Dein Partner ist Narzisst - Warum gehst du nicht?

Ich komme nicht von ihm los.

Ich erlebe psychische und verbale Gewalt

Erlebe ich tatsächliche seelische Grausamkeiten? Mein Partner sagt: "Ich wäre nur zu empfindlich." Schnell tauchen Zeichen auf, besonders, wenn der Partner narzisstische Züge aufweist. Da solche Äußerungen in jeder Beziehung vorkommen, ist die Einschätzung der verbalen Angriffe in der Tat schwierig.
Ist diese Gewalt jedoch an der Tagesordnung und Alltag vieler betroffener Frauen, dann ist diese nicht von der Hand zu weisen. Ob der Partner jetzt Narzisst ist, oder einfach ein Trampeltier, macht hier keinen Unterschied. Der Narzisst setzt diese Art der Gewalt allerdings unterschwellig und manipulativ ein und nutzt sie, um Macht über das Opfer zu erlangen. Das macht den Unterschied.

Kann das Opfer diese Angriffe nicht einschätzen, werden viele Entschuldigungen für den übergriffigen Partner gefunden, die nachher aber eher ein Schönreden der Beziehung sind. Ist das Opfer innerhalb einer Beziehung an einen Narzissten geraten, kommt zusätzlich eine Art Abhängigkeit ins Spiel, die vor sich und anderen gerechtfertigt werden muss.
Jetzt könnte die Frage, "erlebe ich psychische und verbale Gewalt," also eindeutig mit Ja beantwortet werden, wenn das Opfer sich nicht selbst ständig die Schuld geben würde, derartig niederträchtig und gemein behandelt zu werden.

Warum diese Gewalt  ausgerechnet die eigene Person heimsucht, ist die nächste bange Frage. Familie und Freunde werden sich diese Frage ebenso stellen, verbunden mit der Überlegung, warum "frau" sich das eigentlich selbst antut.

Beziehungssucht, Abhängigkeit oder Liebe

Innerhalb einer Gewaltbeziehung gibt die betroffene Frau nach und nach freiwillig das Recht auf, ihr Leben in Selbstbestimmung zu führen. Das geschieht manchmal so subtil und fremdbestimmt, dass es dem Opfer zuerst gar nicht auffällt. Viele Verhaltensmuster sind der Frau auch zu "eigen" oder sind ihr schon aus Kindheitstagen bekannt. Sie ist es gewohnt, für das schlechtes Benehmen anderer, die passende Entschuldigung zu finden. 

Die gelebte Beziehungsstruktur wird nicht mehr hinterfragt und die Betroffene wird unbemerkt in eine Ecke gedrängt, wo sie meist gar nicht stehen will. Sie passt sich den Begebenheiten an und verändert sich zu ihrem Nachteil. Es gibt viele Gründe, sich freiwillig in diese Ecke zu begeben. 

Angewendete Partnerschaftsgewalt ist einer dieser Gründe; die Freiwilligkeit des Opfers oft ein anderer.

Warum tust Du das? Warum gehst du nicht?

Nichtbetroffene sehen oft verächtlich auf die Betroffene herab, weil diese sich, trotz der offensichtlichen Partnerschaftsgewalt, nicht fortbewegt.
In anderen Fällen schlägt der Frau erst ein Nichtverstehen entgegen, weil sie die Vorgänge innerhalb der Beziehung kaum plausibel erklären kann; nach Kenntnis der gesamten Vorgänge, wird ihr dann vorgeschlagen, sofort die Beziehung zu verlassen.

Wir sprechen hier von Aussagen, die kurz hintereinander erfolgen und sofort mit Verachtung bestraft werden, wenn die Betroffene diesen Vorschlägen nicht gleich folgt. Bringt die Betroffene ihre Gründe vor, die sie an diese destruktive Beziehung binden, werden ihre Einwände einfach weggewischt. 

Natürlich sind es nur Ausreden, die das Opfer anbringt. Allerdings hat sich die Betroffene so in Ihre eigene Welt verstiegen, dass sie tatsächlich keinen Ausweg mehr aus Ihrer Situation sehen kann. Die Auslöser für dieses Denken, sind tieferliegenden Ursachen, die einer Trennung im Wege stehen. Diese haben teilweise Ihren Ursprung noch in der Kindheit. Wer würde sich schon freiwillig einem solchen Schmerz aussetzen und bei einem Menschen bleiben, der andere dauerhaft massiv, emotional und verbal, verletzt?

