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Emotionaler Missbrauch und die Folgen

Was ist emotionaler Missbrauch? Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Missbrauch wird meist als sichtbarer körperlicher Übergriff definiert, während die emotionale Gewalt kaum bewiesen werden kann. Was ist noch grenzwertiges Verhalten und wo beginnt die Gewalt? Wo beginnt der Missbrauch?
Diese Spielart der Gewalt kommt oft sehr subtil daher und wird deshalb oft gar nicht als Gewaltform wahrgenommen. Mit ihrem Verhalten erschaffen sie ein Bestrafungssystem, an dem das Opfer zugrunde geht.

Narzissten neigen dazu, ganz extrem psyische und verbale Gewalt einzusetzen. Still und leise gehen sie durchs Leben und schädigen andere mit ihrem Verhalten. Wird ihre Vorgehensweise aufgedeckt, ist der Schaden meist schon angerichtet.

Tu das, was ich will

Ist die Frau schon dick, will er sie noch dicker. Ist die Frau schon schmal, will er sie noch schmaler. Ihm ist es eigentlich völlig egal, wie dick oder dünn die Partnerin am Ende ist. Dem Aggressor geht es nie um die Inhalte seiner Wünsche. Ihn interessiert nur, ob die Partnerin seine Vorgaben akzeptiert, sich danach richtet oder diese ablehnt.

Was er will, ist die Kontrolle über die Partnerin. Deshalb beobachtet er genau Ihr Verhalten. Je größer ihre Anstrengung, je größer muss ihre Liebe sein. Soweit sein narzisstisches Denken. Zufrieden ist er erst, wenn die Partnerin sich für ihn aufopfert und sich seinen Wünschen unterordnet.

Die Wünsche und Vorstellungen der Partnerin sind für ihn vollkommen uninteressant. Diese werden weder gehört noch anerkannt. Bemerkt die Partnerin dieses egoistische Verhalten und kritisiert ihn, deklariert er sie als zu empfindlich. "Er hat doch nur Spaß gemacht."

Der Missbrauch wird möglich gemacht.

Tatsache ist jedoch, dass Narzissten es nicht gut mit ihren Opfern meinen. Sie verdrehen die Wahrnehmung anderer Menschen und ersetzen sie durch ihre eigene Realität. Sie tragen Masken und machen sich damit menschlich unsichtbar. Sie manipulieren, lügen und verdrehen alles bis zur Unkenntlichkeit, um sich so die Macht über andere zu erhalten. Unermüdlich suchen sie nach Menschen, die in ihrer Kindheit ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht haben wie sie selbst.
Das erwählte Opfer kennt das verlorene Gefühl, welches der Narzisst hinter seiner Aufgeblasenheit verbirgt und fühlt sich ihm seelenverwandt. Es kann mit der Destruktivität des Narzissten und der verfahrenen Situation bestens umgehen, da es ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Zudem hat das Opfer gelernt, sich das unfeine Verhalten des Narzissten schön zu reden. Die fatalen Folgen zeichnen sich schnell ab.
Wo andere bereits fluchtartig den Saal verlassen, findet das Opfer sofort die passende Entschuldigung für die Entgleisungen des Narzissten und bleibt vor Ort. Weitere Verletzungen werden ausgeblendet, um das eigene Aushalten in einer solchen Beziehung zu rechtfertigen. Eigene Denkstrukturen werden eingesetzt, um das verletzende Verhalten des Partners zu rationalisieren: "Er hatte nur einen schlechten Tag." Damit wird dem Missbrauch die Tür geöffnet und der Narzisst tritt ungefragt ein.

Die Psyche des Opfers verändert sich unmerklich

Um die eigene Wahrnehmung mit der Realität des Partners stimmig werden zu lassen, wird viel Energie verbraucht. Die Beziehung wird deshalb schnell als anstrengend empfunden. Die Betroffene muss sich das perfide Verhalten des Aggressors schön reden und die reale Gewalt, die sich hinter den Angriffen verbirgt, aushalten. Das menschliche Gehirn versucht dementsprechend bestimmte Tatsachen zusammenbringen, die gar nicht zueinander passen. Damit verstrickt sich das Denken heillos in diesen krankmachenden Prozess. Das ständige Kreiseln um die Beziehung und dem narzisstischen Partner beginnt. Die Gedanken verzetteln sich. Das Gehirn fühlt sich an wie Kleister.

