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Der Narzisst und seine Beziehungen

Beziehungsverlauf - Der Narzisst und seine Sicht der Dinge

Ich (ge)brauche meine Partnerin

Körperliche Beschwerden und seelische Beeinträchtigungen sind weitreichende Folgen von emotionaler Gewalt. Diese wird sehr häufig von Menschen eingesetzt, die an Persönlichkeitsstörungen leiden. Mit Hilfe dieser Gewaltform versuchen sie Einfluss auf andere zu nehmen, um Macht ausüben zu können.

Der Gedanke, dass der eigene Partner nicht zu dieser Gruppe gehört, herrscht meist vor. Narzissten und Energiesauger zeigen sich aber erst von ihrer guten Seite und tarnen sehr genau ihr destruktives Verhalten, ehe die Verletzungen beginnen und schleichend Wirkung zeigen.

Beziehungsverlauf mit einem Narzissten

der Honeymoon

In der ersten Phase der Verliebtheit gibt die Partnerin ihm noch viele Einblicke in ihre Gefühlswelt. Sie fühlt sich verstanden und geliebt, weil der Partner soviel Interesse an ihr zeigt. Er beurteilt ihre positiven Eigenschaften und kleine Schwächen und merkt sich diese gut. 

Wo er keinen direkten Nutzen für sich sieht, passt er sich ohne Probleme an und ordnet sich unter. Im anderen Fall versucht er nicht allzu direkt aufzutreten. Gibt es noch andere Personen in seinem Leben, reagiert er dort seine destruktive Seite ab.
Diverse Ex-Partnerinnen und andere Frauen sind willkommende Anwärterinnen. Seine aktuelle Liebesbeziehung lässt er erst einmal wachsen und gedeihen. Es ist der Himmel auf Erden für die Frau, die immer wieder hört, wie schön das Leben mit ihm sein wird. In dieser Phase genießt er ungemein, dass sich diese "starke" Frau für ihn interessiert.

Wendet sich die Partnerin jedoch mit ihren eigenen Bedürfnissen an ihn, wird es zunehmend schwierig. Er neigt zu Taktlosigkeiten und seine Wortwahl lässt manchmal zu wünschen übrig. Da sie ihn in der ersten Zeit jedoch nicht übermäßig kritisiert und ihm oft den Vorzug gibt, findet er diese Zeit trotz allem sehr anregend und belohnend. Sie stellt wenig Forderungen und hat oft Verständnis für seine schlechte Laune. Er nutzt diese Zeit, um ihre Schwächen genau zu studieren.

Mit ihrer Kritik würde sie ihn auslöschen und sich von ihm absetzen. Davon weiß sie aber noch nichts und es fällt ihm schwer, diese Tatsache zu verstecken. Ihre Erfolge gefallen ihm auch nicht. Schön, dass sie erfolgreich ist, aber damit ist sie unabhängig von ihm und das stört.
Liebenswürdig teilt er seiner Partnerin daher mit, dass er sich ihre Vorschläge zu Herzen nimmt und freut sich, wenn sie ihm glaubt. Ihre Erfolgserlebnisse werden jedoch weiter ignoriert und auch in Zukunft nicht zur Kenntnis genommen. Herzlichen Glückwunsch!

die Machtübernahme

Stattdessen versucht er die Partnerin verschiedenen Irritationen auszusetzen. Im hektischen Alltag verlangt er Kleinigkeiten: Dass sie Türen zumacht und andere nur angelehnt lässt. Er fordert energisch, dass sie ihre Küche in Ordnung hält, obwohl er genau weiß, dass nur ein ungespülter Teller der Grund für seine beißende Kritik ist. Die Frau möchte sich nicht mit solchen Kleinigkeiten belasten und lenkt ein. So beginnt sie unmerklich, sich nach seinen Wünschen auszurichten.
Er wertet diese Anpassung als Erfolgserlebnis und fährt fort. Zeigt sie weiteres Fehlverhalten, reagiert er übertrieben und bauscht selbst Kleinigkeiten als Unvermögen ihrerseits auf. Sie wird noch einsehen müssen, dass ihr Leben sich nur um ihn und seine Sicht der Dinge zu drehen hat. Er legt weiteres irritierendes Verhalten an den Tag und da er an Klärung und Struktur nicht interessiert ist, bleibt sie mit ihren ungelösten Problemen fragend zurück.