Verschiedene Ausgangs-Situationen sind möglich, die das Opfer meist nur unterbewusst wahrnimmt:


Die Gewalt wird gar nicht erst als Gewalt erkannt.
Die Betroffene versteht die Vorgänge in der Partnerschaft nicht, und hält vieles für ein normales Alltagsproblem, das sich irgendwann lösen wird. Körperliche Gewalt wird oft nicht ausgeübt, also werden die verbalen Attacken als weniger schwerwiegend abgetan. Die Betroffene arbeitet allein an dem Gelingen der Beziehung und auch das wertet sie als ganz normal. Verzweifelt versucht sie alles im Gleichgewicht halten.
Weil es ihr nicht gelingt, hält sie sich selbst oft für die Ursache des Problems. Unterstützt wird sie darin von Ihrem Partner, der dieses Denken konsequent fördert und ihr die gesamte Schuld für das Nichtgelingen der Beziehungsarbeit aufbürdet.

Ausharren um jeden Preis
Die Betroffene wird das erste Mal mit dieser Gewaltform konfrontiert, weiß aber relativ schnell Bescheid. Sie hofft immer wieder auf Besserung und versucht den Partner stetig zu ändern. Dem Partner immer wieder die Spielregeln einer liebevollen Partnerschaft zu erklären, wird ihr Lebensinhalt und damit schnell zu einer Lebensaufgabe, die sie vom Partner abhängig macht. Da sich Ihr ganzen Denken nur noch um ihn dreht, gibt sie Ihr eigenes Leben freiwillig auf. 

der Wiederholungsfall
Die Betroffene stellt fest, dass sie sich nicht das erste Mal in einer destruktiven Beziehung befindet. Schon wieder hat sie einen Partner gewählt, der ein destruktives Verhaltensmuster zeigt. Sie hat nicht aufgearbeitet, was in den vergangenen Partnerschaften passiert ist und warum sie sich immer wieder in die gleiche Situation begibt und dort bleibt. 

Rückfälle
Die Betroffene geht freiwillig immer wieder in die gleiche Beziehung zurück und hat für sich keine Strategie entwickelt, die sie davor schützen kann. Sie hat für sich nicht geklärt, warum sie sich dieses Leid immer wieder selbst antut. Die Liebe zum Aggressor wird zum erklärten Ziel und sie vernachlässigt alles andere. Ihr Leben wird zu einer einzigen Baustelle.

Co-Abhängig vom narzisstischen Partner

Wo soll ich die Gründe für meine Abhängigkeit suchen?

Es gibt viele Ursachen und Gründe für dieses selbstzerstörerisches Verhalten. Einige Möglichkeiten werden hier genannt, um die Muster aufzuzeigen. Natürlich gibt es für jede Betroffene einen anderen, ganz individuellen Hintergrund.


gewohntes destruktives Verhalten
Manche kennen das Verhalten ihres Partners schon aus ihrer eigenen Kindheit. Es wurde Ihnen von den Eltern oder anderen Bezugspersonen vorgelebt. Für sie ist es annehmbar, weil es etwas ist, was sie gewohnt sind. Mit der Zeit sehen sie aber auch, dass es andere Partnerschaften gibt. Doch die Jahre vergehen und ihre eigene Beziehung hängt immer an denselben Problemen fest. Ein Leben ohne den Partner erscheint jedoch sinnlos.
Trennungsgespräche sind zwar an der Tagesordnung, aber man geht einfach wieder zum Alltag über. Eine Lösung steht nicht im Raum.

Angst vor Veränderungen
Der aktive Kampf gegen das destruktive Verhalten würde Konsequenzen mit sich bringen, die das Opfer nicht tragen will. Eine Trennung kommt für das Opfer nicht in Frage. (Sozialer Abstieg, Verlust von Ansehen, Verlust von materiellen Werten). Aus Angst vor diesen Konsequenzen ist die Frau bereit alles hinzunehmen und findet für sich Lösungen, ihre Situation zu ertragen. Psychosomatische Krankheiten und der Griff zur Flasche mit eingeschlossen.

