Ich habe die narzisstische Gewalt erkannt

Narzisstische Gewalt und die Abhängigkeit

In der Beziehung mit einer von ihm abhängigen Frau, erhält der Aggressor genau das, was er sich von einer Partnerin erhofft. Eine Beziehung mit jemanden, über den er sein Machtstreben prächtig ausleben kann. In seinen Augen ist das die perfekte Beziehung. In seinem Gegenüber kann er sich in seinem Glanz spiegeln und dafür liebt er seine Partnerin.

Nicht immer erkennt die Partnerin sofort diese Zusammenhänge und vieles was in der Beziehung passiert, kann sie emotional kaum nachvollziehen. Wie selbstverständlich setzt in ihm voraus, was sie bei sich selbst fühlt. Die Partnerin merkt zwar deutlich, dass sie irgendwie nicht richtig angenommen wird, bleibt aber, weil er es auch tut. Sie spürt auch diese seltsame Aura, verwechselt aber vieles eben mit ihren eigenen Gefühlen. Dieses Denken vermittelt ihr eine Sicherheit, die es tatsächlich gar nicht gibt. Der Narzisst denkt in ganz anderen Bahnen und diese sind meilenweit von Ihrem Denken entfernt.
Was sie als negativ erlebt, relativiert sie und interpretiert es um. "Er meint es nicht so". "Ich an seiner Stelle wäre auch sauer, wenn ich soviel arbeiten würde und niemand kümmert sich um dies ... und ... das ... und jenes. Irgendwann bricht dieses zerbrechliche Gefüge zusammen und beide Partner entziehen sich, um sich neu zu positionieren. Das Ganze gleicht einem Spiel, bei dem der Narzisst die Oberhand behält und die Partnerin immer abhängiger wird.

In diesem Stadium wird die narzisstische Seite des Partners oft erkannt, weil vieles auch nicht mehr schön geredet werden kann und eine Trennung nach der anderen eingeleitet wird, ohne sich jedoch tatsächlich zu trennen. Der Narzisst bleibt, die Partnerin aber auch.

Wer sich jedoch immer wieder fragt, warum er eigentlich nicht getrennt bleiben kann, obwohl objektiv gute Gründe vorliegen, der ist vielleicht schon längst in eine Abhängigkeit hineingeraten. Sucht das Opfer dann nach Auswegen aus dieser Situation und vertieft sich in dieses Thema, kommt es vielleicht der Tatsache auf die Spur, dass sich hinter der Person ihres Partners ein Narzisst, Psychopath oder ein anderer persönlichkeitsgestörter Mensch verbirgt. Trotz aller Verzweiflung, die jetzt über das Opfer hereinbricht, macht sich Erleichterung breit. Gibt es doch jetzt einen greifbaren Grund für die vielen unlösbaren Vorgänge innerhalb der Beziehung. Damit ist jedoch noch kein einziges Problem gelöst. Leider!

Trennungssspiele in die Abhängigkeit

Wenn der Narzisst wirklich gehen will, geht er schnell und zügig. Er schaut nicht zurück und die Partnerin hat das Gefühl, sie hat niemals für ihn existiert. "Er löscht das Opfer". In diesem Fall kann die ehemalige Partnerin davon ausgehen, dass er schon vorher ein neues Opfer umgarnt und für sich gewonnen hat. Jetzt wird auch offensichtlich, dass es nie um Ihre Person gegangen ist, da sie einfach ausgetauscht werden kann.

Ahnt der Narzisst, dass die Partnerin Schluss machen will, kommt er ihr zuvor. In diesem Stadium kann er seine Destruktivität kaum mehr verstecken und wegreden. Die Beziehung direkt verlassen zu wollen, ist jedoch nur ganz selten sein wirkliches Ziel. Sein Vorschlag sich zu trennen gleicht mehr einem Spiel, als seinem tatsächlichem Wunsch. Oft bleibt er vor Ort und wartet ab, ob das Opfer ihn bittet zu bleiben. Damit vollzieht er einen Wechsel. Da er nun weiß, dass sein Opfer ihn nicht mehr als Helden feiern wird, schiebt er jetzt in direkter Weise dem Opfer die Schuld an seinem Verhalten zu und wartet ab.

