Trennung und Kontaktabbruch

Der lange Weg zurück!

In den Fällen, wo der Aggressor über einen längeren Zeitraum massiv mit "emotionalen" und "destruktiven" Mitteln, psychisch und verbal vorgegangen ist, wird eine Trennung aufgrund dieser Vorgehensweise und der erlittenen Verletzungen massiv erschwert.

Viele Unbeteiligte denken jedoch, sobald die Gewalt verlassen wird, stellt sich Friede und Freude ein. Tatsache ist jedoch, dass nach einer Trennung von einem Narzissten noch lange kein Schlußstrich gezogen werden kann. Erst nach Beziehungsende kann die gesamte Aufarbeitung der Partnerschaft beginnen und die Seele der Betroffenen braucht Zeit, um sich zu erholen. Die Leidensfähigkeit hat eine Dimensionen erreicht, die sich kaum ein anderer vorstellen kann. Vieles wurde verdrängt, vergessen und im Unterbewusstsein abgespeichert, aber nicht verarbeitet.

Mit normalem Liebeskummer hat dieser Zustand nichts zu tun.

Die betroffene Frau ist meist zutiefst traumatisiert, emotional gelöscht und ausradiert. Sie hat sich selbst verloren. In dem Nebel aus Manipulation und Isolierung, die sie in eine Art von Selbstkasteiung getrieben hat, muss sie erst wieder den Ausgang finden. Es braucht Zeit zu erkennen, dass die Trennung eine positive Erfahrung sein kann, trotz aller Trauer. Es wird vieles besser, aber es wird nicht alles leichter. Es ist schwierig, die Trennung durchzustehen und getrennt zu bleiben.

Ist die Trennung vollzogen, stellt die Betroffene nämlich schnell fest, dass es kaum möglich ist, unbeschadet aus der Beziehung auszusteigen und keinen Gedanken mehr an den Aggressor zu verschwenden. Sattdessen stellt sich eine Art Sucht ein, die man auch als Co-Abhängigkeit bezeichnen kann. Obwohl das Opfer nur zu gut weiß, dass sich am perversen Verhalten des Aggressors nichts ändert wird, kreisen die Gedanken unaufhörlich, um die Chancen einer Weiterführung der desolaten Beziehung. Natürlich unter anderen Vorzeichen. Geht die Betroffene wieder zurück, weil der Kontaktabbruch nicht gelingt, geht tatsächlich eine Zeitlang alles gut und dann beginnt alles wieder von vorne.

Natürlich wäre es schön, wenn sich in Folge wirklich etwas ändern würde, aber was in Aussicht gestellt wird, trifft nie ein. Alles wird noch schlimmer, weil der Aggressor die Trennung als narzisstische Kränkung erlebt und sich nach einem vielversprechendem Neuanfang - entsprechend destruktiv verhält. Dieses Werk der Zerstörung wird häufig gar nicht im Zusammenhang mit der Trennung gebracht, weil sich dieses Verhalten oft Wochen später manifestiert. Außerdem stellt sich die Frage: Warum sollte sich der Partner bemühen, wieder in Beziehung zu kommen, und sich dann so abstoßend verhalten?
Der Partner rächt sich jetzt für die Zurückweisung, die er durch das Opfer erlebt hat. Seine "Arbeit", die er wieder in das Opfer investieren musste, um die Beziehung aufleben zu lassen, empfindet er als Demütigung. 

Finden die Partner wieder zueinander, kann die Rache des Narzissten so grausam sein, dass es einer Zerstörung des Opfers gleich kommt. Hier ist also Vorsicht geboten!

Nach einer Trennung fällt es also dem Opfer zu, den Aggressor auf Abstand zu halten. Nur so können weitere seelische Verletzungen, herbeigeführt durch den Aggressor, vermieden werden. Hier spielt es auch keine Rolle, wer die Trennung ausspricht. Beendet der Aggressor die Beziehung, wird er trotzdem versuchen eine gewisse Kontrolle über sein Opfer zu behalten. Wer die Trennung letztendlich auf den Weg gebracht hat, ist ihm völlig egal. Dem Opfer natürlich nicht. 