Beziehungssucht
Viele Frauen können allein schon durch den Gedanken, ihren Partner zu verlieren, in Angst und Schrecken versetzt werden. Allein zu leben ist schlimmer für sie, als sich mit der erlebten "Partnerschaftsgewalt" auseinanderzusetzen. Für die destruktiven Verhaltensweisen des Partners werden die wildesten Entschuldigungen gefunden, um für sich selbst und für andere Menschen erklärbar zu machen, was die Frau in der Beziehung hält.

kein Selbstbewusstsein
Die Partnerin kann sich nicht vorstellen wertvoll genug zu sein, um aufgrund ihrer Persönlichkeit geliebt zu werden. Schon die Erlebnisse in ihrer Kindheit haben sie zu dieser Überzeugung gebracht. Über ihre Aufopferung für den Partner kompensiert sie diesen Gedanken. Sie fühlt sich gebraucht und geliebt für etwas, was "sie" für ihren Partner tut und bezieht daraus ihren Selbstwert. Dass sie in diesen Beziehungen kaum etwas zurück erhält, empfindet sie als normal, weil sie bereits akzeptiert hat, nichts anderes zu verdienen.

Helfersyndrom
Manche verlieren sich im Helfersyndrom. 
Zur Taktik des Aggressors gehört es, den "Hilflosen" zu spielen. Besonders am Anfang, bevor das destruktive Verhalten langsam Oberhand gewinnt, setzt er dieses Verhalten ein. 
Obwohl er scheinbar die Hilfe der Partnerin annimmt, gibt er sein destruktives Verhalten nicht auf. Bemerkt die Partnerin dieses Vorgehen, bleibt sie trotzdem in Ihrer Helferrolle verankert. Sie versucht Ihren Partner zu retten, auch wenn sie selbst untergeht. Gelingt ihr seine Rettung nicht, sucht sie die Schuld bei sich selbst.

angepasstes Verhalten wir fortgesetzt.
Die Betroffene ist angepasst erzogen worden. Wichtige Bezugspersonen haben immer Recht und deren Ansichten werden selten hinterfragt. Sich Aufzulehnen kommt Ihr gar nicht in den Sinn. Das schlechte Verhalten des Partners wird deshalb lange Zeit nicht in Frage gestellt und nur ganz selten verurteilt. Seine Ausführungen werden hingenommen wie etwas Unausweichliches.
Die Beziehung gerät in eine Gewaltspirale. Je mehr sich der destruktive Partner erlauben darf, desto mehr wird er emotionale Gewalt einsetzen. Das Opfer sieht sich schnell in der Opferrolle und fühlt sich darin sicher. Der Partner bleibt und nur das ist wichtig.

ich gebe niemals auf
Die Betroffene fühlt sich verpflichtet ihren Partner zur Einsicht zu bringen. So hofft sie auf eine bessere Partnerschaft und bleibt, weil sie die Beziehung einfach schaffen "will". Sie hat alles in ihrem Leben geschafft, also schafft sie dieses Problem auch aus der Welt.
Sie beginnt sich gegen die falschen Leute aufzulehnen und reibt sich auf. Sie wird aggressiv, übellaunig, depressiv oder unausstehlich. Bald leidet nicht nur sie, sondern auch die anderen Personen in ihrem Leben. Kinder, Eltern, Freunde und Arbeitskollegen. Die Betroffene bemerkt durchaus wie alles weggleitet und verstärkt noch mehr ihre Bereitschaft den Partner zu ändern, um dieses Problem gleich mit lösen zu können. Ein Trugschluss.

Burn out, psychische Beschwerden
Viele erkennen gar nicht, was vor sich geht. Burn-Out, Depressionen und körperliche Beschwerden überschatten die Partnerschaft und bringen den schwächeren Part an seine Grenzen. Honeymoon und Verachtung wechseln sich ab und das Opfer bekommt immer wieder Zeit sich zu regenerieren. Irgendwann fühlt sich die Betroffene erschöpft, rastlos, krank und minderwertig.
Sie kann sich nicht mehr in die Beziehung einbringen und dieses wird ihr zum Vorwurf gemacht. Lehnt sie sich auf, wird ihr dies ebenfalls vorgeworfen.
Diskussionen, um die immer gleichen Themen, enden im Nichts. Den körperlichen Zusammenbruch vor Augen, traut sich das Opfer bald gar nichts mehr zu. Sich aus der Beziehung zu lösen und ein neues Leben anzustreben fühlt sich falsch an.

Ich will nicht gehen weil ...

"Ich kann gar nicht ohne Partner"
Andere lieben und brauchen ihren Partner. Wobei das "brauchen" einen höheren Stellungswert einnimmt. Sie "wollen" nicht alleine sein. Um keinen Preis der Welt. Dann lieber eine destruktive Partnerschaft als gar keine.
In schweren Fällen kann dieses Denken in einer Beziehungssucht enden. Diese kann aber auch schon vorher bestanden haben und die Betroffene hatte Glück, nicht schon vorher an einen missbrauchenden Partner geraten zu sein.

