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Beziehungsverlauf mit einem narzisstischen Partner

Die Sicht der Partnerin

Ein seltsames Verhalten hier, eine respektlose Bemerkung dort. Manche Situationen vermuten mehr, aber dieses ungute Gefühl wird schnell verdrängt. Die Partnerschaftsgewalt wird gut getarnt.
Dieser Mann ist eine charismatische Persönlichkeit. Keine Frage! Er hat ein charmantes Lächeln, drückt sich gut aus, ist erfolgreich, gestriegelt und gestylt und strahlt nach außen eine völlige Makellosigkeit und Perfektion aus. Manche sehen eher unscheinbar aus und haben doch den Glanz und die Macht, selbst die schönsten Frauen an sich zu binden. Ist er tatsächlich diese Art Mann, der die Beziehung und seine eigene Partnerin zugrunde richten wird? Was ist nur gestresstes Verhalten innerhalb der Beziehung und wo beginnt die "emotionale Gewalt"?
Hier ein Beispiel, wie so eine Beziehung aussehen könnte. Am Anfang ist natürlich auch hier alles rosarot gefärbt.

Dieser Mann ist eine charismatische Persönlichkeit
Er hat ein charmantes Lächeln, drückt sich gut aus, ist erfolgreich, gestriegelt und gestylt und strahlt nach außen hin manchmal völlige Makellosigkeit und Perfektion aus. Manche sehen eher unscheinbar aus und haben doch den Glanz und die Macht, selbst die schönsten Frauen an sich zu binden. Ist er tatsächlich diese Art Mann, der die Beziehung und seine eigene Partnerin, aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung, zugrunde richten wird? Was ist nur gestresstes Verhalten in der Beziehung und wo beginnt die "emotionale Gewalt"?
"Partnerschaftsgewalt und verbales systematisches Niedermachen" sind nicht die ersten Gedanken die auftauchen, wenn eine Frau sich verliebt. Im Gegenteil. In diesem Fall hat sie das Gefühl ihren Seelenverwandten getroffen zu haben und angekommen zu sein. Der Partner "scheint" genau dieselben Interessen und Wünsche zu haben, wie sie selbst.

Seelenverwandt und verliebt

Träume, Zukunftsvorstellungen, alles passt perfekt. Sie fühlt sich toll, wird geachtet und in den Himmel gehoben. Sie fragt sich selbst, warum "sie" so geliebt und geachtet wird, aber das gerät bald in den Hintergrund. Ist es doch die eigene Person, die sich mit einem mal so "richtig" und "gut" fühlt und nur das zählt.
Die Betroffene bekommt zunächst eine ganz auffällige Art von Bestätigung durch den neuen Partner. Sie steht ganz im Fokus dieses Mannes. Alles geht relativ schnell und auch wenn dieser Mann äußerlich nicht dem entspricht, worauf sie sonst peinlich genau geachtet hat, wird ihre Liebe bis in den Himmel wachsen. Noch nie ist sie von einem anderen Menschen so bewundert und scheinbar geliebt worden.
Die kleinen, unwichtigen, verbalen Aussetzer tut sie als Überarbeitung oder anderweitigen Stress ab. "Für sein manchmal seltsames Verhalten liegt immer ein nachvollziehbarer Grund vor." Sie schiebt ihr Unwohlsein von sich und konzentriert sich auf den Partner, der für sein unangebrachtes Verhalten jederzeit gute Gründe vorweisen kann. Er erzählt ihr, wie schlecht die letzte Beziehung war und natürlich wird sie versuchen, die schlechten Verhaltensmuster der Ex aus ihrer Beziehung zu verbannen. Sie wird ihm beweisen, dass es auch anders geht. Sehr taktvoll nicht wahr?
Haben beide noch Kinder mit anderen Partnern, ist ja alles auch nicht so einfach. Seltsames Verhalten nimmt sie nicht so ernst. Sie erklärt ihre Sichtweise und macht Verbesserungsvorschläge.

