LEBEN ohne Narzissten

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Verein emLife

Trennung vom Narzissten

Kontaktabbruch - Jetzt will ich mich trennen!

Der lange Weg zurück!

Erst nach dem Ende einer Beziehung mit einem Narzissten beginnt die gesamte Aufarbeitung der Partnerschaft. Viele denken, es könne jetzt ein Schlußstrich gezogen werden, aber dem ist ganz und gar nicht so. Die Seele der Betroffenen ist am Ende. Ihre Leidensfähigkeit hat Dimensionen erreicht, die sich kaum ein anderer vorstellen kann. Mit normalem Liebeskummer hat dieser Zustand nichts zu tun.

Die betroffene Frau, zutiefst traumatisiert, emotional gelöscht und ausradiert, hat sich selbst verloren. In dem Nebel aus Manipulation und Isolierung, die sie in eine Art von Selbstkasteiung getrieben hat, muss sie erst den Ausgang finden. Es braucht Zeit zu erkennen, dass die Trennung eine positive Erfahrung sein kann, trotz aller Trauer.

die Trennung hat Vorteile

frisch getrennt kann sich jetzt vieles zum Guten wenden!
die Seele kann aufatmen!
das Warten auf die nächste Entgleisung des Partners entfällt!
den Verletzungen muss nicht mehr Stand gehalten werden!
der Körper kann sich erholen!
das Leben wird ruhiger und ausgeglichener!
das "alte" Selbst kommt wieder zum Vorschein!

Das Problem - Der Suchtfaktor

Es wird vieles besser, aber es wird nicht alles leichter. Es ist schwierig, die Trennung durchzuhalten. Getrennt zu bleiben ist genau so schwer.
Viele versuchen sich zu trennen und stellen immer wieder fest, dass sie aus der Beziehung nicht aussteigen können, obwohl sich am perversen Verhalten des Aggressors nichts ändert. Eine Zeitlang geht alles gut und dann beginnt alles von vorne.

Natürlich wäre es schön, wenn sich wirklich etwas ändern würde, aber was in Aussicht gestellt wird, trifft nie ein. Alles wird noch schlimmer, weil der Aggressor die Trennung als narzisstische Kränkung erlebt und sich nach einem vielversprechendem Neuanfang - entsprechend destruktiv verhält.
Eine erneute Trennung kostet wieder Kraft, die das Opfer zusätzlich schwächt. Während es der Partnerin schlecht geht, zieht der Aggressor seinen Nutzen aus dieser Situation und ist mit sich und der Beziehung vollkommen im reinen, so scheint es jedenfalls. 

Beziehung und Kontaktabbruch

Immer beendet das Opfer das Leiden

Nach einer Trennung fällt der Frau die Aufgabe zu von dem Aggressor Abstand zu nehmen. Hier spielt es auch keine Rolle, wer die Trennung ausspricht. Beendet der Aggressor die Beziehung, wird er trotzdem versuchen eine gewisse Kontrolle über sein Opfer zu behalten. Wer die Trennung letztendlich auf den Weg gebracht hat, ist ihm völlig egal.
Hat er bereits eine neue Partnerin, heißt das nicht, dass er diese Aktionen und Manipulationen auch aufgibt. Hat er die Beziehung vollständig mit einer anderen Beziehung kompensiert, wird der Ex vorgeführt, was sie alles verloren hat und wie glücklich er nun ist. Das ist natürlich nur möglich, wenn die ehemalige Partnerin den Kontakt nicht einstellt und sich statt dessen weiter Hoffnungen macht.

die Next
Ist er mit seiner neuen Next zufrieden und ist sich ihrer sicher, verlässt er die aktuelle Beziehung, wenn er an seiner aktuellen Partnerin etwas ausmacht, was ihm so richtig gegen den Strich geht.
Die Ex-Partnerin wird von ihm ab jetzt nur noch abgewertet. Unmerklich und subtil, aber greifbar und schmerzhaft für das Opfer. Sein Schwerpunkt liegt auf der Next, mit der er in den Honeymoon startet. Seine Destruktivität lässt er bei der Person, die er nun nicht mehr braucht.

seine Ziele:
Aufmerksamkeit und Bewunderung, Anteilnahme und emotionalen Input. In dieses Ziel investiert er. Das ehemalige Opfer wird nach aussen zwar immer mehr abgewertet und als mangelhaft dargestellt, aber er hält sich seinen Rückzug offen. Damit wäscht er sich vordergründig rein und alle Schuld liegt nicht bei ihm. Hätte sie vieles anders gemacht, hätte er nicht gehen müssen. Die ehemalige Partnerin wittert noch eine Chance und bleibt ihm so erhalten.
Sie kämpft um die Beziehung und dieses Verhalten gefällt ihm natürlich. Die daraus entstehenden Aktionen bringen ihm Vorteile. Der Betroffenen dagegen gelingt es kaum, den Manipulationen des Aggressors zu entkommen.