"Ich will mich nicht verändern"
Wieder andere wollen ihrem Leben keine andere Wendung geben, weil sie mit den finanziellen Begebenheit zufrieden sind. Oder weil es Kinder gibt, denen sie nicht die Kindheit verderben wollen. Oder, die Betroffene will warten, bis ihre Kinder alt genug sind.
Dabei gibt es nichts schlimmeres für Kinder als zu sehen, was ihre Mutter in dieser Zeit alles erdulden muss. Diese Lebenslügen werden am "Leben" gehalten, um den jetzigen Zustand vor sich selbst zu rechtfertigen. Nichts bringt das Opfer von seiner selbst gewählten Einstellung ab.

"Ich habe Angst vor der Zukunft" 
Wieder andere denken, sie könnten keinen anderen Partner mehr so lieben wie diesen einen. Für diese ist nach der Trennung die Welt und das Leben am Ende. Ein weiterer Grund kann sein, dass die Betroffene nie alleine gelebt hat und nicht weiß, wie sie ihre Zukunft gestalten soll. In einer schlechten Beziehung gefangen, versucht sie das Beste aus ihrem Leben zu machen. Was natürlich selten gelingt.
Viele werden eines Tages von ihrem destruktiven Partner verlassen und reagieren dann vollkommen verbittert, weil sie denken, sich aufgeopfert zu haben.

Die Folgen für das Opfer !!!!!!!

... zuviel Belastung wird toleriert
Die Partnerin lässt zu, dass jede Verantwortung an sie übergeben wird. Haushalt, Kinder, Urlaub und der reibungslose Ablauf der Partnerschaft stehen in ihrer Verantwortung. Alles was schief läuft, ist sie schuld.

... zu viele Tatsachen werden ignoriert
Die Betroffene muss die Last der "emotionalen Misshandlung" tragen und kann ihrem Ärger und ihrer Wut kaum Luft machen. Immer hat der Aggressor gute Gründe, sie als Schuldige zurückzulassen. Sie beginnt sich gegen die falschen Leute aufzulehnen, wird aggressiv, übellaunig, depressiv und unausstehlich. Nicht selten erfolgt hier der Griff zur Flasche.

... sinnlose Gespräche werden akzeptiert
Am Anfang sind die gemeinsamen Gespräche noch verständnisvoll und kommunikativ. Das ändert sich mit der Zeit. Lügen werden vorgebracht. Worte der Partnerin werden verdreht. Die Belastung auf Seiten des Opfers wächst, weil sie sich nicht verständigen kann. Die Partnerin versucht bis zu Erschöpfung einen Weg zu finden, um mit dem passiv aggressiven Partner ein Gespräch zu führen. Irgendwann gibt sie auf und geht Gesprächen aus dem Weg. Damit nimmt sie in Kauf, dass sie neben ihrem Partner immer mehr vereinsamt.

Körperliche Gewalt wird eingesetzt

Oft ist dieser destruktive Verlauf auch nur die Vorstufe zur tatsächlichen Gewalt. Natürlich hofft die betroffene Frau diese Gewalt nie erleben zu müssen und setzt für sich das Ziel: "Wenn er mich schlägt, bin ich weg". Übt der Aggressor diese Gewalt dann tatsächlich aus, werden auch hier sofort wieder neue Gründe gefunden, die sein Verhalten rechtfertigen. "Ich habe ihn ja auch geschubst". 
Oft genug gibt es hier aber einen gravierenden Unterschied. Das Opfer landet im Krankenhaus, während er noch nicht einmal einen blauen Fleck davon trägt. Trotzdem fühlt die Betroffene sich schuldig.

Der Aggressor weiß sehr genau wie er dieses Gefühl vermittelt kann; und vernebelt von Schuld und Missbrauch, glaubt ihm das Opfer.

 

Wie kann ich eine Trennung vorbereiten?

Trennungen, die aus gemeinsamen, partnerschaftlich abgeklärten Gesichtspunkten heraus erfolgen, gibt es in narzisstischen Beziehung kaum. Spricht die Partnerin eine Trennung an, setzt der Narzisst oft sofort ein Ultimatum und bringt die Partnerin damit unter Druck. Lässt diese die Frist ungenutzt verstreichen, beendet der Aggressor die Beziehung; und schuld hat die Partnerin, die das Beziehungsende damit heraufbeschworen hat. Geht das Opfer wieder zurück in die Beziehung, um sich aus dieser Schuld zu befreien, wird diesem Irrsinn auch kein Ende gesetzt.