Unwohlsein

Unmerklich beginnt sie, sich ungewohnt schlecht zu fühlen und ist etwas zerstreut. Ihre Gedanken hören nicht mehr auf zu kreiseln, die innere Ruhe kehrt nicht mehr ein. Es wird der allgemeine Stress sein. Denkt sie.
Sie weiß, dass es in dieser Beziehung Probleme gibt, die noch gelöst werden müssen. Er ist oft ungeduldig und kritisiert auch mehr als in der ersten Zeit der Verliebtheit. Ihr Stress verstärkt das ganze noch. Sie muss nur ruhiger werden, dann ist wieder alles in Ordnung.
Einiges an ihrem Verhalten hat sie schon verändert, damit dieses Kritisieren und sein negatives Verhalten, welches Entäuschung seinerseits signalisiert, endlich einmal aufhört. Diverse Diskussionspunkte hat Sie mit Ihrem veränderten Verhalten schon ausgeschaltet. Sie weiß nicht, warum sie sich noch Sorgen macht. Er sagt und zeigt ihr doch, dass er sie liebt. Also muss doch auch alles in Ordnung sein.

Verzicht

In einigen Situationen stellt sie jetzt staunend fest, dass der Mann ganz anderen Interessen und Verhaltensmustern nachgeht wie zuvor behauptet. Da hat sie wohl etwas falsch verstanden. Nun findet er es langweilig, sie bei ihren Unternehmungen zu begleiten oder sie zu bitten, bei seinen Aktivitäten dabei zu sein. Auch lästige Gewohnheiten stellen sich jetzt ein. Er schaut gerne Pornos und ist hin und wieder ganz aufreizend an anderen Frauen interessiert. Gespräche laufen jetzt auch ein bißchen anders.
Er sieht zwar manchmal ein, dass etwas falsch läuft, unterstellt ihr aber Absichten: Sie wäre nicht an seinem Wohl interessiert. Sie wäre eifersüchtig. Sie wäre kleinkariert und zänkisch. Mit der Zeit lässt sie ihn lieber machen, was er möchte. Das Geplänkel mit den anderen Frauen stuft sie als harmlos ein und dass er sie jetzt manchmal als faul und dumm betituliert, sagt er ja nur, weil es gerade Streit gibt. Gerade eben hat er noch gesagt, dass er sie liebt und verlangt, dass sie ihm dies auch sagt.

Haushalt und Unfrieden

Ein diffuses Gefühl der Verunsicherung und Verlorenheit bleibt jedoch zurück. Auch wenn sie nicht mit ihm zusammen ist, läuft ihr Körper auf einer Art Alarmstufe. Es werden verbale Botschaften verteilt, mit denen sie nicht umgehen kann. In ihrer freien Zeit versucht sie dem auf die Spur zu kommen und Lösungswege für die verschiedenen Probleme zu finden. Erklärungen von ihm helfen ihr dabei.
Sie muss einsehen, dass vieles so ist, weil sie den Haushalt nicht im Griff hat oder andere Konflikte magisch anzieht.
Je mehr Probleme es gibt, je mehr Gespräche finden jetzt statt. Am Anfang der Beziehung hat er ihre Sätze noch zuende gesprochen, jetzt reden beide irgendwie aneinander vorbei. Sie versucht die Missverständnisse, die sich daraus ergeben, aus dem Weg zu räumen. Manchmal hat er jedoch keine Lust auf ein Gespräch und geht ihr aus dem Weg. Verständlich, wie sie meint. "Er ist halt genervt von ihr."
Sie schreibt ihm kleine Mitteilungen und versucht so, ihm ihre Denkweise näher zu bringen. Zuerst reagiert er noch auf ihre Schreiben, mit der Zeit aber auch nicht mehr.