Sie wird fahrig und nervös und macht alleine deshalb schon weitere Fehler. Diese werden jetzt sichtbar angeklagt und so tauchen scheinbar immer mehr Probleme auf. Sind keine Probleme in Sicht, zettelt er Streit an oder straft mit Liebesentzug. Das beschäftigt die nervös gewordene Partnerin garantiert tagelang. Wenn diese Taktik auch nicht funktioniert, ist er ist übermäßig kontrollierend und bringt sich so in Erinnerung.
Kleine Schwächen von ihr, gehen jetzt auch nicht mehr als liebenswerte Eigenschaft durch. Wenn er sie deswegen kritisiert, merkt er sich wo sie Grenzen setzt und wo sie ihn gewähren lässt. Sein Wert ist ihr Maßstab und seine Vorgaben muss sie begreifen lernen. 

Kritik an ihm empfindet er als Vernichtung. Diese kann also nicht hingenommen werden und wird jetzt auch nicht mehr geduldet. Er geht sogar soweit, aus diesem Grund die Beziehung zu beenden. Natürlich nur, um am nächsten Tag wiederzukommen, aber das weiß die verwirrte Partnerin noch nicht.

Er spielt mit ihrer Verlustangst. Dort setzt er an, um sie zu verunsichern. Was ist sie bereit für ihn zu tun? Kritisiert sie ihn weiterhin? Wann ist sie überfordert und zieht sich zurück?

Er beginnt zu testen. Wenn du nicht ... , dann werde ich. Diese offensichtliche Erpressungstaktik tarnt er geschickt, damit sie nicht merkt was vor sich geht. Seine Forderungen sind niemals überzogen oder aus der Luft gegriffen. Immer gibt es einen Anlass oder eine vergessene Tatsache, um die Partnerin daran zu erinnern, dass sie sich im Grunde für ihr mangelhaftes Wesen schämen muß. 
So kann er mit geeigneten Mitteln, weiter auf seinen vermeintlichen kleinen Forderungen bestehen.

der andere wird geschwächt

Mit diesem provozierenden Verhalten deckt er weitere persönliche Schwächen und charakterliche Eigenheiten auf. Diese stellt er in einen ungesunden Fokus, um ihr mitzuteilen, wie schwer sein Leben mit ihr geworden ist und er ihre Fehler nur toleriert, weil er sie liebt. Ist er nicht ein toller Mann? Kein anderer wird sich je für sie interessieren, da ist er sich sicher; und das sagt er ihr auch.

Ja, er liebt sie. Sie stellt sich noch etwas quer und empfindet vieles auch ganz anders, aber ihre gesamte Wahrnehmung ist ja sowieso ein Problem für ihn. Sie hat oftmals recht, aber das gefällt ihm nicht. Sie spielt sich in den Vordergrund, und das gefällt ihm auch nicht. Es gibt jetzt viele Dinge, die ihn stören. Sie telefoniert zuviel mit den Kindern und kümmert sich um die falschen Leute. Wenn sie versucht über ihn zu bestimmen, wird es ganz blöd.
Er beginnt zu lügen und stellt sie als vergesslich hin, wenn sie seine Lügereien aufdeckt. Schließlich hat er ihr doch gesagt, dass er abends weggeht. Er lügt. Sogar, wenn er mit der Wahrheit besser weg kommt, lügt er. Selbst bei unbedeutenden Kleinigkeiten bleibt er nicht bei der Wahrheit. Warum auch, die Dinge sollen schließlich so laufen, wie er es sich  vorstellt und nicht so, wie die Tatsachen es vorgeben. Notfalls schreibt er auch ganze Lebensabschnitte um und dichtet sie neu. Und was für ein Unsinn, dass sie ihn etwas fragt. An seine Antwort könnte er sich doch Wochen später gar nicht mehr erinnern.
Er verspricht Dinge, die er nicht tun will und vergisst sie dann. "So, das hat sie nun von ihrem penetranten Verhalten." Was bildet sich diese Frau denn auch ein. Dass er ihr Spielball ist?

