Die nächste Beziehung,
nach dem narzisstischen Partner

"Wie löse ich mich aus der Angst vor einer neuen narzisstischen Beziehung."

Wer aus einer Beziehung mit einem Narzissten ausgestiegen ist, muss sich erst neu finden. Keine Frage! Sich aus einer Missbrauchsbeziehung zu befreien kostet viel mehr Kraft, als sich aus einer schlechten Beziehung zu lösen. Auch wenn Freunde und Bekannte diesen Unterschied nicht sehen und darauf drängen, dass Erlebte rasch hinter sich zu lassen, sollte darauf nicht eingegangen werden. Das eigene Selbst ist in tausend Stücke zerbrochen und muss erst wieder zusammengesetzt werden.

Wer eine Trennung hinter sich gebracht hat, braucht erst einmal Zeit für sich. Und nicht nur das, die Betroffene befindet sich in einer Art Gedankenkreisel, dessen Bedeutung viele nicht nachvollziehen können. Das ständige Kreiseln, um die verlassene Beziehung, findet auch jetzt kein Ende. Der Kopf, gewohnt sich nur um die Bedürfnisse und Ansprüche des Narzissten zu drehen, tut dies auch weiterhin. Die eigene Person findet keine Heimat in sich selbst und das sogenannte innere Kind sitzt völlig zusammengekauert in der Ecke und wartet auf Besserung. Diese stellt sich jedoch nur langsam ein. Viel zu langsam. Was also tun?

Hast du sofort das Gefühl, dem nächsten Narzissten gegenüber zu stehen, verabschiede Dich bitte auch sofort.

"Ich will die Beziehung mit dem Narzissten endlich vergessen und hinter mir lassen."

Sich direkt in eine andere Beziehung zu stürzen, macht keinen Sinn. Das ist eine ganz schlechte Idee. Ist der Ausstieg endlich gelungen und die Beziehung halbwegs überwunden, ist es jetzt oft die betroffene Frau, die sich nicht mehr mit dem Thema auseinandersetzen will. Verständlich, aber diese Vorgehensweise ist nicht empfehlenswert. Diese an sich gesunde Einstellung ist wieder durch Verdrängung geprägt und macht deshalb wenig Sinn. Die eigenen Muster waren schließlich für das Leid verantwortlich. Nicht der Narzisst.
Und noch ein Problem taucht auf: Da nur bestimmte Faktoren aus der Vergangenheit eine Rolle spielen und als Vergleich dienen, kann oft nicht früh genug abgeschätzt werden, ob der neue Partner sich tatsächlich gut oder schlecht benimmt. Einem kleinen Narzissten eine Chance zu geben, nur weil der sich verhältnismäßig besser präsentiert, macht es auch nicht besser.

Wird zu schnell eine neue Beziehung eingegangen, werden die nicht verarbeiteten Triggerpunkte ebenfalls zum Problem. Da die jeweiligen Beziehungsthemen innerhalb der neuen Partnerschaft wieder eine große Rolle spielen, kommen auch die gleichen Gefühle wieder hoch. Diese gehören jedoch oft in die alte Beziehung und nicht in den Neuanfang. Mag die Betroffene den Unterschied noch so gut kennen, trennen, von ihrem Gefühlsleben, kann sie diese Gefühle nicht. Also werden unangenehme Wahrnehmungen, die einmal bedeutend viel Raum eingenommen haben, wiederum verdrängt, um der neuen Realität Platz zu machen.
Wichtige Erkenntnisse, verschwinden wieder in der Versenkung, um der neuen Beziehung eine Chance zu geben. Das wäre sehr schade.

"Ich habe Angst vor der nächsten Beziehung."

