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Der Narzisst und seine Sicht der Dinge

Beziehung aus der Sicht eines Narzissten

Körperliche Beschwerden und seelische Beeinträchtigungen sind weitreichenden Folgen von emotionaler Gewalt. Diese wird sehr häufig von Menschen eingesetzt, die an einer Persönlichkeitsstörung leiden oder hohe narzisstische Anteile haben.
Mit dem daraus resultierenden Verhalten versuchen sie Einfluss zu nehmen auf ihre Mitmenschen. Der Gedanke, dass der eigene Partner nicht zu einer dieser Gruppen gehört, herrscht meist vor. Narzissten und Energiesauger präsentieren sich jedoch erst von einer guten Seite und tarnen das destruktive Verhalten, ehe die Verletzungen ihre Wirkung zeigen.

In diesem Artikel versuche ich den Beziehungsverlauf mit einem narzisstischen Partner darzustellen. Ich beziehe mich hier nicht auf Untersuchungen oder andere bewiesene Tatsachen. Dieser Beitrag wurde aufgrund eigener Feststellungen und den Erfahrungswerten betroffener Frauen geschrieben.
So könnte die Gedankenwelt eines Narzissten aussehen. Aber wer weiß das schon? Seine Gedankenwelt könnte auch ganz anders sein. Noch perfider, noch gemeiner, wie hier beschrieben?

Der Anfang vom Ende

In der ersten Phase der Verliebtheit hat die Partnerin viel von sich preisgegeben. Sie fühlt sich verstanden und geliebt, da der Partner so viel Interesse an ihr zeigt. Sie liegt wie unter einem Mikroskop. Ihre Gefühlswelt wird genau ausgelotet. Die positiven Eigenschaften sowie kleine Schwächen werden analysiert, aufgedeckt und gedanklich festgehalten. Ihre Stärke wird bewundert und ihre Schwachpunkte werden als unwichtige und liebenswerte Besonderheiten heruntergespielt. Alles ist sehr übertrieben und er idealisiert die Partnerin auf eine ihr völlig unbekannte Weise.
Sie sieht sich bestärkt und geliebt wie selten in ihrem Leben. Alles fühlt sich toll und richtig an, und er erfährt durch ihre Hingabe und Zuwendung eine enorme Bestätigung. Sie wertet ihn auf. Die Interessen und Lebensweisen seiner Partnerin saugt er auf wie ein Schwamm und er notiert genauestens, wie er sich daran anpassen kann.
Er weiß genau, welche Mittel er anwenden muss, damit die Fusion gelingt. Die Frau gagegen denkt, ihren Seelenverwandten getroffen zu haben. Sie wird seine Partnerin und liebt ihn bald abgöttisch.
Er hat ganze Arbeit geleistet. Toll.  

Die perfide Denkstruktur

Würde er sich gleich destruktiv verhalten, wäre keine Frau der Welt bereit, bei ihm zu bleiben. Das weiß er. Aus anderen Erfahrungen hat er gelernt, sich anzupassen und alles ganz vorsichtig in Gang zu setzen. Dieser Anpassungsphase liegt aber keine Kompromissbereitschaft zugrunde, sondern pure Berechnung. Wo er keinen unmittelbaren Nutzen für sich erkennen kann, ordnet er sich unter. Im anderen Fall versucht er, nicht zu direkt aufzutreten und investiert erst einmal in die Beziehung.
Diese Vorgehensweise ist jedoch enorm belastend und anstrengend für ihn. Im Allgemeinen hinterlässt er oft einen gestressten, angestrengten Eindruck. Er sieht sich um. Wenn es noch weitere Personen in seinem Leben gibt, reagiert er dort seine destruktive Seite ab. Die Ex, die Familie und andere Frauen sind willkommene Anwärterinnen.
Seine aktuelle Liebesbeziehung lässt er erst einmal wachsen und gedeihen. Es ist der Himmel auf Erden für die Frau, die bereits jetzt schon lernt, wie das Leben mit ihm sein wird. Seine Planung, seine Wünsche, seine Träume, seine Vorstellungen wird sie bald auswendig aufsagen können. Sie wird vorsichtig auf dem Weg gebracht, sein nächstes Opfer zu werden.

