwungen, eine lange Zeit ohne sein destruktives Verhalten auszukommen. Zu seinem nächsten Opfer muss er überaus freundlich sein, damit dieses nicht gleich wieder die Flucht ergreift. Bis seine Manipulationen greifen und die angestrebte Partnerin von ihm abhängig wird, kann er seine destruktive Seite nur sehr begrenzt ausleben. Das Wissen um diese Einschränkung macht ihn unglaublich wütend. Er weiß genau, wie schwer diese Zeit für ihn werden wird. Also wird er der davongelaufenen Partnerin (dir) immer wieder in seinen Augen zu Recht vorwerfen, egoistisch gehandelt zu haben.
In seinem Freundes- und Bekanntenkreis spielt er ebenfalls das Opfer. Dort leidet er furchtbar und weithin sichtbar unter der Trennung. Er scheint untröstlich. Seltsam ist nur, dass er sich niemals danach erkundigen wird, ob die Partnerin auch gelitten hat. Und die neue Frau an seiner Seite wird er auch nicht sofort jedem vorstellen.
Wenn es sich umsetzen lässt, wähle den Kontaktabbruch. Das Opfer verlässt zu Recht den Ort vieler Kämpfe, Niederlagen und Verletzungen. Es dreht dem Kriegsschauplatz den Rücken zu und geht. Jeder Mensch darf sich schützen, wenn er von anderen geschlagen wird. Ob das mit Worten geschieht oder dafür hinterhältige emotionale Übergriffe benutzt werden, ist egal.
Diese Gewaltform hinterlässt gravierende Spuren. In Deutschland ist der Einsatz von emotionaler Gewalt noch nicht strafbar und wird es wohl auch niemals werden. Kommt der Schutz nicht per Gesetz, dann schütze dich selbst. Suche und finde andere Menschen, die dir dabei helfen und dich auffangen. Die dir die Zeit geben, die du für die Trennung brauchst.
Denk daran, der Narzisst ist der Fehler im System und nicht du.
©Evelina

