LEBEN ohne Narzissten

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Verein emLife

Co-Abhängigkeit

Warum gehst du nicht?

Psychische und verbale Gewalt aushalten?

Die Anwendung dieser Gewalt kommt in jeder Beziehung vor. In einer narzisstischen Beziehung ist sie jedoch an der Tagesordnung und "Alltag" vieler betroffenen Frauen. Viele Entschuldigungen für den übergriffigen Partner werden gefunden, die aber eher ein "Schönreden" der Beziehung sind. Ist das Opfer innerhalb einer Beziehung an einen Narzissten geraten, kommt zusätzlich eine Art Abhängigkeit ins Spiel, die vor sich und anderen gerechtfertigt werden muss.

Warum diese Gewalt  ausgerechnet die eigene Person heimsucht, ist die nächste bange Frage. Familie und Freunde werden sich diese Frage ebenso stellen, verbunden mit der Überlegung, warum "frau" sich das eigentlich selbst antut.

Beziehungssucht, Abhängigkeit oder Liebe

Innerhalb einer Gewaltbeziehung gibt die Frau nach und nach freiwillig das Recht auf, ihr Leben in Selbstbestimmung zu führen. Das geschieht manchmal so subtil und fremdbestimmt, dass es dem Opfer zuerst gar nicht auffällt. Viele Verhaltensmuster sind der Frau zu "eigen" oder sind ihr schon aus Kindheitstagen bekannt. Sie ist es gewohnt, für das schlechtes Benehmen anderer, die passende Entschuldigung zu finden. 

Die eigene Beziehung wird nicht mehr hinterfragt und die Betroffene wird in eine Ecke gedrängt, wo sie meist gar nicht stehen will. Sie passt sich den Begebenheiten an und verändert sich zu ihrem Nachteil. Es gibt viele Gründe sich freiwillig in diese Ecke zu begeben. 

Angewendete Partnerschaftsgewalt ist einer dieser Gründe; die Freiwilligkeit des Opfers oft ein anderer.


Mein Partner ist Narzisst. Warum bleibe ich?

"Warum gehst du nicht?"  

Nichtbetroffene sehen oft verächtlich auf die Betroffene herab, weil diese sich, trotz der offensichtlichen Partnerschaftsgewalt, nicht fortbewegt. 
In anderen Fällen schlägt der Frau erst einmal ein Nichtverstehen entgegen, weil sie die Vorgänge innerhalb der Beziehung kaum plausibel erklären kann. Nach Kenntnis der gesamten Vorgänge, wird ihr dann vorgeschlagen, sofort die Beziehung zu verlassen.
Wir sprechen hier von Aussagen, die kurz hintereinander erfolgen und sofort mit Verachtung bestraft werden, wenn die Betroffene diesen Vorschlägen nicht gleich folgt. Bringt die Betroffene ihre Gründe vor, die sie an diese destruktive Beziehung binden, werden ihre Einwände einfach weggewischt. 

Beziehungssucht trifft Liebe

Natürlich sind es nur Ausreden, die das Opfer anbringt. Die tieferliegenden Ursachen, die einer Trennung im Weg stehen, sind ganz andere und haben teilweise schon in der Kindheit ihren Ursprung. Wer würde sich schon freiwillig einem solchen Schmerz aussetzen und bei einem Menschen bleiben, der andere dauerhaft massiv "emotional und verbal" verletzt?

Nicht selten setzt sich sogar noch eine Gewaltspirale in Gang, weil diese Art der Beziehung beide Partner ans Limit bringt. Der erste Schlag ist vielleicht sogar schon vorprogrammiert, da der Partner mit Worten ja schon längst zugeschlagen hat. 

Warum die Betroffene tatsächlich bleibt, wird selten hinterfragt. Auch ihr selbst ist meist gar nicht klar, warum sie dort hineingeraten ist und warum Sie ausharrt. Alles dreht sich immer nur um den destruktiven Partner, der, mit einer Veränderung seiner Struktur, die Beziehung retten könnte.




Verschiedene Ausgangs-Situationen sind möglich:

Die Gewalt wird nicht erkannt
Die Betroffene versteht die Vorgänge in der Partnerschaft nicht, und hält vieles für ein normales Alltagsproblem, das sich irgendwann lösen wird. Körperliche Gewalt wird oft nicht ausgeübt, also werden die verbalen Attaken als weniger schwerwiegend bewertet. Sie muss nur mehr an der Beziehung arbeiten und alles im Gleichgewicht halten. Da die Partnerin sich selbst die Schuld an den Schwierigkeiten gibt, bleibt sie in dieser Beziehung.