die Kinder 

Wenn Kinder da sind, werden diese jetzt auch zu einem Problem. Diese tun ihr Übriges, um die Beziehung zu "gefährden". Seiner Meinung nach !!!
Seine eigenen Kinder bleiben dabei außen vor. Immer sind es nur ihre Kinder mit denen es Probleme gibt und mit denen sie, seiner Meinung nach, nicht zurecht kommt. Mit versteckten Andeutungen wird sie darauf aufmerksam gemacht. Offen wird selten etwas gegen die Kinder vorgebracht, da er sich mit ihnen gut stellen will. Sein Verhalten schmerzt sie, weil sie eigentlich an die Seite ihrer Kinder gehört und sich jetzt entscheiden muss. Immer mehr Streit mit den Kindern tut sich auf, weil diese ihre Mutter kaum noch wiedererkennen. Dafür gibt es auch einen guten Grund. Sie stellt nämlich fest, dass er recht hat. Die Kinder verstehen einfach nicht, dass sie sich nur anders verhalten müssten und dann gäbe es gar keine Probleme. Würden sie dies tun, wäre alles in Ordnung. "Seiner Meinung nach." Sie grübelt und grübelt, wie sie das Problem lösen soll.
Sogar, wenn es sich um die eigenen Kinder handelt, werden diese irgendwann zum Problem. In der ersten Zeit freut es sie natürlich, dass er viel Zeit mit ihr allein verbringen will, aber unmerklich spürt sie den Druck. Sie kann sich nicht so um die Kinder kümmern, wie sie es gerne tun würde. Er fordert Zeit ein, die sie ihm nicht geben kann. Zusätzlich fördert er Situationen, in denen sie peinlich berührt zurück bleibt und verhält sich selten partnerschaftlich. Wenn sie ihn darauf anspricht, weiß er nicht, was sie von ihm möchte. Sie sieht vieles zu überzogen und regt sich umsonst auf.

Lügen und Streit

Er lügt jetzt auch mehr, stellt sie fest. Waren es vorher nur kleine Notlügen, vermutet sie jetzt, dass er damit einem direkten Streit aus dem Weg geht. Verständlich, wie sie meint. Sie überdenkt ihr Verhalten und beschließt, sich einfach mehr zu bemühen. Sie muss ihm mehr Freiheit geben, damit er sich nicht Unwahrheiten und Notlügen verliert. Schließlich möchte er ihr ja nicht weh tun, sondern bei der Wahrheit bleiben, was sie ihm jedoch unmöglich macht. Er ist ja so ein netter Mann.
Am Anfang der Beziehung hat er sie doch noch so toll gefunden und sie hat sich so gut gefühlt. Es wäre doch gelacht, wenn sie dies nicht wieder erreichen könnte. Sie kauft sich andere Kleidung, schminkt sich etwas mehr und gibt sich frei und unbeschwert. Das mag er nämlich sehr. Sie setzt alles konsequent um und sieht endlich den Erfolg. Sie wird wieder richtig gelobt und in den Himmel gehoben.

Vernachlässigung und Isolation

Mit der Zeit fühlt sie sich jedoch wie gelähmt. Wenn er in der Nähe ist, kann sie sich nicht richtig konzentrieren. Die familiäre Situation mit den Kindern zerrt ebenfalls an ihren Nerven. Deshalb hat sie, bevor er nach Hause kommt, schon alles nach seinen Wünschen ausgerichtet. Schließlich soll es doch ein schöner Tag werden und nicht im Stress oder Streit enden.
Und tatsächlich, die Zeit vergeht und es scheint immer besser zu werden, nur dass sie sich oft müde fühlt. Die Beziehung ist anstrengend und sie stellt fest, dass sie keine Lust mehr hat, etwas zu unternehmen oder sich mit ihren Freundinnen zu verabreden. Da ihr die Motivation dazu fehlt, hat sie damit automatisch ein weiteres Problem geläst. Ihre Freizeitaktivitäten gefallen ihm nicht, dessen ist sie sich längst bewusst. Obwohl er selten darüber spricht, bemerkt sie es auch so. Auch auf ihre Familie und ihr direktes Umfeld ist er nicht gut zu sprechen. Sie distanziert sich von ihrer Familie, damit er endlich Ruhe gibt.
Immer deutlicher begreift sie, dass, wenn sie alles im Griff hat und sie bestimmte Leute fern hält, die Beziehung harmonisch abläuft. Sie muss halt dafür sorgen, dass diese Beziehung richtig funktioniert und die Kinder und der Rest der Familie nicht allzuviel Raum einnehmen und sich störend auswirken.
Für die Beziehung selbst, tut Er nicht viel. Er lässt zwar auch manches negative Verhalten weg, aber immer nur kurzfristig. Sie dagegen muss liebgewonnenen Tätigkeiten aufgeben, die sich nicht so leicht wieder herstellen lassen, aber das macht sie ja gern für diesen Mann. "Die eine Freundin war ja schon immer was komisch, warum also noch mit ihr befreundet bleiben." Er macht sich halt Sorgen um sie. Und es ist wie früher.