Jede Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht genau zu überprüfen ist sinnvoll. Aber niemand ist perfekt. Auch dein nächster Partner nicht. Du solltest also herausgearbeitet haben, was Du noch tolerieren willst und kannst. Ansonsten wirst du übervorsichtig und achtest auf jedes Wort, welches der neue Kandidat von sich gibt.
Der neue Partner wird genau abgeschätzt, um die Gefahr abzuwenden. Scheinbar! Die wirkliche Gefahr ist aber nun einmal nicht der Partner, sondern man selbst. Statt Vertrauen in sich selbst zu setzen, mit dem Wissen die Beziehung jederzeit verlassen zu können, versuchen viele das Problem schon vorher zu lösen. Die Angst vor einer nächsten Beziehung mag also durchaus berechtigt sein, wenn sich noch kein neues Selbstvertrauen aufgebaut hat.

"Wie löse ich dann das Problem?"

Da kein Mensch die Aufschrift Narzisst trägt, ist das Problem nicht zu lösen. Es ist also sinnvoll, sich erst auf eine Beziehung einzulassen, wenn eine erneute Trennung vom Partner kein unüberwindliches Problem mehr darstellt. Wenn die alten Fesseln gefallen sind und die eigene Co-Abhängigkeit sich in Schach halten lässt, kann über eine neue Verbindung nachgedacht werden. Ein Narzisst wird sich immer erst von seiner besten Seite zeigen, bevor er sein Opfer manipuliert. Außerdem geht jeder Narzisst anders vor. Der nächste destruktive Partner kann also, trotz aller Vorsicht, schon vor der Türe stehen.
Sich einem Egoisten oder Choleriker anzuvertrauen, macht es auch nicht besser, auch wenn diese nicht die gewohnten Manipulationen zeigen.

Bedenke: Auch, wenn die diffusen Anzeichen von schlechtem Verhalten fehlen, muss das nicht gleichzeitig bedeuten, einem liebevollen Partner gegenüber zu stehen.

"Was kann ich tun, um mit der Vergangenheit abzuschließen?"

Offen über die alte Beziehung zu sprechen, auch über einen langen Zeitraum hinweg, kann dem Vergessen und dem Verdrängen entgegenwirken. Der neue Partner ist dafür jedoch ungeeignet. Durch diesen Verarbeitungsprozess muss die Betroffene allein gehen. Unterstützt werden kann sie dabei von einer Selbsthilfegruppe, oder einer Therapie, oder ... oder ...
Wenn die Beschäftigung mit dem leidigen Thema keine Last mehr ist, sondern zum Alltag gehört, hat das Thema den richtigen Stellenwert eingenommen. Solange Triggerfaktoren massiv das Leben und Denken überschatten, ist der Missbrauch nicht verarbeitet. Tauchen zu viele Trigger-Momente in der neuen Beziehung auf, ist die alte Beziehung noch nicht verarbeitet. Hier sollte nach Hilfe gesucht werden, vorausgesetzt, man ist nicht wieder an einen Narzissten geraten, der berechtigterweise diese Trigger in Gang setzt.

Oft hat auch eine ungute Kindheit, zusammen mit den falschen Glaubenssätzen, (Du kannst das nicht!) die spätere Beziehung mit einem Narzissten begünstigt. Diese Themen sollten ebenfalls erst aufgearbeitet werden, bevor etwas Neues entsteht. Im Rahmen einer Therapie stellt sich oft heraus, dass der Missbrauch schon früh in der Kindheit seinen Ursprung hatte und nur vom narzisstischen Partner fortgeführt wurde. Sich nur vom Partner zu trennen, reicht dann oftmals nicht aus. Die eigenen Strukturen, die in der Kindheit erlernt wurden, sollten betrachtet und hinterfragt werden. Dass Thema findet dann einen angemessenen Platz im Lebenmittelpunkt und muss nicht mehr krankhaft ausgeklammert werden.

"Was bringt die Zukunft?"