Ausharren um jeden Preis
Die Betroffene wird das erste Mal mit dieser Gewaltform konfrontiert, weiß aber relativ schnell Bescheid. Sie hofft immer wieder auf Besserung und versucht den Partner stetig zu ändern. Das wird ihre Lebensaufgabe. Dem Partner immer wieder die Spielregeln einer liebevollen Partnerschaft zu erklären, ist ihr Lebensaufgabe. Ihr eigenes Leben gibt sie freiwillig auf.

der Wiederholungsfall
Die Betroffene stellt fest, dass sie sich nicht das erste Mal in einer destruktiven Beziehung befindet. Schon wieder hat sie einen Partner gewählt, der ein destruktives Verhaltensmuster zeigt. Sie hat nicht aufgearbeitet, was in den vergangenen Partnerschaften passiert ist und warum sie sich immer wieder in die gleiche Situation begibt. Oft bleibt sie in einer Beziehung, weil sie sich nicht vorstellen kann, dass es bessere und vor allem anders ausgerichtete Partnerschaften für sie geben wird.

Rückfälle
Die Betroffene geht freiwillig immer wieder in die gleiche Beziehung zurück und hat für sich keine Strategie entwickelt, die sie davor schützen kann. Sie hat für sich nicht geklärt, warum sie sich dieses Leid immer wieder selbst antut. Die Liebe zum Aggressor wird zum erklärten Ziel und sie vernachlässigt alles andere. Ihr Leben wird zu einer einzigen Baustelle.

Co-Abhängig vom narzisstischen Partner

Frage, Auslöser und Grund

Es gibt viele Ursachen und Gründe für dieses selbstzerstörerisches Verhalten. Einige Möglichkeiten werden hier genannt, um die Muster aufzuzeigen. Natürlich gibt es für jede Betroffene einen anderen, ganz individuellen Hintergrund.

gewohntes destruktives Verhalten
Manche kennen das Verhalten ihres Partners schon aus ihrer eigenen Kindheit. Es wurde Ihnen von den Eltern oder anderen Bezugspersonen vorgelebt. Für sie ist es annehmbar, weil es etwas ist, was sie gewohnt sind. Mit der Zeit sehen sie aber auch, dass es andere Partnerschaften gibt. Doch die Jahre vergehen und ihre eigene Beziehung hängt immer an denselben Problemen fest. Ein Leben ohne den Partner erscheint jedoch sinnlos.
Trennungsgespräche sind zwar an der Tagesordnung, jedoch ohne dass die Beziehung ernsthaft beeinträchtigt wird. Man geht einfach wieder zum Alltag über. Eine Lösung steht nicht im Raum.

Angst vor Veränderungen
Der aktive Kampf gegen das destruktive Verhalten würde Konsequenzen mit sich bringen, die das Opfer nicht tragen will. Eine Trennung kommt für das Opfer nicht in Frage. (Sozialer Abstieg, Verlust von Ansehen, Verlust von materiellen Werten). Aus Angst vor diesen Konsequenzen ist die Frau bereit alles hinzunehmen und findet für sich Lösungen, ihre Situation zu ertragen. Psychosomatische Krankheiten und der Griff zur Flasche mit eingeschlossen.

Beziehungssucht
Viele Frauen können in Angst und Schrecken versetzt werden durch die Möglichkeit ihren Partner zu verlieren. Allein zu leben ist schlimmer, als sich mit der erlebten "Partnerschaftsgewalt" auseinander zu setzen. Für die destruktiven Verhaltensweisen des Partners werden die wildesten Entschuldigungen gefunden, um für sich selbst und für andere Menschen erklärbar zu machen, was die Frau in der Beziehung hält.

kein Selbstbewusstsein
Die Partnerin kann sich nicht vorstellen, wertvoll genug zu sein, um aufgrund ihrer Persönlichkeit geliebt zu werden. Schon die Erlebnisse in ihrer Kindheit haben sie zu dieser Überzeugung gebracht. Über ihre Aufopferung für den Partner kompensiert sie diesen Gedanken. Sie fühlt sich gebraucht und geliebt für etwas, was "sie" für ihren Partner tut und bezieht daraus ihren Selbstwert. Dass sie in diesen Beziehungen kaum etwas zurück erhält, empfindet sie als normal, weil sie bereits akzeptiert hat, nichts anderes zu verdienen.