Die Partnerin weiß jetzt zwar, dass es von etwas abhängig ist, was ihr definitiv nicht gut tut, verliert jedoch immer mehr an Selbstbewusstsein und investiert noch mehr Herzblut in die Beziehung, statt sich dem angstvollen Gefühl einer Trennung zu stellen. Tausend Ausreden werden gesucht, um bei dem übergriffigen Partner zu bleiben. Diese sogenannten Ausreden sollten sorgsam hinterfragt werden, sonst bleibt man ewig verstrickt im eigenen Netz aus Unsicherheit und Angst.

Viele Fragen und Überlegungen sollten also erst einmal angesehen werden, bevor eine Trennung tatsächlich angestrebt wird. Sie müssen ernst genommen werden. Auch Freunde und Bekannte sollten diese Sorgen und Nöte nicht beiseite schieben. Sie sind letztendlich wichtige Faktoren, warum die Frau in der Beziehung verbleibt.

die trüben Gedanken zulassen

Ich liebe ihn und werde ihn immer lieben
Ich kann nicht ohne ihn leben
Ich habe keine anderen Bezugspersonen, Freunde, Familie und Bekannte
Ich habe kein Geld um alleine klar zu kommen
Ich verschlechtere mich allgemein, wenn ich gehe
Ich nehme meinen Kinder den Vater
Ich nehme meinem Partner die Kinder weg
Ich müsste ohne meine Kinder gehen
Ich muss mir eine andere Arbeit suchen, weil ich mit ihm zusammen arbeite
usw.

Antworten finden

Das Leben nach der Beziehung muss nicht nur geordnet werden, es sollte auch emotional weitgehend abgesichert sein. Antworten auf wichtige Fragen müssen erst gefunden werden, mit denen später gelebt und umgegangen werden kann. Die Betroffene muss sich hier selbst an die Arbeit machen. Zweifel, Unsicherheit und Angst nehmen sonst zu und bestimmen weiter das Leben.
Sind Kinder beteiligt, sollte eine Trennung nicht vorschnell ausgesprochen werden. Der Aggressor wird in diesem Fall alles daran setzen, die Kinder auf seine Seite zu ziehen und sie gegen die Mutter ausspielen. Erst wenn die Trennung gedanklich eine beschlossene Sache ist, sollte gehandelt werden.

Bestimmte Gedanken geduldig zu hinterfragen schiebt die Angst und die Unsicherheit ein wenig zur Seite. Sich selbst Mut zu machen gehört auch dazu. Alternativen zu suchen und sie zu finden sind Wege aus der Beziehung. Nach draussen zu gehen, raus der Isolation, kann ein erster Schritt in die emotionale Freiheit sein.

Neue Gedanken, für ein neues Leben

Neue Gedanken findet man nur in der Aussprache mit anderen, sonst kreist der Mensch immer nur um die gleichen Muster. Sich selbst zu erlauben, dass es neue Gedanken geben darf, sind treue Begleiter in ein freies und eigenständiges Leben.

Die unheilvollen Sätze des Aggressors, die sich tief eingegraben haben, müssen verarbeitet und umgeschrieben werden.  "Wenn du so denkst, mach ich besser Schluss". Wer diese Sätze immer wieder hört, stellt für sich fest, dass es gewisse Gedanken in einer Beziehung nicht geben darf. Irgendwann wird diese Überlegung zur Akzeptanz. Die Realität und wird nicht mehr hinterfragt. Ob der Ausschluß solcher Gedanken wirklich sinnvoll sind, ist kein Thema mehr.

Was der betroffenen Frau immer wieder "vorgekaut" wurde, wird sie natürlich nicht mit zwei, drei Sätzen vergessen lassen. Es braucht Geduld. Antworten müssen her.


Ich liebe ihn und werde ihn immer lieben
- aber mich liebe ich auch und mir geht es so schlecht, dass es mich bald nicht mehr gibt, wenn ich nicht gehe. Ich leide und es wird nicht besser. Lieben kann ich ihn ja weiter, aber aus sicherer Entfernung. Ich...

Ich kann nicht ohne ihn leben
- dieses hat er immer versucht mir zu sagen, mir zu unterstellen, aber ich werde lernen, dass ich mich auf mich selbst auch verlassen kann. Ich...