Viele Betroffene fühlen sich ausgetauscht und geben sich selbst die Schuld an dem Beziehungsende, falls sich der Narzisst dann tatsächlich abrupt für immer verabschiedet. Natürlich nicht ohne dem Opfer vorher die Schuld dafür zu geben. Die vorgebrachten Vorwürfe sind immer gleich: Wenn Du nicht dies und das... , dann hätte ich nicht das und jenes. Und obwohl die Opfer völlig richtig gehandelt haben, und sich gegen die Ungeheuerlichkeiten des Narzissten aufgelehnen, kommen sie mit ihrem eigenen Verhalten, dass zur Trennung geführt hat, kaum noch zu recht.

Du hast jedoch richtig gehandelt. Dein Verhalten mußtest Du irgendwann an den Missbrauch anpassen, um Dich zu schützen. Dass Du Dich, gegen die Allmacht des Narzissten zur Wehr setzt, ist völlig normal und unvermeidbar. Natürlich reagiert der Narzisst mit Liebesentzug oder Trennung. Gut so! Geh seinen Manipulationen aus dem Weg und höre ihm nicht zu, sollte er Dir erzählen wollen, dass Du jetzt die ganze Schuld an den Auseinandersetzungen trägst.

Nicht die Partnerin ist nervig und nachtragend, sondern er zeigt verletzendes Verhalten und ist ohne Empathie.

Ein liebevoller Partner würde auf seine Partnerin eingehen und zumindest versuchen, ein klärendes Gespräch mit Ihr zu führen, bevor man auseinandergeht. Der Anspruch an den Aggressor ist also berechtigt. Dieser wird diesen Anspruch jedoch niemals erfüllen können. Immer wird die Person der Partnerin und ihr Verhalten der Auslöser für alles sein. Deshalb ist ein Kontaktabbruch so wichtig. Ist er durchführbar, weil keine Kinder mit im Spiel sind, dann nimm diesen Weg.

Es gibt eine neue Frau in seinem Leben

Viele Betroffene wünschen sich diese Entwicklung, weil sie sich dann sicher getrennt fühlen und denken, der Kontaktabbruch würde dann leichter. Ist dieser dann tatsächlich da, sieht die Sache auch wieder anders aus. Und noch eines sollte man bedenken: Hat der Aggressor eine neue Partnerin, heißt das nicht, dass er schmerzhafte Aktionen und Manipulationen in deine Richtung aufgeben wird. Lass Dich nicht täuschen.

Hat er Eure Beziehung mit einer anderen Beziehung kompensiert, wird er Dir genüsslich vorführen wollen, was Du alles verloren hast und wie glücklich er nun ist. Das ist natürlich nur möglich, wenn Du den Kontakt mit ihm nicht einstellst und Dir stattdessen weiter Hoffnungen machst. Er wird dir weiterhin Vorwürfe machen und aufzählen, was Du seiner Meinung nach alles falsch gemacht hast und die Verletzungen werden unvermindert weitergehen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Next, mit der er in den Honeymoon startet. Seine Destruktivität versucht er bei Dir zu lassen, um es sich mit der anderen nicht zu verderben.
  Lass Dich nicht täuschen. Du hast nichts falsch gemacht. Er sucht nur eine Gelegenheit, um sich ganz apart zu verabschieden und dich vielleicht noch in Reserve zu halten, falls sich seine neue Beziehung als nicht tragfähig erweist. Brichst Du den Kontakt jetzt nicht ab, wirst Du von ihm nur noch abgewertet.

seine Ziele:
Aufmerksamkeit und Bewunderung, Anteilnahme und emotionalen Input. In dieses Ziel investiert er. Du wirst nach aussen zwar immer mehr abgewertet und als mangelhaft dargestellt, aber er hält sich trotzdem einen Rückweg offen.
Obwohl er immer wieder betont, wie gerechtfertigt die Trennung ist, vermittelt er gleichzeitig, dass ein Weiterbestehen durchaus im Bereich des Möglichen liegt: "Vielleicht kannst du mich ja jetzt verstehen, warum ich zu der anderen Frau gehen musste. Du hast es damals ja nicht eingesehen, dass ich mich zurückgesetzt gefühlt habe." Unmerklich, subtil, aber greifbar und schmerzhaft vermittelt er, dass du die Schuld an seinem Verhalten trägst und es wieder gut machen kannst, wenn du dich anders benimmst und er so gnädig ist, dich wieder zurückzunehmen. Das er fremd gegangen ist und das Ganze aufgeflogen ist, kann er so prima kaschieren und du nimmst ihn wieder zurück, weil du dir die Schuld an seinem Fehltritt gibst. Lass Dich nicht täuschen und geh endgültig fort.