Beispiel:

Das Paar kennt sich erst wenige Wochen, aber der narzistische Partner möchte möglichst schnell mit der Betroffenen zusammenziehen. Diese äußert ihre Bedenken. Beleidigt zieht er sich zurück und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Der Narzisst wird infolge der Abweisung behaupten, er liebe die Partnerin und diese sei jetzt schuld an der verfahrenen Situation. Für jede weiter Unstimmigkeit wird der Aggressor diese Argumentation nutzen, um damit seine Zurückweisung zu kompensieren. "Wenn sie ihn lieben würde und mit ihm zusammengezogen wäre, dann würde er auch nicht ... dies, und das, und jenes."

Die Partnerin fühlt sich schuldig, weil sie seinen Wünschen nicht nachkommen möchte und glaubt nachher seinen Beteuerungen. Statt sich durchzusetzen, um ihn mit der richtigen Realität zu bekannt zu machen, möchte sie ihn nicht weiter kränken. Schließlich hat er mit ihr eine Wohnung teilen wollen. In ihrem Denken setzt sie das Bestreben nach Harmonie fort, auch wenn sie damit keine Erfolge erzielen kann und die Beziehung immer schmerzhafter wird. Die verfahrene Situation wird verdrängt, da ansonsten Konsequenzen drohen. Statt den Missbrauch als das zu sehen, was er ist, verstrickt sich das Opfer immer mehr in Schuldgefühle. Die aufkeimenden Zweifel am Verhalten des Narzissten werden erstickt. Das Opfer gibt sich am Ende uneingeschränkt die Schuld an dem schlechten Verlauf der Beziehung, genau wie vom Narzissten eingefordert. Kommt es zur Trennung, dreht sich das Denken des Opfers nur noch um dieses vorgeschobene Fehlverhalten, welches das Ende der Beziehung eingeläutet hat.

Sein Verhalten wäre vielleicht verständlich, wenn die Beziehung schon mehrere Jahre bestehen würde und nicht erst seit ein paar Wochen. Wo soll hier Liebe sein, wenn sich jemand so manipulativ verhält? Wer zusammenziehen will, liebt doch die andere Person und wartet bis diese bereit ist, seinem Wunsch nachzukommen.

Statt sich diesem Gedanken zu stellen, setzt der Aggressor weiterhin alles daran, die Wahrnehmung des Opfers pausenlos außer Kraft zu setzen und isoliert die Partnerin, damit sie keinen Rückhalt findet. Die Eintrittskarte war hier der oben beschriebene Auslöser. Das Opfer denkt, es wird geliebt, weil der Aggressor mit ihm zusammenziehen will, stattdessen wird es jetzt manipuliert. Macht die Partnerin ihn mit ihrer Wahrnehmung bekannt, widerspricht er ihrer Realität und definiert die Partnerin um. "Du bist undankbar." Auf dieser Basis wird die Beziehung fortgesetzt.

Mit dieser Schieflage können viele Monate ins Land gehen, ohne dass diese je bemerkt, dass sie weiterhin manipuliert wird. Die Auslöser ändern ich, sein übergriffiges Verhalten bleibt. Das Opfer verzeiht.
Der Partner wollte ja schließlich mit ihr zusammenziehen und dieser positive Effekt überstrahlt alles. Die gesundheitlichen Probleme werden auf andere Lebensbereiche projeziert und der Narzisst unterstützt auch diesen Prozess.

Sollte die Partnerin irgendwann auf seinen Wunsch eingehen und eine Wohnung anmieten wollen, wird sie schnell feststellen, dass der Narzisst gar nicht mit ihr zusammenziehen wollte. Auch hier greift die kranke Verhaltensstruktur des Aggressors. Wieder will er nur das Gegenteil von dem durchsetzen, was die Partnerin möchte.
Zudem hat er am Anfang nur testen wollen, ob die Partnerin sich seinen Wünschen beugen will. Seinen eigenen Wunsch auch umzusetzen, war nie sein Ziel.

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Die emotionale Not des Opfers

Wie schon in diesem Beispiel deutlich wird, erfordert die Beziehung mit einem übergriffigen Partner ein erhebliches Maß an Anpassung, die das Opfer meist freiwillig leistet. Die Partnerin spürt unbewusst, dass sie nur so die Beziehung aufrecht erhalten kann und passt sich an. Der Aggressor nutzt diese Anpassung und verstärkt sie. Er nimmt die gewährte Kompromissbereitschaft und spielt mit ihr, bis die erwartete Selbstaufgabe der Partnerin irgendwann ihren Tribut fordert.
Er begreift einfach nicht, was er mit seinem Verhalten anrichtet und kann es emotional auch nicht steuern. Sein Weg ist sein Ziel; und er fühlt sich berechtigt, seine Partnerin emotional zu verletzen, um sie für ihre vermeintlichen Fehler abzustrafen. Wie groß die seelische Not seiner Partnerin ist, bleibt eine unbekannte Größe für ihn.

Übergriffe, Beleidigung und Manipulationen manifestieren sich.