Kontaktabbruch

Kontaktabbruch

Sich nicht mehr umzudrehen und endgültig zu gehen - ist die einzige Lösung - die hier wirklich greift. Keinen Kontakt mehr aufzunehmen. Keinen Anruf mehr zu beantworten. Auf keine SMS mehr zu reagieren. Kein Facebook. Kein Messenger. Kein Whatsapp. Nichts. Keine gemeinsamen Bekannte. Nichts. Verschwinde aus seinem Leben und nach Möglichkeit aus seinem Blickfeld. Alles wird sonst gegen Dich verwendet.
Der Aggressor hat schon während der Beziehung den Grundstein gelegt, dass andere dem Opfer nach der Trennung keinen Glauben schenken. Er ist schließlich der Leidtragende und lässt es jeden in seiner unmittelbaren Umgebung wissen. Kommt jetzt die Betroffene und zeichnet ein ganz anderes Bild von der Beziehung, steht sie auf verlorenem Posten.
Sie ist die verlassene Ehefrau/Geliebte/Freundin, die mit der Trennung nicht fertig wird. Selbst, wenn die Trennung vom Opfer angeschoben wird, geht er so vor. Unglaublich. Versuche diesem Vorgehen nicht allzuviel Bedeutung beizumessen.

Die verzweifelte Suche nach sich selbst

Das Gefühlsleben in der ersten Zeit nach der Trennung ist sowieso sehr wechselhaft. Wut kommt hoch. Trauer macht sich breit. Weiteren Angriffen und Anfeindungen muss stand gehalten werden. Die Ungerechtigkeit muss verarbeitet werden.
Freunde, Bekannte, Familie geben der Frau eine bestimmte Zeitspanne um alles zu bewältigen und werden dann ungeduldig, wenn die Betroffene sich nicht schnell genug erholt. Es geht jedoch um viel mehr als um einen Trennungsschmerz, nach einem normalen Beziehungsende. Die Betroffene muss erst wieder alle Anteile ihrer Persönlichkeit neu zusammensuchen und zusammensetzen. Ihre Persönlichkeit wurde vom Partner demontiert und zerstört. Sich wieder zu fangen und neu anzufangen braucht eben seine Zeit.
Die Betroffene kommt aus ihrer verletzten und verschobenen Gefühlswelt für eine lange Zeit nicht mehr heraus. 

Die Schilderung der Lebensumstände wird manchen Zuhörern nach vollzogener Trennung oft zuviel und den massiven Schmerz können viele nicht nachvollziehen. Da die Bewältigung des Traumas jetzt aber erst einsetzt, kommt dementsprechend alles neu und unverarbeitet an die Oberfläche und sucht sich Raum. Alles was bisher verdrängt wurde, kommt jetzt an die Oberfläche. Die eigene Persönlichkeit muss einen neuen Platz finden. Das ist Schwerarbeit und für Aussenstehende kaum zu begreifen.

Die Gedanken des Opfers kreisen nur noch um die Beziehung und um die Bewältigung der vielen ungelösten Fragen. Das Wutpotential ist enorm und das Opfer fragt sich, wie es sich anderen Menschen gegenüber verhalten soll. Das Mißtrauen gegen andere Menschen, welches gesät worden ist in den Jahren der Beziehung, kann nicht von heute auf morgen abgelegt werden. Die Umwelt, die bisweilen mit Unverständnis reagiert, wird Prüfungen unterzogen. Jedes Verhalten, welches Ablehnung, Wut und Manipulation ausdrückt, kann selten, bis gar nicht mehr ausgehalten werden. Das ist wiederum fühlt sich, nicht nur für die umstehenden Personen, undankbar an.