Wer einmal die Bereitschaft zur Verdrängung erlernt hat, wird immer wieder darauf zurückgreifen, wenn es schwierig wird. Deshalb sei vorbereitet. Nicht der Partner sollte sich um dein Wohl kümmern, sondern Du selbst. Damit verliert sich auch die Angst, wieder in einer schlechten Beziehung festzuhängen. Du solltest in deinem nächsten Lebenskonzept im Mittelpunkt stehen; nicht Dein Partner. Die Beschäftigung mit Dir selbst ist wichtig und zieht gesunde Menschen in dein Leben, die sich bei dir geborgen fühlen, weil du Grenzen setzen kannst. Achte auf Dich!

Sind Deine alten Muster endlich abgelegt, bist du frei, und muss eine weitere schlechte Beziehung nicht künstlich aufrecht erhalte. Wirkliche Liebe, keine abhängige Liebe, kann es sowieso nur dann geben, wenn Du mit Dir selbst im Reinen bist.

Versuche also schon früh herauszufinden, ob du wirklich schon bereit bist für eine Veränderung. Dein Gegenüber ist so, wie er ist. Versuche nicht mehr ihn zu ändern, sondern verlasse die Beziehung von Dir aus, wenn es nicht mehr passt. Mit anderen Worten: Kannst du die nächste Beziehung verlassen, ohne wieder den ultimativen Absturz zu erleben?

Wie schütze ich mich?

Sobald Dir jemand manipulierend und abwertend gegenübertritt, erlebst Du emotionale Gewalt. Hier beurteilt jemand also nicht Dein Verhalten, sondern Deine ganze Person. Du bist beispielsweise schlecht, dumm oder blöd. Diese Sätze beginnen immer mit den Worten: Du bist ... dies und das und jenes. Diese Aussagen sind übergriffig.
Fühlst Du Dich angegriffen, dann achte auf Deine Gefühle. Der Maßstab sollte deine eigene Befindlichkeit sein. Die Fehler der Vergangenheit sollten sich hier nicht mehr wiederholen.

Genieße die schönen Momente der neuen Beziehung und vertraue auf Dich. Du kennst jetzt dein eigenes Suchtverhalten und deinen Drang alles Ungute verdrängen zu wollen. Streit und Unfrieden gehören zu einer Beziehung und sollten deshalb auch nicht vermieden werden.
Sind klärende Gespräche jedoch eher eine Ausnahme und hast du das Gefühl, viele Vorgänge innerhalb der Beziehung nicht zu verstehen, achte auf dich. Können Probleme nicht beseitigt oder gar gelindert werden, stelle die Beziehung in Frage, nicht Dich.  

Die ersten Bedenken und Zweifel sollten deshalb unbedingt ernst genommen werden:

Versucht er mir einzureden, dass ich zu empfindlich bin?
Wie fühle ich mich in Gegenwart meines Partners?

Wie geht es mir? Fühle ich mich verstanden?
Fühle ich mich ernst genommen?


Betrachte auch Deine eigenen Muster:

Muss ich mich oft zur Wehr setzen?
Kann ich meinen Partner kritisieren?
Stimmen die Aussagen, wenn mein Partner über mich trifft?
Habe ich schon am Anfang Angst, diese Beziehung zu verlieren?
Richte ich meine Handlungen nur nach ihm aus?

Achte auf Deine eigenen Wünsche!

Deine Wünsche sind die Fenster zu deiner Seele und nie dumm, bedeutungslos und unwichtig. Ein liebender Partner betrachtet sie unvoreingenommen, ohne diese gleich als Bedrohung zu sehen. Er weiß wie wichtig diese Fenster sind, und er wird sie achten und behüten.
Auch deine Wahrnehmung wird er dir nicht nehmen wollen. Deshalb wird er dir auch nicht sagen, dass Du zu empflindlich bist, sondert er achtet auf deine Empfindsamkeit. Für einen Narzissten wären Deine Wünsche vollkommen bedeutungslos, deine Wahrnehmung wäre sowieso verdreht. Er möchte bestimmen, was Du denkst und wie Du zu fühlen hast. Lass das nicht mehr zu!