Falls er geht, ist nicht sicher, ob er nur geht, um wiederzukommen. Ist er für sich allein, stellt er nämlich schnell fest, dass ihm jetzt der Input fehlt. Mit zweifelhaften Äusserungen versucht er zu ergründen, ob sein Opfer eventuell wieder Kontakt mit ihm aufnehmen möchte. "Ich würde ja wieder mit dir reden wollen, aber ich verstehe, wenn du das nicht willst."Wie lange willst du noch schmollen, du hast dich drei Tage nicht gemeldet".
Dass er die Beziehung beendet hat, übersieht er geflissentlich. "Ich liebe dich, aber du willst ja meine Liebe nicht." "Er möchte ja diese Beziehung, die Partnerin ist nur nicht in der Lage, sich so zu verhalten, wie er es gerne möchte." Oft greift er der Reaktion des Opfers auch vor und begründet schon vorher eine mögliche Ablehnung durch das Opfer. "Ich habe ja nicht gefragt, ob ich zurückkommen kann. Ich habe gesagt, dass ich verstehe, dass du nicht mit mir reden möchtest."
Schmollt sie weiterhin, kann er sagen, dass sie für eine Beziehung mit ihm zu empfindlich ist und dass die Trennung berechtigt war. Dieses Vorgehen soll der Partnerin vermitteln, dass es ihr Verschulden ist, dass er jetzt nicht bei ihr ist. Geht die Partnerin auf diese perverse Kontaktaufnahme ein und wendet sich wieder dem Narzissten zu, entschuldigt er sich nicht. Die Schuld an den Differenzen sucht er allein bei seiner Partnerin.

Aus Sicht der Partnerin sind die Anlässe, die zu einer Trennung führen, absolut nichtig und kaum zu begreifen. Sie können auch nicht begriffen werden, weil der Narzisst in der Partnerin niemals einen eigenständigen Menschen sieht. Er sieht sie wie sein eigenes Ich. Spiegelt sie etwas anderes als er akzeptieren möchte, funktioniert dieses System nicht mehr und er trennt sich.

Die Betroffene geht daraufhin Kompromisse ein, obwohl sie schon längst erkannt hat, dass etwas gravierendes mit Ihrem Partner nicht stimmt. Damit hat der Narzisst sein Ziel erreicht und sucht natürlich sofort eine neue Herausforderung, um die Partnerin erneut unter Druck zu bringen.
Die Partnerin wird jedoch niemals in der Lage sein, alles richtig zu machen, da seine Gefühlslage sich täglich neu strukturiert und damit auch seine Erwartungshaltung. Nur die absolute Anpassung an den Aggressor könnte die Partnerin retten. Dann hätte der Narzisst allerdings sein Ziel erreicht und die eigene Persönlichkeit der Partnerin vollkommen zerstört.

Und auch jetzt wäre er nicht zufrieden. In diesem Fall gäbe es keinen Input mehr. Das Opfer, ausgehöhlt durch ihn, ist schlicht am Ende. Wieder erhält er nicht, was er braucht. Also geht er auch in diesem Fall und sucht ein besseres Opfer. Es gibt also keine Rettung. Es gibt nur die Flucht. Und diese tritt das Opfer auch immer wieder an, um dann festzustellen, dass es sich gar nicht trennen kann. Dass die narzisstische Gewalt erkannt wurde, wird jetzt zur Nebensache.

Was passiert im weiteren Verlauf der Beziehung?

Ich habe die narzisstische Gewalt erkannt

... das Opfer ergreift selten die Flucht

Wer jetzt denkt, dass Opfer sucht nach dieser Erkenntnis dass Weite, der irrt gewaltig. Das Gegenteil passiert. Nicht immer, aber sehr oft. Viele denken jetzt, dass sie den schwierigen Partner erziehen könnten. Sie bleiben in der Beziehung und versuchen sich nur innerlich abzugrenzen. 
Anstatt zu gehen, werden über eine lange Zeit immer wieder neue Strategien gesucht und wieder verworfen. Ist die Einsicht dann da und werden dann die Verletzungen zu groß - geht das Opfer. 