Kontaktabbruch

Sich nicht mehr umzudrehen und zu gehen - ist die einzige Lösung - die hier wirklich greift. Keinen Kontakt mehr aufzunehmen, keinen Anruf mehr zu beantworten. Auf keine SMS mehr zu reagieren. Kein Facebook, kein Messenger, kein Whatsapp. Nichts. Keine gemeinsamen Bekannte. Nichts.Verschwinde aus seinem Leben und nach Möglichkeit aus seinem Blickfeld, wenn es dir möglich ist.

... aber er spricht schlecht von mir

Lass ihn reden. Er hat schon während der Beziehung den Grundstein dafür gelegt, dass andere Dir nach der Trennung keinen Glauben schenken. Er ist schließlich der Leidtragende und lässt das jeden in seiner unmittelbaren Umgebung wissen. Kommst Du jetzt daher und zeichnest ein ganz anderes Bild von der Beziehung, stehst Du nur auf verlorenem Posten. Du bist die verlassene Ehefrau/ Geliebte/ Freundin, die mit der Trennung nicht fertig wird. Selbst, wenn Du die Trennung angeschoben hast, geht er so vor. Unglaublich. Versuche diesem Vorgang nicht allzuviel Bedeutung beizumessen. Geh, und dreh dich nicht mehr um.

Unterschätze auch nicht deine eigene Sucht nach dem Narzissten. Dein ganzes Denken hat sich in der Beziehung nur um den Aggressor gedreht. Das wird auch nach dem Kontaktabbruch nicht anders werden. Das ist jedoch nicht deine übergroße Liebe, sondern dein Hirn, das sich an diese Art des Denkens gewöhnt hat. Zudem gibt es noch viele andere Faktoren, die dich wieder in die Beziehung zurückbringen. Mit einem Kontaktabbruch setzt du dem ein Ende und das kann dich mehr schützen, mehr als du glaubst.

... die verzweifelte Suche nach sich selbst

Ist die Trennung dann endlich umgesetzt, ist das eigene Gefühlsleben sehr wechselhaft. Wut kommt hoch. Trauer macht sich breit. Weiteren Angriffen und Anfeindungen muss stand gehalten werden und die schreiende Ungerechtigkeit muss verarbeitet werden.
Freunde, Bekannte, Familie geben der Frau oft eine bestimmte Zeitspanne, um alles zu bewältigen und werden dann ungeduldig, wenn die Betroffene sich nicht schnell genug erholt. Es geht jedoch nicht nur um den Trennungsschmerz. Die Betroffene muss erst wieder die verlorenen Anteile ihrer Persönlichkeit neu zusammensuchen.

Deine Persönlichkeit wurde vom Partner demontiert und zerstört. Sich wieder zu fangen und neu anzufangen, braucht eben seine Zeit. Du kommst aus Deiner verletzten und verschobenen Gefühlswelt, für eine lange Zeit, nicht mehr heraus. Das ist völlig normal. Der Missbrauch muss jetzt verarbeitet werden. Gib nicht auf und bleib weg vom Aggressor. Gehst du zurück, wird dieser Vorgang sofort unterbrochen. Eine neue Verletzung kommt wieder oben auf und du verdrängst wieder die vergangenen Verletzungen. Die Möglichkeit, den gerade tobenden Schmerz zu verdrängen, mag sehr verlockend sein, aber sie bringt dich keinen Schritt weiter.
In der Beziehung hast Du bereits vieles verdrängt und zur Seite geschoben. Das funktioniert jetzt natürlich nicht mehr. Der Aggressor wird dich auch nach einem Kontaktabbruch kaum in Ruhe lassen. Rechne mit diesem destruktiven Verhalten!