Erlebe ich wieder emotionale Gewalt?

Sobald diese Frage auftaucht, ist die Antwort schon klar.
Es hat bereits einen oder mehrere Auslöser gegeben, die diesen Gedankengang angestoßen haben. Vertraue Dir selbst; und nehme die ersten Anzeichen von narzisstischem Verhalten sehr ernst. Auch dann, wenn die Ausreden und Ausflüchte des Partners durchaus plausibel anmuten und ernste Bedenken an der eigenen Unzulänglichkeit aufsteigen lassen. Du bist nicht für den Gemütszustand deines Partners verantwortlich. Darauf soll er selbst achten.

Wer sich einmal sagen lassen muss, dass er besser die Klappe halten soll, weil er zu dumm sei um mitreden zu können, kann nicht ernsthaft davon ausgehen, dass er in anderen Dingen mehr Gehör findet.

Suche nicht nach Ausreden, warum er sich schlecht benimmt und entschuldige nicht sein Verhalten. Du bist nicht empfindlich und störst nicht die Harmonie, sondern Du bist vollkommen im Recht, wenn Du dich gegen diese Beleidigung auflehnst und zum Scheitern der Beziehung beiträgst.
Ist die Beziehung fortgeschritten und tauchen noch mehr Zweifel auf, sei vorsichtig. Die schlechte Stimmung, die sich innerhalb der Partnerschaft breit macht, ist ein Warnzeichen. Wenn Du der Auslöser dafür bist, frage dich selbst, was gerade nicht passt. Frage nicht Deinen neuen Partner.  

"Wie finde ich den perfekten Partner?"

Einen vollkommen gesunden und nahezu perfekten Partner zu finden ist utopisch. Jeder Mensch hat seine Ecken und Kanten. Was den einen stört, ist dem anderen egal. Dieser Satz bezieht sich allerdings nicht auf die Aussage: Kann ich den nächsten Missbrauch besser aushalten. Gegen diesen sollte "frau" sich unbedingt schützen. Wer allerdings richtiggehende Angst vor einer neuen Beziehung in sich spürt und auf der Suche nach Mister Perfekt ist, sollte sich vielleicht noch etwas Zeit nehmen.

Ist jedoch ein neuer Partner gefunden und kommen nach anfänglicher Begeisterung Stück für Stück neue Bedenken hoch, sollten diese jetzt sehr ernst genommen werden. Versuche nicht mehr deinen Partner zu ändern, dass ist nicht Deine Aufgabe. Nicht dein Gegenüber ist das Problem. Der ist so, wie er ist. Du solltest ihn also auch nehmen, wie er ist. Du kannst ihn so, in seiner Wesensart, akzeptieren oder es sein lassen und gehen.

Gesunder Partner - Langeweile!

Viele gesundete Frauen beschreiben dieses Phänomen. Sie merken an, eine Beziehung zu einem gesunden Partner sei nicht bereichernd. Auch auf dieses Gefühl sollte man vorbereitet sein.
Wer viel Zeit mit einem Narzissten verbracht hat, ist an das ständige Auf und Ab dieser Beziehung gewohnt. Mit einem gesunden Partner lebt die Beziehung oft nicht die gewohnte Abwechslung und wird oft als langweilig und eintönig empfunden. Auch hier muss erst ein neues Denken geschaffen werden.

Die Achterbahnfahrt mit einem Narzissten ist kein erstrebenswertes Ziel. Dieses ständige Wechselbad der Gefühle, wird Dich auf Dauer krank machen!

Achte auf Dich und Deine Gefühle. Nehme sie erst und lerne sie genau kennen. Wann fühst du dich wohl? Wann kannst du dich entspannen? Wann willst du lieber gehen, statt zu bleiben? In welchen Situationen sagst du Ja, obwohl Du lieber Nein sagen würdest?

Achte auf Dich.
Dafür bist Du jetzt selbst zuständig! Nicht Dein Partner!