Anpassung wird geübt

In dieser Phase genießt er ungemein, dass sich dieses taffe, starke oder schöne Wesen für ihn interessiert. Wenn er eigene Pläne und Ziele durchsetzen möchte, geht er deshalb ganz vorsichtig und umsichtig vor. Meldet die Partnerin eigene Bedürfnissen an, wird dies schnell zu einer tendenziell steigenden Belastung. Zu diesem Zeitpunkt lässt er sie diese Unpässlichkeiten noch nicht spüren. Noch nicht.
Da sie ihn in der ersten Zeit nicht übermäßig kritisiert und ihm oft den Vorzug gibt, findet er diese Phase trotzdem anregend und belohnend. Sie stellt wenig Forderungen und ist teils auch noch mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Er nutzt diese Zeit, um ihre Schwächen genau zu studieren. Auf dieser Basis wird er ihr später Vorwürfe machen, damit er seinen Willen besser durchsetzen kann.
Die neue Partnerin hat von diesen Gedankengängen keine Ahnung. Sie ahnt noch nicht, dass es später fast nie um ihre Probleme gehen wird, sondern nur um die Befindlichkeiten des Aggressors.

Dass sie ihn besser nicht kritisieren sollte, bemerkt sie allerdings schon früh. Ihre Kritik wirkt vernichtend und ist für ihn eine feindselige Handlung. Davon weiß sie nichts. Es fällt ihm aber jetzt schon schwer, sein Missfallen nicht zu zeigen. Genauso ist es mit ihren Erfolgen. Diese gefallen ihm auch nicht. Schön, dass sie erfolgreich ist, aber damit ist sie unabhängig von ihm und das stört.
Liebenswürdig teilt er seiner Partnerin mit, dass er sich ihre Vorschläge zu Herzen nimmt und freut sich, dass sie ihm glaubt. Ihre Erfolgserlebnisse werden jedoch weiter ignoriert oder abgewertet. Diese werden auch in Zukunft nicht sonderlich zur Kenntnis genommen.
Herzlichen Glückwunsch.

Eigene Spielregeln

Im Alltag versucht er nach einiger Zeit langsam, aber beständig Irritationen zu erzeugen.
Er verlangt nur Kleinigkeiten: Dass sie Türen zumacht und andere bloß angelehnt lässt. Er fordert, sie möge ihre Küche in Ordnung halten, obwohl er genau weiß, dass nur eine ungespülte Tasse der Grund für seine beißende Kritik ist. Die Betroffene möchte sich mit solchen Kleinigkeiten nicht belasten und geht darauf ein. Unmerklich beginnt sie jedoch, sich nach seinen Wünschen auszurichten. Ein Augenrollen hier, eine bissige Bemerkung da und alles läuft, wie er sich das vorstellt.
Diese Entwicklung wertet er als Erfolgserlebnis und fährt jetzt fort mit seinem Tun. Wenn sie weiteres Fehlverhalten zeigt, reagiert er übertrieben und bauscht selbst Kleinigkeiten als Unvermögen ihrerseits auf. Sie wird noch einsehen müssen, dass ihr Leben sich nur um ihn und seine Sicht der Dinge zu drehen hat. Er legt weiteres irritierendes Verhalten an den Tag, und da er an Klärung und Struktur nicht interessiert ist, bleibt sie mit vielen ungelösten Problemen und Fragen zurück.
Sie wird fahrig und nervös und macht weitere kleine Fehler. Diese werden jetzt sichtbar angeklagt und so tauchen scheinbar immer mehr Komplikationen auf. Sind keine Probleme in Sicht, zettelt er Streit an oder geht auf Liebesentzug. Das beschäftigt die nervös gewordene Partnerin garantiert tagelang.