... das Opfer geht tatsächlich

Das wäre der beste Weg. Es ist aber auch der schwerste Weg. Zu Gehen, obwohl man den Partner noch liebt, ist wirklich schwer. 
Es wartet zweifellos ein besseres Leben. Ein Leben ohne seelische Gewalt, verbales Niedermachen und der ewigen Zweifel, die eine solche Partnerschaft mit sich bringt. Anstatt noch lange auszuprobieren, ob sich der Partner tatsächlich noch ändert, gibt man sich lieber selbst eine Chance. 

Es gibt noch eine andere große Liebe. Das ist die Liebe zu sich selbst. Nicht die egoistische festgefahrene Liebe, sondern ein gernhaben der eigenen Person und das Wohlwollen sich selbst gegenüber. Der besten Freundin würde man ja auch raten, schnell das Weite zu suchen. Sich selbst eine gute Freundin zu sein, ist nicht verwerflich. 

... Ich kämpfe um ihn

Viele betroffene Frauen versuchen trotz aller Erkenntnisse, Demütigungen und Verstrickungen, die Beziehung zu retten. Damit verschiebt sich gewaltig das Gleichgewicht in der Partnerschaft.

... der Partner soll sich ändern

Der Aggressor, der die Kontrolle bisher ausgeübt hat, bemerkt die Veränderung und reagiert nun seinerseits mit verstärktem Druck. Banale Situationen eskalieren jetzt schnell, weil das Opfer mit allen Mitteln versucht, auf die Äußerungen und Vorgehensweisen des Partners nicht mehr wie gewohnt zu reagieren.
Die Betroffene versucht auf viele Arten eine Veränderung herbeizuführen, bemerkt aber schnell, dass nichts hilft. Gegenüber dieser geballten Ladung an Ungerechtigkeit, Kontrolle, Isolierung und Partnerschaftsgewalt, bleibt sie machtlos. 
Die Gewalt hat sie erkannt, allein das Heilmittel fehlt.

... er zeigt seine liebevolle Seite

Der Aggressor, der ja auch durchaus liebenswert und freundlich sein kann, nutzt nun verstärkt seine guten Zeiten, um seine Partnerin abzulenken. Er hofft, dass diese dann wieder ihr altes Verhalten aufnimmt und das gemeinsame Leben so weitergeht wie gewohnt. Diese Phasen werden jedoch immer weniger, da die Partnerin jeden Ausrutscher von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet. Sie ist viel empfindsamer geworden und reagiert entsprechend entsetzt, wenn sich wieder destruktive Muster zeigen. 
Nach einer Versöhnung kann manchmal eine sehr lange Zeit vergehen, bis der Partner wieder sein missbrauchendes Verhalten zeigt. Wenn es dann wieder zum Vorschein kommt, ist der Schock für die Partnerin groß. Sie rechnet nicht damit, weil sie die Gewalt schon ausgeblendet hat.
Vielfach wirken sich die neuen Verletzungen sogar noch verheerender aus. Durch die guten Zeiten hat das Opfer wieder Vertrauen gewonnen und sich geöffnet. Entsetzt muss die Partnerin dann erkennen, dass ihr Vertrauen massiv ausgenutzt wurde und ihre Hoffnung auf Besserung sich gerade zerschlägt. 

Der Narzisst verletzt, manipuliert und geht seinen eigenen Weg. Er kann nicht anders. Er sieht nicht, was er letztendlich anrichtet. Er sieht zwar die Wirkung und die Zerstörung, aber in seinen Augen hat dies alles seine Berechtigung. "Nur die Partnerin hat schuld an seinem Verhalten."