Da diese Übergriffe willkürlich geschehen und ohne Vorwarnung daherkommen, kann dem wenig entgegengesetzt werden. In einer langjährigen Beziehung weiss das Opfer nachher nur zu gut, was geschehen wird und verliert sich im vorauseilendem Gehörsam. Wenn es dem Aggressor schlecht geht oder die Partnerin verhält sich nicht in seinem Sinn, beginnt das Drama.
Versucht sie, diesen Missständen aus dem Weg zu gehen, verbiegt und verzettelt sie sich. Sie versteckt ihre eigene Persönlichkeit, weil diese vom Aggressor als fehlerhaft deklariert wird. Sie verliert den Zugang zu sich selbst. Ihr eigenes Selbst lebt sie nicht mehr aus und die Betroffene verirrt sich in der eigenen Wertlosigkeit. Damit kann sie keine richtige emotionale Intimität mehr aufbauen und verkümmert.

Die Partnerin wird zum Spiegel seiner Bedürfnisse. Wo ihre eigenen Wünsche beginnen und aufhören, kann sie nach einiger Zeit gar nicht mehr fühlen.

Das alles passiert schleichend und fast unbemerkt. Im Leben der betroffenen Frau dreht sich alles nur noch um den übergriffigen Partner. Alles muss sich nach ihm richten, damit ein gewisses Maß an Ruhe gegeben ist. In ihrer Freizeit überlegt sie noch zusätzlich, wie sie die anstrengende Partnerschaft bewältigen soll. Der Körper befindet sich damit in einem ständigen, ungesunden Alarmzustand, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Die Gedanken sind ständig bei den Problemen in der Beziehung oder sie drehen sich im Kreis. Die seelische Not überträgt sich irgendwann auf den Körper:

Burnout zeichnet sich ab:

Schlafstörungen stellen sich ein
Depressionen stellen sich ein
Antriebslosigkeit macht sich breit
Körperliche Beschwerden überschatten das Leben

Nach jedem Streit steuert die Partnerin emotional auf einen Tiefpunkt zu und versinkt in Angst und Selbstzweifel. Immer wieder muss sie erkennen, dass der Aggressor bereit scheint, jederzeit die Beziehung aufgeben zu wollen. Eine seelische Verunsicherung jagt die nächste; und die ihr zugefügten Verletzungen kann sie nicht verarbeiten, weil ihr die Zeit dafür fehlt. Die Beziehung gerät in eine Gewaltspirale.

Je mehr Druck die Partnerin erzeugt, je mehr Druck übt der Aggressor auf sie aus. Je mehr sich die Partnerin gefallen lässt, je mehr Gewalt wird auf sie ausgeübt.
Ein Teufelskreis.In der Welt der Partnerin wird es dunkel, denn alles scheint ihre Schuld zu sein.
Warum passiert mir das?
 

Du bist zu einem Zeitpunkt in sein Leben getreten, wo er nach jemanden gesucht hat, der ihn bestätigt und den er bewundern kann. Bewundern in dem Sinne, dass er deine besonderen Fähigkeiten (deine Stärke, deine Lebensfreude) für sich selbst nutzt. Deine Belange und Wünsche darfst du zwar zum Ausdruck bringen, sie sind für ihn jedoch gänzlich uninteressant. 
Du warst also zur falschen Zeit am richtigen Ort und hast verschiedene Verhaltensmuster gezeigt, die ihm signalisiert haben, dass Du für ihn als Partnerin in Frage kommst. 

Vielleicht warst Du schon einmal in Kontakt mit Menschen, die Dich emotional nicht gesehen oder Dich vernachlässigt haben. Wie Du mit diesen Personen umgehen kannst, ohne Dich gleich vollkommen fehl am Platz zu fühlen, ist Dir dann ja bekannt.

 

Außerdem hängt in der ersten Zeit der Eroberungsphase der Himmel sowieso voller Geigen und die schmerzhaften Zeiten sind noch weit entfernt. Der Narzisst versteht sich darauf, wirkliche und uneingeschränkte Liebe zu vermitteln. Dass diese Liebe nur vorgetäuscht ist, um die Partnerin zu umgarnen, merkt diese meist sehr schnell, aber selten ist das Opfer bereit, den Traum vom Glück schon frühzeitig aufzugeben. Zu groß ist die Verlockung, dass sich das bewundernde Verhalten des Partners wieder einstellt. Das wird jedoch nicht geschehen.

Wenn du einmal vom Sockel gestürzt bist, wirst du ihn nur noch von unten betrachten können. Du weisst vielleicht schon was ich meine? Ich selbst habe diesen Satz lange nicht verstehen können.

@Evelina Blum