Wortbruch und Kontrolle

Schlechte Tage gibt es in jeder Partnerschaft. Mit der Zeit nimmt er sich jedoch immer mehr das Recht heraus, getroffene Absprachen zu brechen. Dieses Recht hat sie scheinbar nicht. Für ihn gibt es immer nachvollziehbare Gründe etwas zu tun, was ihr versagt bleibt. Sie hat nur eine viel zu engstirnige Haltung, um dafür Verständnis zu haben. Das muss sie akzeptieren und nach Möglichkeit ändern. Überhaupt ist vieles ihr Verschulden. Ihn bei richtigen Lügen zu ertappen, ist auch ihre Schuld. Sie ist einfach zu penetrant, reagiert völlig überzogen und fordert zuviel Rechenschaft. Sie mutet ihm schon eine Menge zu.
Dass er ihr Handy kontrolliert, findet sie deshalb ganz in Ordnung, weil seine Ex früher wie wild mit anderen Männern geschrieben hat. Da darf er heute gerne sehen, dass sie "so" nicht ist. In Zukunft wird vieles besser werden, da ist sie sich sicher.

Ihre Reaktion - Krankheit

Stattdessen wird sie jedoch öfter krank oder hat Migräne. Ihre Wahrnehmung ist verzerrt und alles ist wie im Nebel. Sie flüchtet in die Krankheit und ist froh, sich Zeit zum Ausruhen nehmen zu können. Trotzdem stellen sich Herzrhythmusstörungen, Regelschmerzen und ungewöhnlich lange Regelblutungen ein. Der Arzt fragt sie nach nervlichen Belastungen und ob sich in der letzten Zeit etwas verändert hat. Die Frau sitzt zuhause und grübelt. Was hat sich verändert?
Nichts, außer das sie jetzt eine Beziehung hat, wo vorher keine war. Dass eine Partnerschaft immer Probleme mit sich bringt, weiß doch jeder und das alleine kann es ja auch nicht sein. Und so schön, wie es am Anfang war, konnte es ja auch nicht bleiben. Das ist in jeder Beziehung so. Nur, dass er sie manchmal auch nach aussen hin als "faul und engstirnig" darstellt, muss auch etwas zu bedeuten haben. Vielleicht ist sie ja wirklich krank. Ist das alles normal? Und dann gibt es die sehr schönen Zeiten, wo alles wieder wie früher ist. Wo er erzählt, wie noch schöner alles werden wird, wenn sie nur ...
Deshalb geht sie auf die Suche. Was könnte sie noch besser machen? Brigitte-Ratgeber und Freundin-Ratgeber geben ihr Problem nicht wieder. Sie schaut ins Internet und findet Beiträge über "emotionale Gewalt". Dort taucht das erste Mal der Gedanke auf, dass es nicht an ihr liegt.
Sie verbringt viel Zeit mit Lesen und findet ähnliche Fälle. Richtig indentifizieren kann sie sich damit nicht. "Emotionale Gewalt" kann das doch nicht sein. "Partnerschaftsgewalt" schon gar nicht. Er schlägt sie nicht und ist auch sonst kein gewalttätiger Mensch.
Nur mit der Zeit geht er eben ungeniert seinen Vorlieben nach, ohne sich um ihre Gefühle zu kümmern. Er denkt halt zuwenig nach und kümmert sich nicht richtig um sein Verhalten. Immer mehr angstmachende und verletzende Situationen tauchen auf. Immer schmerzvoller wird die Beziehung. Er wird immer eifersüchtiger auf die Kinder, auf die Umgebung, auf alles was ihre Aufmerksamkeit von ihm ablenkt. Und sie beginnt zu sehen, kristallklar zu sehen, wie sie sich selbst verändert hat. Sich verdreht und verbogen hat.

Sie versucht neue Gespräche. Gespräche, in denen sie ihrerseits beginnt, Forderung nach Veränderung zu stellen. Aber leider führen diese zu noch zu mehr Ablehnung, Abwertung, Ignoranz und Spott ihr gegenüber.
Ihre Wahrnehmungen wären übertrieben und unberechtigt. Sie versucht vorangehende Verletzungen aufzuzählen, um klar zu machen, dass sie nicht übertreibt. Sie merkt jedoch schnell, dass sie Beispiele von früher nicht miteinbringen kann. Seine Erinnerungen an schmerzhafte Begebenheiten sehen in seinem Erleben ganz anders aus oder haben gar nicht stattgefunden.
Sie zweifelt an ihrer Wahrnehmung, obwohl sie diese verwirrende Gsprächsführung schon von früher kennt. Zuerst dachte sie, dass es nur Missverständnisse seien, die ausgeräumt werden müssen. Jetzt merkt sie, das er Vieles ganz bewusst einsetzt, um abzulenken. Wenn ihr etwas nicht passt - kann sie ja gehen. Auch das hat sie früher schon oft gehört, das wollte sie doch nie. Das möchte sie auch heute nicht und lenkt ein.