... der Aggressor entzieht sich

Die Bemühungen der Partnerin entlocken dem destruktiven Partner nur ein müdes Lächeln. Kurze Kommentare wie: "Dir kann man aber auch gar nichts recht machen."  "Du gibst mir keine Chance." "Immer musst du mit der Vergangenheit anfangen." "Warum backst du dir nicht einen Mann," bringen die Partnerin dann endgültig zur Verzweiflung.
Versucht diese weiterhin, eine Änderung seines destruktiven Verhaltens herbeizuführen, verstärken sich für den Aggressor nur ihre vermeintlichen Fehler. Er gerät unter Stress und sucht nach neuen Wegen, die Partnerin weiterhin mit destruktiven Mitteln zu manipulieren.

Da diese sich auch gegen dieses Verhalten auflehnt, drehen sich beide im Kreis. Immer wieder neu erklärt sie ihm die sozialen Spielregeln. 

Sie weiß noch nicht, dass sie damit ihr Leben verbringen wird, wenn sie dem kein Ende setzt.

... körperliche Gewalt wird gezeigt

Das neue, ungewohnte Verhalten der Partnerin ist anstrengend für den Aggressor und kann zu körperlichen Auseinandersetzungen führen. Seine destruktive Persönlichkeit kann er nicht wie gewohnt abreagieren. Er muss sein Verhalten anpassen, um die Partnerin in der Beziehung zu halten. Seine Destruktivität muss er nun deutlich reduzieren, aber auch sein Nervenkostüm hat gelitten.
Ist der übergriffige Partner als solcher erkannt, hat er jetzt nichts mehr zu verlieren. Diesen Gedanken sollte die Frau immer in ihre Überlegungen mit einbeziehen und geeignete Vorsorge treffen.

... der Aggressor geht freiwillig

Wenn der Narzisst sich in einer Beziehung fest eingerichtet hat, sind seine Trennungsabsichten eher gering. Will seine Partnerin ihn allerdings verlassen, kommt er dem zuvor. Entweder mit eigenen Trennungsabsichten oder er führt eine andere Frau vor, die er sich schon im Vorfeld zugelegt hat. Durch diese Vorgehensweise fühlt sich die Partnerin natürlich, trotz ihrer Trennungsabsicht, wie weggeworfen. Dieses Gefühl wird mit der Zeit sogar immer schmerzhafter, weil sie noch lange überlegt, ob sie die Beziehung nicht hätte retten können. Vielfach ist sie sogar bereit ein fremdgehen oder andere negative Verhaltensmuster zu entschuldigen und möchte die Beziehung weiterführen. Die Schuld für seine Fehltritte sucht sie lieber bei sich, anstatt beim Partner.

Dazu kommt noch die Eifersucht auf die eventuelle neue Partnerin in seinem neuen Leben. Sie befürchtet, dass der Aggressor dort ein besseres Verhalten zeigt und dass es an ihr gelegen hat, dass die Beziehung gescheitert ist. Nein, dieser Gedanke ist schlicht falsch!

... das Opfer wird zurückgeholt 

Steht der Aggressor nach der Trennung wieder vor der Tür, ist die Partnerin oft bereit, sich wieder mit ihm einzulassen. Alles beginnt wieder von vorn, ohne dass eine wirkliche Besserung eintritt.
Es kommt sogar oft vor, dass der Aggressor das Opfer nur wieder in die Beziehung lockt, um sich an ihm zu rächen. Für die vermeintliche Trennung, für die Tatsache, dass die Partnerin nicht vehement genug um ihn gekämpft hat, für, für ... für.

Am Ende beendet der Narzisst dann auf eine ganz gemeine und abartige Art die Beziehung, die seelisch äußerst demütigend für die Betroffe endet.

Gegen diesen Verrat kann kein Mensch sich schützen!

Geborgenheit, wie es sie nur in einer guten Beziehung geben kann, bleibt Dir für immer verwehrt. Ein Narzisst kann Dir Geborgenheit nur mit Worten vermitteln, geben, kann er sie Dir nicht. Du wirst immer allein sein, mit einem Partner an Deiner Seite, der eigentlich keiner ist.