Helfersyndrom
Manche verlieren sich im Helfersyndrom. 
Zur Taktik des Aggressors gehört es, den "Hilflosen" zu spielen. Besonders am Anfang, bevor das destruktive Verhalten langsam Oberhand gewinnt, setzt er dieses Verhalten ein. 
Obwohl er scheinbar die Hilfe der Partnerin annimmt, gibt er sein destruktives Verhalten nicht auf. Bemerkt die Partnerin dieses Vorgehen, bleibt sie trotzdem in Ihrer Helferrolle verankert. Sie versucht Ihren Partner zu retten, auch wenn sie selbst untergeht. Gelingt ihr seine Rettung nicht, sucht sie die Schuld bei sich selbst.

angepasstes Verhalten wir fortgesetzt.
Die Betroffene ist angepasst erzogen worden. Wichtige Bezugspersonen haben immer Recht und deren Ansichten werden selten hinterfragt. Sich Aufzulehnen kommt Ihr nicht in den Sinn. Das schlechte Verhalten des Partners wird deshalb lange Zeit nicht in Frage gestellt und nur ganz selten verurteilt. Seine Ausführungen werden hingenommen wie etwas Unausweichliches.
Die Beziehung gerät in eine Gewaltspirale. Je mehr sich der destruktive Partner erlauben darf, desto mehr wird er emotionale Gewalt einsetzen. Das Opfer sieht sich schnell in der Opferrolle und fühlt sich darin sicher. Der Partner bleibt und nur das ist wichtig.

ich gebe niemals auf
Die Betroffene fühlt sich verpflichtet ihren Partner zur Einsicht zu bringen. So hofft sie auf eine bessere Partnerschaft und bleibt, weil sie die Beziehung einfach schaffen "will". Sie hat alles in ihrem Leben geschafft, also schafft sie dieses Problem auch aus der Welt.
Sie beginnt sich gegen die falschen Leute aufzulehnen und reibt sich auf. Sie wird aggressiv, übellaunig, depressiv oder unausstehlich. Bald leidet nicht nur sie, sondern auch die anderen Personen in ihrem Leben. Kinder, Eltern, Freunde und Arbeitskollegen. Die Betroffene bemerkt durchaus wie alles weggleitet und verstärkt noch mehr ihre Bereitschaft den Partner zu ändern, um dieses Problem gleich mit lösen zu können. Ein Trugschluss.

Burn out, psychische Beschwerden
Viele erkennen gar nicht, was vor sich geht. Burn-Out, Depressionen und körperliche Beschwerden überschatten die Partnerschaft und bringen den schwächeren Part an seine Grenzen. Honeymoon und Verachtung wechseln sich ab und das Opfer bekommt immer wieder Zeit sich zu regenerieren. Irgendwann fühlt sich die Betroffene erschöpft, rastlos, krank und minderwertig.
Sie kann sich nicht mehr in die Beziehung einbringen und dieses wird ihr zum Vorwurf gemacht. Lehnt sie sich auf, wird ihr dies ebenfalls vorgeworfen.
Diskussionen, um die immer gleichen Themen, enden im Nichts. Den körperlichen Zusammenbruch vor Augen, traut sich das Opfer bald gar nichts mehr zu. Sich aus der Beziehung zu lösen und ein neues Leben anzustreben fühlt sich falsch an.

ich kann nicht ohne Partner
Andere lieben und brauchen ihren Partner. Wobei das "brauchen" einen höheren Stellungswert einnimmt. Sie "wollen" nicht alleine sein. Um keinen Preis der Welt. Dann lieber eine destruktive Partnerschaft als gar keine.
In schweren Fällen kann dieses Denken in einer Beziehungssucht enden. Diese kann aber auch schon vorher bestanden haben und die Betroffene hatte Glück, nicht schon vorher an einen missbrauchenden Partner geraten zu sein.

ich will mich nicht verändern
Wieder andere wollen ihrem Leben keine andere Wendung geben, weil sie mit den finanziellen Begebenheit zufrieden sind. Oder weil es Kinder gibt, denen sie nicht die Kindheit verderben wollen. Oder, die Betroffene will warten, bis ihre Kinder alt genug sind.
Dabei gibt es nichts schlimmeres für Kinder als zu sehen, was ihre Mutter in dieser Zeit alles erdulden muss. Diese Lebenslügen werden am "Leben" gehalten, um den jetzigen Zustand vor sich selbst zu rechtfertigen. Nichts bringt das Opfer von seiner selbst gewählten Einstellung ab.