Oft gehen Betroffene, trotz aller Vorkehrungen und Planungen, wieder zurück in die Beziehung. Die ausgeübte Kontrolle nach der Beziehung, auch gern Freundschaftsangebot genannt (Sarkasmus), zeigt dann Wirkung. Der Aggressor stellt mit Zerknirschung und Lockangeboten eine bessere Zukunft in den Raum und dass Opfer geht darauf ein. Die schlimmste Not wird gelindert, so unvernünftig dieser Vorgang auch sein mag. Der Schmerz wird ja nicht aufgehoben, sondern nur verschoben.

Wie geht der Narzisst mit der Trennung um?

Auch für ihn ist eine Trennung sicherlich eine traumatische Erfahrung, aber eben aus anderen Gründen. Hat er schon eine Nachfolgerin gefunden, hat er sein Problem gelöst. Trotzdem wird er versuchen, sich den Rücken frei zu halten und umgarnt seine ehemalige Partnerin (also Dich) mit perverser Kommunikation.
Was er an ihr hat, ist ihm ja bestens bekannt, während die neue Partnerin noch eine recht unbekannte Größe darstellt. Erweist diese sich als nicht geeignet, kann er auf sein ehemaliges Opfer zurückgreifen. Da er an seiner Ex-Partnerin zudem seine destruktive Seite ausleben kann, ist diese Vorgehensweise für ihn ideal.
Beständig quält er das verlassene Opfer mit dem Vorwurf, die Trennung selbst verschuldet zu haben und erhält so weiterhin dessen Aufmerksamkeit .
Dass er alles daran gesetzt hat, ihr das Leben so unerträglich wie nur möglich zu machen, lässt er mal eben so aussen vor. Er dagegen wechselt in einem neuen Honeymoon, während er seine Ex-Partnerin hofiert, um sie dann endgültig fallenzulassen. Hier und da ein paar nette Worte eingestreut, dass er sich noch eine Beziehung mit ihr vorstellen kann und die Ex-Partnerin bleibt weiter am Ball. Manche Frau ist sogar bereit einen Seitensprung nach dem anderen zu verzeihen, wie auch schon oben im Text beschrieben wurde.

die Partnerin trennt sich von ihm

Richtig traumatisch wird es für ihn erst, wenn er zu hoch gespielt hat und die Partnerin tatsächlich nicht mehr zurückkehrt. Im Normalfall soll eine Trennungspause ja nur eine Warnung sein, um ihr aufzuzeigen, was sie sich leisten darf und was nicht. Wenn sie nicht mehr mitspielt und endgültig geht, wird es sehr dunkel in seiner Welt. Suizitversuche und Depressionen sind auch ihm nicht fremd.
Das geschieht jedoch eher selten, da er genau ausbalanciert, wie weit er mit seiner perversen Vorgehensweise gehen kann.

Ist eine Trennung unvermeitlich, stellt die ehemalige Partnerin schnell fest, dass der Aggressor die Macht über sein ehemaliges Opfer nicht verlieren will. E-Mails werden versendet, unheilvolle Botschaften werden verteilt, perfide Facebook-Einträge lassen grüßen. Die Umgebung des Opfers wird kontrolliert und infiltriert.

Von aussen versucht er weiterhin auf das Leben der ehemaligen Partnerin einzuwirken. Mit wem sie Kontakt hat, versucht er manipulierend zu bestimmen und zieht ihre Freunde auf seine Seite. Mit destruktiven und übergriffigem Verhalten quält er weiterhin die Partnerin.

Geht das Opfer wieder zurück, macht es sich von allein unglaubwürdig und der gleiche Tanz beginnt von vorne. Über die Grenzen der Partnerin weiß der Aggressor jetzt noch besser Bescheid und nutzt das für sich. Wie er das Opfer immer wieder zurückholen kann, lernt er im Sekundentakt und die Frau folgt seinen reumütigen Äußerungen. Das Spiel beginnt von neuem und die Verletzungen steigern sich von mal zu mal.

Tu Dir das nicht an!

Eine endgültige Trennung ist immer ein Segen und bietet die Chance auf ein besseres Leben. Eine emotionale Trennung, wenn Kinder da sind, ist besser als nichts. Nach jeder Trennung muss sich das Opfer mit immer weniger zufrieden geben und jede Beziehungspause verändert Dein Wesen.

Sie transformiert Dich in die Person, die er sich wünscht.