Kleine Schwächen von ihr gehen jetzt auch nicht mehr als liebenswerte Besonderheiten durch. Wenn er sie deswegen kritisiert, merkt er sich genau, wo sie Grenzen setzt und wo sie ihn gewähren lässt. Sein Wert hat nun ihr Maßstab zu sein und seine Vorgaben muss sie begreifen lernen.

Kritik wird ausgeschaltet

Kritik wird jetzt auch nicht mehr hingenommen.
Die damit verbundene Dramatik hat allesamt die Partnerin zu verantworten. Ihre Ansichten und ihre eigene Meinung führen zu einem immer größer werdenden Streitpotenzial. Er geht sogar so weit, sich kurzfristig aus der Beziehung zu verabschieden. Natürlich nur, um am nächsten Tag wiederzukommen, aber das weiß die verwirrte Partnerin noch nicht.

Der Narzisst spielt mit der Verlustangst der Partnerin und nutzt diese für sich. Dort setzt er an, um sie zu verunsichern. Was ist sie bereit für ihn zu tun? Kritisiert sie ihn weiterhin? Wann ist sie überfordert? Wann zieht sie sich zurück?

Er beginnt zu testen. Wenn du nicht ... , dann werde ich.
Diese ganz offensichtliche Erpressung tarnt er sehr geschickt, damit sie nicht merkt, was vor sich geht. Seine Forderungen sind niemals überzogen oder aus der Luft gegriffen. Er signalisiert Enttäuschung und gibt so seiner Meinung Ausdruck. Immer wieder findet er einen Anlass oder eine vergessene Gegebenheit, um die Partnerin daran zu erinnern, dass sie sich im Grunde für ihr mangelhaftes Wesen schämen muß.
So kann er weiter mit manipulativen Mitteln auf seinen vermeintlich kleinen Forderungen bestehen. Das Potenzial, etwas in seinen Augen falsch zu machen, steigt zusammen mit diesen Anforderungen. Dass seine Vorgehensweise auf die Partnerin nervig und lästig wirkt, interessiert ihn nicht sonderlich.

Der andere wird geschwächt

Mit diesem provozierenden Verhalten deckt er weitere persönliche Schwächen auf und stellt die charakterliche Eigenheiten der Partnerin zur Diskussion. Diese stellt er in einen ungesunden Fokus, um ihr mitzuteilen, wie schwer sein Leben mit ihr geworden ist. Dass er ihre Fehler nur toleriert, weil er sie liebt. Ist er nicht ein toller Mann? Kein anderer wird sich je für sie interessieren, da ist er sich sicher; und das sagt er ihr auch. Ja, er liebt sie.
Sie stellt sich noch etwas quer und empfindet vieles ganz anders, aber ihre gesamte Wahrnehmung ist sowieso ein Problem für ihn. Sie hat oftmals recht, auch das gefällt ihm nicht. Sie spielt sich in den Vordergrund und das gefällt ihm schon gar nicht. Es gibt jetzt viele Dinge, die ihn stören. Sie telefoniert zu viel mit den Kindern und kümmert sich um die falschen Leute. Die Kindererziehung gleitet ihr aus den Händen. Der Nachwuchs ist ungezogen und wertschätzt ihn nicht. Wenn sie versucht, über ihn zu bestimmen, wird es ganz blöd.