Angst vor der Zukunft 
Wieder andere denken, sie könnten keinen anderen Partner mehr so lieben wie diesen einen. Für diese ist nach der Trennung die Welt und das Leben am Ende. Ein weiterer Grund kann sein, dass die Betroffene nie alleine gelebt hat und nicht weiß, wie sie ihre Zukunft gestalten soll. In einer schlechten Beziehung gefangen, versucht sie das Beste aus ihrem Leben zu machen. Was natürlich selten gelingt.
Viele werden eines Tages von ihrem destruktiven Partner verlassen und reagieren dann vollkommen verbittert, weil sie sich aufgeopfert haben.


Warum habe ich einen narzisstischen Partner

Die Folgen für das Opfer !!!!!!!

... zuviel Belastung wird toleriert
Die Partnerin lässt zu, dass alle Themen, in die er sich einbringen müsste und "Fehler" machen könnte, an sie übergeben werden. Haushalt, Kinder, Haus und Küche stehen in ihrer Verantwortung. Alles was schief läuft, hat sie zu verantworten.

... zu viele Tatsachen werden ignoriert
Die Betroffene muss die Last der "emotionalen Misshandlung" tragen und kann ihrem Ärger und ihrer Wut kaum Luft machen. Immer hat der Aggressor "gute Gründe", sie als Schuldige zurücklassen. Sie beginnt sich gegen die falschen Leute aufzulehnen, wird aggressiv, übellaunig, depressiv und unausstehlich. Nicht selten erfolgt hier der Griff zur Flasche.

... sinnlose Gespräche werden akzeptiert
Am Anfang sind die gemeinsamen Gespräche noch verständnisvoll und kommunikativ. Das ändert sich mit der Zeit. Lügen werden vorgebracht. Worte der Partnerin werden verdreht. Die Belastung auf Seiten des Opfers wächst, weil sie sich nicht verständigen kann. Die Partnerin versucht bis zu Erschöpfung einen Weg zu finden, um mit dem passiv aggressiven Partner ein Gespräch zu führen. Irgendwann gibt sie auf und geht Gesprächen aus dem Weg. Damit nimmt sie in Kauf, dass sie neben ihrem Partner immer mehr vereinsamt.

Oft ist dieser destruktive Verlauf auch nur die Vorstufe zur tatsächlichen Gewalt. Natürlich hofft die betroffene Frau diese Gewalt nie erleben zu müssen und setzt für sich das Ziel: "Wenn er mich schlägt, bin ich weg". 

Wenn diese Gewalt dann tatsächlich umgesetzt wird, werden sofort wieder neue Gründe gefunden, die sein Verhalten rechtfertigen. So sieht die Realität leider aus.


Fazit

Frauen, die "emotionale Gewalt" in ihrem Alltag aushalten müssen, sind gefährdet. Ihre Lebensqualität sinkt mit jedem Tag. Sie leben in dem Gefühl, das schlechte Verhalten ihres Partners verdient zu haben und akzeptieren die unguten Lebensumstände.

Viele Erwachsene haben diese destruktive Muster in ihrer Kindheit erlernt und finden sich später nicht selten in einer Gewaltbeziehungen wieder. Das früh erlebte Unrecht durch Erziehungspersonen spielt dabei eine große Rolle. Die Betroffene konnte nicht genug Selbstwert entwickeln und hält sich selbst für das größte Problem. Dieser Gedanke wird vom narzisstischen Partner aufgegriffen und für sich verwertet. Eine Art Gewaltspirale entsteht. 

Je mehr die Betroffene nachgibt, je mehr Macht eignet sich der Aggressor  an. So entsteht eine Dynamik, in der "verbale, emotionale und psychische" Gewalt als Machtmittel eingesetzt wird. Dieses Vorgehen macht Dich zu einem Menschen, der sich selbst nicht so wichtig nimmt. 


Aber, wer auf dieser Welt ist wichtig?
Du verbringst dein ganzes Leben mit dir selbst.
Du bist wichtig!

Text by Evelina Blum