Ich habe keine Freunde
- aber ich werde mich jetzt umsehen. Ich werde jetzt Kontakt aufnehmen und Vertraute suchen, auch wenn ihm dies nicht gefällt. Alte Freundschaften werde ich wieder aufbauen und Hilfe suchen. Ich werde meine Familie um Unterstützung bitten. Ich werde versuchen Menschen zu finden, die mich auf dem Weg aus dieser Verbindung zu begleiten. Ich...

Ich habe kein Geld, um alleine klar zu kommen
- aber ich rechne jetzt alles ganz genau nach und wenn ich feststelle, dieses Geld reicht nicht, werde ich nachfragen, wohin ich mich wenden muss, um Unterstützung zu erhalten. Mein Lebensstandard sinkt vielleicht, aber mein Leben macht wieder Sinn. Ich...

Ich nehme meinen Kinder die Familie
- ja, dieses stimmt so. Aber wenn ich nur deshalb bleibe, führe ich meinen Kindern jeden Tag vor, wie ein Mann seine Frau behandeln darf. Das wird sich später auswirken und den Kindern nicht gut tun. Den Kindern erweise ich damit keinen Gefallen. Sie werden mich nach einiger Zeit verachten und sich abwenden, wenn ich nicht gehe. Ich...

Ich nehme meinem Partner die Kinder
- ja, aber ich kann mich bemühen, den Einfluss auf die Kinder möglichst gering zu halten, um ihm so die Chance zu geben ein guter Vater zu sein. Wenn er dies nicht ist, werde ich geeignete Mittel ergreifen. Ich ...

Ich muss eine andere Arbeit finden, weil ich mit ihm zusammenarbeite
- eine neue Tätigkeit zu finden geht von heute auf morgen, aber ich werde mich in aller Ruhe umschauen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, diese Abhängigkeit zu lösen. Ich...


Ich werde für immer traurig sein
ja - natürlich werde ich traurig sein.
Schwach und Einsam. Ich werde trauern, wenn ich diese Beziehung verlasse und dazu habe ich alles Recht dieser Welt. Ich werde aber auch wieder Freude am Leben finden, weil ...

Wie lange bleibe ich noch? 

Viele Betroffenen warten auf den richtigen Tag, an dem sie gehen werden. Dieser Tag wird nie kommen, weil der Narzisst Dich viel zu gut kennt und deine Grenzen immer wieder neu auslotet. Bemerkt er Deinen Widerstand, rudert er wieder zurück. Du denkst es wird besser und damit hat er Dich wieder eingefangen.

Es gibt keinen guten Tag, um zu gehen. Jeder Tag ist der richtige, wenn du tatsächlich gehen willst. Jeder Tag mehr schwächt dein eigenes Selbst. Der Gedanke, es muss es mir erst etwas besser gehen, erweist sich als Trugschluss. Denn jeder Tag mehr bestärkt Dich unbewusst in dem Glauben, sein perfides Verhalten tatsächlich verdient zu haben. 
Eine Trennung dagegen, fühlt sich immer an wie ein riesiger Berg, der sich einfach nicht bewältigt lässt und doch ist es möglich. 

Frauen, die emotionale Gewalt in ihrem Alltag aushalten müssen, sehen sich als klein und hilflos. Das bist Du jedoch nicht. Viele Erwachsene haben diese destruktive Muster in ihrer Kindheit erlernt und finden sich später nicht selten in einer Gewaltbeziehungen wieder. Das früh erlebte Unrecht durch Erziehungspersonen spielt dabei eine große Rolle. Die Betroffenen konnten nicht genug Selbstwert entwickeln und halten sich selbst für das größte Problem. Dieser Gedanke wird vom narzisstischen Partner aufgegriffen und für sich verwertet. Eine Art Gewaltspirale entsteht.
Je mehr die Betroffene nachgibt, je mehr Macht übt der Aggressor aus. Je mehr die Betroffene sich wehrt, je mehr Macht übt der Aggressor aus.

So entsteht eine Dynamik in der verbale, emotionale und psychische Gewalt fortwährend als Machtmittel eingesetzt werden kann.

Diese Dynamik verwandelt Dich in einen Menschen, der sich selbst nicht so wichtig nimmt, weil er emotional nicht gehört, gesehen oder wahrgenommen wird.

Aber, wer auf dieser Welt ist wichtig?
Du verbringst dein ganzes Leben mit dir selbst.
Du bist wichtig!

Vergiss das bitte nicht. Deine Lebensqualität sinkt mit jedem weiteren Tag. Nimm diese Tatsache nicht einfach so hin. Vertrau auf Dich und geh, wenn Deine Zeit dafür gekommen ist und keinen Tag früher.