Trennung und die Last des Alltags

Verhalten erklärbar machen

Die Betroffene kann nach der Trennung nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen. Sie wurde verbal, emotional und/ oder körperlich angegriffen. Die Seele hat gelitten. Die Seele wurde vergewaltigt und ob nicht tatsächlich eine körperliche Vergewaltigung, mit Zustimmung des Opfers, statt gefunden hat, muss auch noch geklärt werden.
Die erfahrene Gewalt muss als solches akzeptiert und als Gewalterfahrung verarbeitet werden. In der Beziehung hat das Opfer vieles verdrängt und zur Seite geschoben. Das funktioniert jetzt nicht mehr. Das daraus entstehende Verhalten kann auf andere sehr aggressiv wirken oder es kommt zu anderen Symptomen.
Erst, wenn Betroffene aus dieser Beziehung aussteigen, macht sich der ganze Umfang des Missbrauchs bemerkbar. Vielfach wird der Umgebung jetzt auch klar, wieso eine Wesensveränderung in dem Zeitraum der Beziehung stattgefunden hat. Erklärungen des Opfers über die momentanen Lebensumstände können helfen, für sich selbst Verständnis und Unterstützung zu finden.

Rückfall

Oft gehen Betroffene auch wieder in die Beziehung zurück. Die ausgeübte Kontrolle nach der Beziehung, auch gern Freundschaftsangebot genannt (Sarkasmus), zeigt dann Wirkung. Der Aggressor stellt mit Zerknirschung und Lockangeboten eine bessere Zukunft in den Raum und dass Opfer geht dann gar zu gerne darauf ein. So kann die Betroffene erst einmal ihre eigene Not lindern.
Die Umgebung, die jetzt das ganze Ausmaß der Misshandlung und die Folgen für das Opfer begriffen hat, reagiert darauf teilweise nur noch mit Unverständnis. Viele trennen sich öfter und gehen doch immer wieder zurück. Das hat zur Folge, dass Hilfsangebote von Freunden, Familie und Bekannten immer weniger werden. Die Betroffene isoliert sich und erhält dann gar keinen Rückhalt mehr. Sie schämt sich. Die Umgebung ist hier vielfach nur noch ratlos. Manchmal gelingt in dieser Situation gar kein Absprung mehr.

Bitte nicht aufzugeben!
Therapie, Ärzte, Psychosomatische Kuren, Selbsthilfegruppen, Gleichgesinnte geben Halt und Energie, die Trennung durchzuhalten. Selbst wenn mehrere Anläufe nötig sind, sind diese Versuche besser, als sich aufzugeben und in der Beziehung zu bleiben.

Familie - Hilfe oder Last

Die Betroffene braucht nach der Trennung Zeit, Bestätigung und keine Vorwürfe. Aussagen wie "warum bist du nicht früher gegangen", helfen da wenig und belasten mehr als sie tatsächlich Hilfe bieten. Sollte das soziale Umfeld hier unfreundlich reagieren und tatsächlich nicht verstehen "wollen", ist es besser eine kleine Auszeit von einzelnen Personen zu nehmen.


Mein Leben nach der Trennung

Die Frage, warum bin ich in so etwas hineingeraten und warum bin ich geblieben, muss auch irgendwie verarbeitet werden. Im ersten Trennungsschmerz ist dies aber gar nicht möglich. Der Schmerz ist einfach zu groß und drängt sich in den Vordergrund. In dieser Zeit belastet diese Frage mehr als sie gut tut. Erst einmal muss jetzt jeder einzelne Tag für sich bewältigt und gelebt werden.
Die eigene Person sollte jetzt dass Wichtigste sein. Ihr das zu geben was sie braucht, ist das Ziel an jedem neuen Tag. (Damit ist nicht gemeint den Partner herbeizuwünschen, damit der Terror wieder von vorne beginnt).

Sich um sich selbst zu kümmern ist kein Egoismus. Egoismus wäre es, wenn dies auf Kosten anderer Menschen geschieht. Sich seiner eigenen Interessen bewusst werden und alte, abgelegte, lieb gewonnene Tätigkeiten wieder aufnehmen sind gute Möglichkeiten den Tag zu überstehen.
Es wird vieles besser werden, aber dies geschieht nicht von Heute auf Morgen. Zeit und Geduld mit sich selbst hilft, die erste schlimme Zeit zu überbrücken.
Bald sieht auch das Herz die Vorteile, wenn es sich nicht immer mit dem Kopf streiten muss, wie das Leben weiter gehen soll. Der Beziehungsterror hat ein Ende.
Welch ein Glück.

Text by Evelina Blum