Lügen und Unwahrheiten

Er beginnt zu lügen und stellt sie als vergesslich dar, wenn sie seine Lügereien aufdeckt. Schließlich hat er ihr doch gesagt, dass er abends weggeht. Er lügt, sogar wenn er mit der Wahrheit besser wegkommt. Selbst bei unbedeutenden Kleinigkeiten bleibt er nicht bei der Wahrheit. Warum auch, die Dinge sollen schließlich so laufen, wie er es sich das vorstellt und nicht, wie die Tatsachen es vorgeben. Er verspricht irgendwelche Kleinigkeiten, die er nicht tun will und vergisst sie dann. Sie muss ihm trotzdem dankbar sein. Was bildet die Frau sich denn ein. Dass er ihr Spielball ist?
Notfalls schreibt er ganze Lebensabschnitte um und dichtet sie neu. Um diese Lügen zu tarnen, unterstellt er ihr vorher alles falsch verstanden zu haben. "Er mag nicht ins Kino gehen, das mochte er noch nie." Außerdem wird ihr unterstellt, die einfachsten Dinge sowieso nicht verstehen zu können, geschweige denn sich diese zu merken.
Und was für ein Unsinn, dass sie ihn etwas fragt. An seine Antwort könnte er sich doch Wochen später gar nicht mehr erinnern.

Die verdrehte Kommunikation

Deshalb bekommt sie auf keine wichtige Frage eine passende Antwort. Und wenn, dann keine, die sich der gestellten Frage ausrichtet. Er hat das Sagen und sie muss sich merken, was er zu sagen hat, nicht umgekehrt. Er hört einfach weg.
Die Partnerin wir durch diese gestörte Kommunikation stark verunsichert. Die Gespräche, die auf dieser Basis geführt werden, führen bei seiner Partnerin zu Erklärungsnöten. Der Gesprächsbedarf in der Beziehung wird immer größer. Je mehr die Betroffene jedoch versucht, eine Lösung für ein Problem zu finden, je mehr Probleme tun sich auf. Sogar das Gespräch selbst wird jetzt zum Problem.

Dass dieses Verhalten zur völligen Verwirrung seiner Partnerin führt, gefällt ihm. Er bestimmt ja schließlich, wann ein Gespräch begonnen wird und über welches Thema gesprochen wird. Er bestimmt auch, wann das Gespräch endet und ob es überhaupt stattfindet.

Im Zweifel hat sie alles falsch verstanden oder eine verdrehte Wahrnehmung. Da sie feststellt, dass mit der Gesprächsbasis etwas nicht stimmt, wird sie ihm lästig. Je mehr sie jetzt reden möchte, je mehr verweigert er die gemeinsamen Gespräche und stellt sie als hysterisch hin.

Spielregeln

In seinen Augen feindliches Verhalten wird jetzt richtig abgestraft.
Sehr dezent, aber mit klaren Worten macht er der Partnerin deutlich, wo es tatsächlich lang geht. Da er allein bestimmt, wie feindliches Verhalten aussieht, wird es für sie immer schwerer, etwas richtig zu machen. Normales und alltägliches Verhalten ist für ihn an manchen Tagen schon eine feindselige Gesinnung. Die Strafe folgt auf dem Fuß, ohne dass die Betroffene überhaupt weiß, worum es eigentlich geht.
Er legt die Spielregeln fest, ohne bekannt zu geben, welches Spiel genau gespielt wird. Mit diesem Verhalten verschafft er sich den Spielraum, den er braucht.

Er bestimmt, wie sie auf etwas reagiert und wie sie sich zu fühlen hat. Ist sie zu fröhlich, weiß er genau, wie er diese Fröhlichkeit ganz unauffällig aus ihrem Gesicht verschwinden lassen kann.

Möchte er mehr Aufmerksamkeit, macht er sie eifersüchtig, reagiert gekränkt oder zeigt sich beleidigt. Will er seine Ruhe, ist es ihr Unvermögen, den Feierabend gemütlich zu gestalten. Möchte er der Langeweile entfliehen, fängt er Streit an oder bringt sie zum Weinen.
Kritik in seine Richtung wird jetzt ganz außer Kraft gesetzt. Schon aus dem einfachen Grund, dass er mit der Zeit alles abgegeben hat, wo überhaupt Kritikpunkte auftauchen könnten. Sie ist es jetzt, die für alles zuständig ist, insbesondere für sein Wohlergehen. Wenn es Kritik gibt, kommt diese jetzt von ihm. Wenn etwas falsch läuft, sucht und findet er die Schuld bei ihr. Das Leben wird immer schöner und besser für ihn.
Lehnt Sie sich gegen dieses Verhalten auf, macht er ihr ganz unauffällig klar, dass sie ohne ihn ein Nichts ist, weil sie nichts richtig abliefern kann. Ihre Fehler der Vergangenheit bestätigen das schließlich.