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Der Narzisst und die Frauenwelt
Machtspiele

Das Buch beschreibt detailliert die verbale und psychische Partnerschaftsgewalt. In vielen weiteren Beispielen wird der Missbrauch detailliert dargestellt.
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Offene Erpressung

Obwohl sie gern ein grünes Sofa möchte, akzeptiert sie nun ein rotes Sofa. Dieses ist ja auch schön und er wollte doch schon immer eines in dieser Farbe. In seiner vorherigen Beziehung hat die Ex immer alles bestimmt, also muss sie einlenken, um besser und toleranter zu wirken. Trotzdem wird sie mit dem roten Sofa nicht froh. Bei der nächsten Anschaffung versucht sie deshalb einen Kompromiss auszuhandeln, aber auch hier ist keine Einigung möglich. Wenn sie etwas nicht möchte, kann sie ja gehen. Er braucht diese Beziehung nicht. Sie versteht die Welt nicht mehr. Wegen so einer Kleinigkeit setzt er tatsächlich die ganze Beziehung aufs Spiel? Sie ist verletzt und entsetzt! Nach solchen ernsten Auseinandersetzung folgen zwar wieder diese wundervollen verliebten Zeiten, aber sie versteht nicht mehr, wie er einfach so zum Alltag übergehen kann.
Wegen banaler Situationen werden jetzt Trennungsgespräche geführt, die "sie" verzweifelt und traurig zurück lassen. Ihm scheinen diese Gespräche kaum etwas auszumachen.
Kinder, Sofas, alles was nicht stimmt, wird dafür hergenommen. Sie möchte die Beziehung unbedingt halten. Sie beginnt sich aufzureiben und nachzugeben. Zuviel hat sie bereits in diese Beziehung investiert.
Er beginnt zu taktieren. Wenn du nicht.... , dann ich... "Emotionale Erpressung" in der Reinform, die von ihr nicht mehr ignoriert werden kann und sie muss sich eingestehen, dass seine Taten schon längst nicht mehr zu seinen Aussagen passen.
Er sagt, er liebt sie und ist bereit wegen einer Kleinigkeit die ganze Beziehung aufzugeben?
Er lügt sie an!
Verletzt, ohne sich selbst zu hinterfragen! Er hält sich nicht an Abssprachen!

Längst hat sie sich weitere Informationen aus dem Netz gezogen. Wieder hat sie etwas über "emotionale Gewalt", im Zusammenhang mit Narzissmus gelesen. Aber das darf doch nicht sein. Das sind Gewalttäter und Gewalt tut er ihr doch nicht an. Sie glaubt es nicht.
Aber diesen Zustand hält sie auch nicht mehr lange aus. Kleine körperliche Beschwerden wachsen sich jetzt richtig aus. Beim nächsten Streit, als er nach den Schlüsseln greift, sagt sie ihm, dass er einfach gehen soll, wenn er möchte. Sie will nicht mehr.

Honeymoon

Das kennt er nicht. Er erkennt, dass er zu weit gegangen ist und rudert zurück. Er möchte seine Partnerin, die mittlerweile schon längst zum Opfer geworden ist, nicht verlieren.
Die Beziehung macht ihm Spaß. Er drückt Knöpfe und sie reagiert wie er möchte und wie er das für richtig hält. Aus Neid und Missgunst bringt er sie dazu, sich selbst, ihre Familie und die Kinder zu vernachlässigen.
So etwas findet er nicht an jeder Ecke. Wenn er sich vorher nie entschuldigt hat, tut er es jetzt. Er erklärt ihr, was für ein Idiot er ist und sie schmilzt dahin.
Er packt die erste Liebe wieder aus und sie machen einen neuen Anfang. Alles soll anders werden. Sie ist jetzt nicht mehr so leicht zu beeindrucken, aber wenigstens möchte er sich ändern und ist nicht jemand der "emotionale Gewalt" anwendet. Also versucht sie, sich einfach mehr durchzusetzen und ihre "starke" Seite zu zeigen. Aber ihr Nervenkostüm hat gelitten.