Sie würde sich seine Antworten doch merken und noch mehr Lügen aufdecken. Oder schlimmer noch, sie könnte von ihm verlangen, dass er sich an seine Worte hält. Also bekommt sie auf keine Frage eine Antwort. Und wenn, dann keine, die zu der gestellten Frage passt.

verbogene Kommunikation

Gespräche, die auf dieser Basis geführt werden, führen bei seiner Partnerin zu Erklärungsnöten und der Gesprächsbedarf in der Beziehung wird immer größer. Je mehr die Frau versucht, eine Lösung für ein Problem zu finden, je mehr Probleme tun sich auf. Sogar das Gespräch selbst, wird jetzt zum Problem.

Dass sein Verhalten zur völligen Verwirrung seiner Partnerin führt, gefällt ihm. Er bestimmt ja schließlich, wann ein Gespräch begonnen wird und über welches Thema gesprochen werden soll. Er bestimmt auch, wann das Gespräch endet und ob es überhaupt stattfindet. Im Zweifel hat sie alles falsch verstanden oder sie hat eine verdrehte Wahrnehmung. Da sie feststellt, dass mit der Gesprächsbasis etwas nicht stimmt, wird sie ihm lästig. Je mehr sie reden möchte, je mehr verweigert er gemeinsame Gespräche.

Ich kämpfe für die Beziehung

Kampf - nur keiner weiß warum

In seinen Augen feindliches Verhalten wird jetzt richtig abgestraft. Sehr dezent, aber mit klaren Worten macht er ihr klar, wo es tatsächlich lang geht. Da jedoch Er bestimmt was feindliches Verhalten ist, wird es auch immer schwerer etwas richtig zu machen. Normales und alltägliches Verhalten, ist an manchen Tagen für ihn schon eine feindliche Gesinnung. Die Strafe folgt auf dem Fuß, ohne dass sieüberhaupt weiß, worum es eigentlich geht.

"Ich sage Dir, wie Du Dich fühlst"

Er bestimmt, wie sie auf etwas reagiert und wie sie sich zu fühlen hat. Ist sie zu fröhlich, weiß er genau, wie diese Fröhlichkeit ganz unauffällig aus ihrem Gesicht verschwindet. Möchte er mehr Bestätigung, macht er sie eifersüchtig. Will er seine Ruhe, ist es ihr Unvermögen den Feierabend gemütlich zu gestalten und er geht alleine aus. Möchte er der Langeweile entfliehen, fängt er Streit an oder bringt sie zum Weinen. Kritik in seine Richtung ist jetzt ganz außer Kraft gesetzt. Schon aus dem einfachen Grund, dass er mit der Zeit alles abgegeben hat, wo überhaupt Kritikpunkte an ihm auftauchen könnten.
Sie ist es jetzt, die für alles im Haushalt zuständig ist. Für sein Wohlergehen, sein Leben, die Verabredungen. Wenn es Kritik gibt, kommt diese jetzt von ihm. Wenn etwas falsch läuft, sucht und findet er die Schuld bei ihr. Das Leben wird immer schöner und besser für ihn.

Lehnt Sie sich gegen dieses Verhalten auf, führt er ihr vor, dass sie ohne ihn ein Nichts ist. Dass sie nichts richtig machen kann, hat er ihr ja schon tausendmal vorführen können. Ihre Fehler der Vergangenheit bestätigen das schließlich.
Auch die Personen mit denen sie sich umgibt, sind fehlerhaft. Dass er nicht bereit ist, sie mit diesen Personen zu teilen, hat er ihr unauffällig schon vorher klar gemacht. Auch mit den Kindern wird er sie nicht teilen. Mit seinen eigenen Kindern schon gar nicht. Wie sie das Leben mit diesen Personen in Zukunft noch führen will, ist ganz alleine ihre Sache

"Ich werde Dich verlassen"

Wenn sie nicht will, wie er möchte, braucht er eine Auszeit. Dass sein Verhalten jedesmal bei ihr in einem Eifersuchtsdrama endet, ist auch nicht seine Schuld. Er war nur kurz ein Bier trinken und das Drama mit der anderen Frau hat er nicht zu verantworten. Wenn sie nicht mit ihm zufrieden ist, kann er ja gehen.
Natürlich geht er nicht, obwohl ihm ihre Eifersuchtsdramen seit geraumer Zeit auf die Nerven gehen. In diesem Punkt bleibt er gelassen und freut sich. So oft klingelt sein Handy  jetzt doch wirklich nicht. Manchmal macht er sich sogar den Spaß und lässt sein E-Mail-Abruf wie SMS klingen. Sie fragt dauernd, wer geschrieben hat. Toll.