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Isolation, Abwertung und Manipulation

Auch die Personen, mit denen sie sich umgibt, sind fehlerhaft. Dass er nicht bereit ist, sich mit diesen abzugeben, hat er ihr unauffällig schon vorher klar gemacht. Auch mit den Kindern wird er sie nicht teilen. Mit seinem eigenen Nachwuchs schon gar nicht. Wie sie das Leben mit diesen Personen in Zukunft noch führen will, ist ganz alleine ihre Sache.
Wenn sie nicht will, wie er möchte, braucht er eine Auszeit. Ganz einfach. Das dieses Verhalten jedes Mal in einem Drama endet, ist auch nicht seine Schuld. Er war nur kurz ein Bier trinken und das mit der anderen Frau hat er nicht zu verantworten.
Obwohl ihm ihre Dramen seit geraumer Zeit auf die Nerven gehen, bleibt er gelassen und freut sich. So oft klingelt sein Handy jetzt doch wirklich nicht. Manchmal macht er sich sogar den Spaß und lässt sein E-Mail-Abruf wie SMS klingen. Sie fragt dauernd, wer geschrieben hat. Toll.
Ihre Wünsche und Vorstellungen sind zwar auch manchmal seine, gehandelt wird aber nur, wenn es für ihn keinen Nachteil gibt. Forderungen darf sie auch jederzeit an ihn stellen, aber wenn er etwas für sie tut, dann bitte zu seinen Bedingungen. Er gibt vor, wie die Dinge geregelt werden und nicht umgekehrt.
Wenn er ihre Meinung braucht, wird er sie fragen, aber ungefragt will er ihre Meinung nicht. Mit Liebesentzug und Ignoranz wird deutlich gemacht, was er ihr selbst nicht sagen möchte.
Die Partnerin ist immer mehr auf sich allein gestellt.

Partnerschaftsgewalt?

Dem Opfer wird langsam bewusst, dass etwas vorgeht, was überhaupt nicht in Ordnung ist. Wenn sie sich widersetzt, erfolgt jetzt auch der direkte Angriff.
Als wenn er sich etwas von ihr gefallen lassen würde. "Nicht von so einer Schlampe. Was denkt die sich denn eigentlich und was bildet die sich denn ein. Die soll froh sein, dass er sich überhaupt noch mit ihr abgibt." Mit diesem Denken sieht er sich nach anderen Frauen um und testet, ob er noch auf dem Markt ist. Ganz unauffällig natürlich. Er braucht halt diese Bestätigung.
Umgesehen hatte er sich zwar vorher auch schon, aber da ging es ihm mehr darum, Eifersuchtsdramen zu provozieren.

Die SMS von anderen Frauen braucht er bald nicht mehr zu fingieren, die landen jetzt tatsächlich auf seinem Handy. Um alles elegant zu tarnen und die Wahrnehmung der Partnerin immer mehr außer Kraft zu setzen, erinnert er sich nur mit Mühe an seine Versprechen. Stundenlang muss sie ihm erklären, welche Vereinbarungen getroffen wurden. In seiner Erinnerung hat jedoch immer etwas anderes stattgefunden. Die Frau ist sich schon lange nicht mehr sicher, ob das, was sie denkt, auch das ist, was sie gehört hat.
Seiner Umgebung teilt er ebenfalls mit, dass er sich unverstanden fühlt und was er in der Beziehung alles erleiden muss. Mühelos schafft er es, die Tatsachen so zu verdrehen, dass alles passt.