Offene Gewalt

Das ganze Ausmaß der "emotionalen Ausnutzung" macht sich dann doch bemerkbar. Die schönen Phasen nach einem Streit, als Wiedergutmachung, helfen ihr nicht mehr. Alles wird mehr und mehr zur psychischen, seelischen und körperlichen Belastung. An seinem perfiden Verhalten sieht sie, dass auch er zunehmend aggressiver reagiert. Heimlichtuerei und versteckte Unwahrheiten sind weiter an der Tagesordnung, aber das wird jetzt mehr und mehr offen gezeigt, damit sie merken soll - hier stimmt etwas nicht.
Wenn sie sich wegen immer neuer Vorkommnisse von ihm trennen will, weiß er ganz genau, wie er sie wieder zurückholen kann. Und jedesmal beginnt eine neue Verliebtheitsphase und sie hofft, dass er begreift, was er mit ihr verlieren würde.

Kampf um Gerechtigkeit

Im Gespräch versucht sie jetzt, gravierende Veränderungen herbeizuführen. Sie versucht ihm aufzuzeigen, dass er verletzt, wenn er sie auf diese Weise behandelt. Dass er sie verletzt, wenn er sich bestimmtes Verhalten auf ihre Kosten leistet. Er versteht nicht. Und er versteht wirklich nicht. Er kann keine Gefühle lesen. Sie erklärt und er versteht zwar nicht, weiß aber, dass er etwas ändern muss.
Aber schon bei der nächsten neuen Verletzung merkt sie, dass sie alles schon wieder neu erklären muss. Sie hat Geduld. Denn er muss, ja er muss es einfach einsehen.

Honeymoon und Seitensprung

Die Ignoranz nimmt mit jedem neuen Tag auf beiden Seiten zu. Er beginnt, sie mit Liebesentzug einzuschüchtern. Dieses Verhalten hat er vorher auch schon gezeigt, um Gesprächen aus dem Weg zu gehen, oder um sie zu strafen. Jetzt kommt in ihr aber das Gefühl hoch, dass er ihr richtig aus dem Weg geht, um sich nach einer neuen Beziehung umzusehen.
Sie versucht mit ihm darüber zu reden. Aber ihre Wahrnehmung ist und bleibt weiterhin ein Problem. Wenn sie Fragen, Kritik und Vorwürfe an ihn richtet, ist es immer nur sie, die alle Dinge falsch sieht und ihn völlig unzulänglich interpretiert. Alles ist nicht so, wie sie meint und sie wird aufgefordert, doch endlich einmal Ruhe zu geben.
Jetzt fragt sie sich wirklich, ob ihre Wahrnehmung noch in Ordnung ist.
Wenn sie nach außen über ihre Probleme in der Beziehung spricht und ihre Bedenken äußert, wird sie beruhigt. "Er sei doch ein ganz lieber Mensch, was sie denn noch wolle. Sie solle nicht zuviel nachdenken."
Sie möchte eigentlich gar nichts mehr denken und gehen, aber wenn sie nur daran denkt bekommt sie Panik.

Selbstaufgabe

Das Gefühl verlassen zu werden oder selbst gehen zu wollen, greift immer mehr um sich. Sie redet nicht mehr über ihre Beziehung und ihre Sorgen. Schon längst schämt sie sich vor sich selbst, wie schwach sie doch ist, weil sie keinen Ausweg aus der Situation findet.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem sie erkennen muss, dass es so nicht mehr weitergeht.

Ihre Wahrnehmung kann die vielen Vorkommnisse nicht mehr außer Kraft setzen.

Die Tatsachen, die er schafft, tun weh.
Seine Worte tun weh. Die perfide Ignoranz wird bald nicht mehr auszuhalten sein. Die Verletzungen nehmen weiter zu. Irgendwann müssen Konsequenzen gezogen werden, aber nicht heute!

Aber, das ist der falsche Weg, dieses Problem zu lösen.

@Evelina Blum