Ihre Wünsche und Vorstellungen dagegen, von ihrem Leben mit ihm, sind allerdings schon eine Zumutung. Diese mögen zwar manchmal auch seine sein, ihnen nachgeben wird aber nur, wenn sie für ihn definitiv keinen Nachteil bringen. Forderungen darf sie natürlich auch jederzeit an ihn stellen, aber wenn er etwas für sie tut, dann nur zu seinen Bedingungen. Er geht sonst, weil er sich schließlich nicht alles gefallen lassen kann. 
Wenn er ihre Meinung braucht, wird er sie fragen, aber ungefragt will er ihre Meinung nicht. Mit Liebesentzug und Ignoranz wird deutlich gemacht, was er ihr selbst nicht sagen möchte. 

Angriffe - erlebte Partnerschaftsgewalt

Seiner Umgebung teilt er ebenfalls mit, dass er sich unverstanden fühlt und was er in der Beziehung alles erleiden muss. In dieser Situation sieht er sich deshalb berechtigt, sich nach anderen Frauen umzusehen und testet, ob er noch auf dem Markt ist. Ganz unauffällig natürlich. Er braucht diese Bestätigung.
Umgesehen hatte er sich vorher zwar auch schon, aber da ging es ihm mehr darum Eifersuchtsdramen zu provozieren. Die SMS von anderen Frauen muss er jetzt nicht mehr vortäuschen, die landen tatsächlich auf seinem Handy. 
Um alles elegant zu tarnen und die Partnerin weiter zu verunsichern, erinnert er sich nur mit Mühe an seine Versprechen und seine Frau muss ihm stundenlang erklären, welche gemeinsamen Vereinbarungen getroffen wurden. In seiner Erinnerung hat immer etwas anderes stattgefunden.

So schafft es mühelos die Tatsachen so zu verdrehen, dass alles passt.

Trennung als Bestrafung

In diesem ganzen Durcheinander weiss er trotz allem sehr gut, was seine Partnerin (Opfer) noch gewillt ist hinzunehmen. Ist er zu weit gegangen, rudert er zurück. Wenn Sie sich trennen will, lenkt er ein. Er beendet die Beziehung wie es ihm gefällt und kommt mit irgendwelchen Ausreden wieder zurück. Ihm geht es mehr darum Verlustängste auszulösen, als sich wirklich zu trennen.
Die andere Frau in seinem Leben ist ja auch nicht übel. Mal sehen, wie er da vorgehen kann und wieviel diese ihm gibt. Nur dumm, dass jetzt beide anfangen ihn zu kontrollieren. Wenn beide auf den Gedanken kämen in sein Handy zu schauen, würden sie sich wundern. Zuhause trägt er seine Frau gerade auf Händen und seiner Nebenbeziehung erklärt er, dass er sich trennen wird.

Vernichtung

Im Grunde hat er schon lange kein richtiges Interesse mehr an seiner Frau. Dass sie so oft krank ist, stört ihn. Sie kommt ihrer Aufgabe nicht nach. Wer soll ihn denn jetzt noch bewundern? Diese völlig gebrochene Persönlichkeit? Diese hysterische Ziege, die ihm erzählen will, wo es lang geht und immer unausstehlicher wird? Das Häufchen Elend, das so oft heulend vor ihm sitzt. Ist ja schon toll, diese ehemalige starke Frau jetzt weinen zu sehen, aber wer will das schon jeden Tag. Da sucht er sich doch lieber was Neues.

Ach nein, das hat er ja schon gefunden.
Er überlegt, dass er die Neue ja auch zugrunde richten wird und er dann wieder von vorne anfangen muss. Also hebt er seine alte Liebe wieder in den siebten Himmel, damit sie sich erholen kann. Wenn diese Manipulation gelingt, ist er doch das Tollste unter der Sonne. Mehr Aufwertung geht doch gar nicht mehr. 

Beziehungsarbeit und Erhalt der Partnerschaft durch Geben, Nehmen und Liebe sind ihm fremd. Warum sich damit belasten und über vergangene Fehler und Versäumnisse diskutieren. 

Die Meinung seiner Partnerin zählt für ihn sowieso nicht.

@Text by Evelina Blum