Trennung als Mittel zum Zweck

In diesem ganzen Durcheinander weiß er trotzdem, was seine Partnerin (Opfer) noch gewillt ist hinzunehmen. Ist er zu weit gegangen, sucht er nach Ausgleich. Sie sei zu empfindlich, aber er werde sich anpassen. Möchte sie sich trennen, lenkt er ein. Im Gegenzug erklärt er die Beziehung als beendet und rudert mit irgendwelchen Ausreden wieder zurück. Ihm geht es mehr darum, Verlustängste auszulösen, als wirklich zu gehen. Die andere Frau in seinem Leben ist ja auch nicht übel. Mal sehen, wie er da vorgehen kann.
Nur dumm, dass beide Beziehungen jetzt anfangen, Kontrolle auf ihn auszuüben. Zu Hause trägt er seine Frau gerade auf Händen und seiner Nebenbeziehung erklärt er, dass er sich trennen wird. Kämen beide Frauen auf den Gedanken, in sein Handy zu schauen, würden sie sich wundern.
Er bemerkt, dass die Spannungen zu Hause trotz positiver Verstärkung zunehmen. Schon lange fragt die Partnerin nicht mehr nach, wo er seine Zeit verbringt. Anerkennung und Bestätigung seiner Person bleiben oft hinter seinen Erwartungen zurück. Das wiederum interessiert ihn jetzt kaum noch. Bestätigung, Bewunderung und Anteilnahme gibt es jetzt von anderer Seite. Auf den häuslichen Zuspruch ist er nicht mehr angewiesen.
Dass seine Frau immer unglücklicher wird, stört ihn nicht sonderlich.

Vernichtung

Im Grunde hat er schon lange kein richtiges Interesse mehr an der Beziehung. Ihn stört es trotzdem, dass seine Frau jetzt oft krank ist. Sie kommt ihren Aufgaben nicht nach. Wer soll ihn denn jetzt noch bewundern? Wer übernimmt die Verantwortung für die Beziehung? Diese völlig gebrochene Persönlichkeit? Diese hysterische Ziege, die ihm erzählen will, wo es lang geht und immer unausstehlicher wird? Das Häufchen Elend, das so oft heulend vor ihm sitzt. Ist ja schon toll, diese ehemals starke Frau jetzt weinen zu sehen, aber wer will das schon? Da sucht er sich doch lieber was Neues.

Ach nein, das hat er ja schon gefunden.
Er überlegt, dass er die Neue ja auch zugrunde richten wird. Er müsste dann wieder von vorne anfangen. So richtig hat er dazu keine Lust. Sollte er jetzt gehen, wäre es das Beste für die aktuelle Partnerin, aber gewiss nicht für ihn. Und wie er sich fühlt, sollte doch doppelt so wichtig sein.
Er muss schließlich auf seine Seele achten, sonst tut das ja keiner. (Sarkasmus)

Honeymoon?

Also hebt er seine alte Liebe wieder in den siebten Himmel. Wenn diese Manipulation gelingt, ist er doch das Tollste unter der Sonne. Mehr Aufwertung geht doch gar nicht.
Kehrt die verprellte Partnerin emotional oder körperlich zurück, beginnt das gleiche Spiel von vorn. Er wird neue destruktive Wege finden, um die Betroffene klein zu halten. Ob oder wann er seine Nebenbeziehung aufgibt, steht auch noch in den Sternen. Sein manipulatives Verhalten wird er nicht ablegen. Über die Gründe, die zur Entfremdung oder Trennung geführt haben, werden auch keine Gespräche geführt. Wieso auch?

Warum sich damit belasten und über vergangene Fehler und Versäumnisse diskutieren?
Die Meinung seiner Partnerin zählt für ihn sowieso nicht.

2023@Evelina Blum