Die Hilflosigkeit des Opfers
Emotionale Gewalt wird in allen Bereichen eingesetzt, in denen der Mensch gefordert ist, mit anderen in Kontakt zu treten. Der persönlichen Willkür sind hier kaum Grenzen gesetzt. Kinder können sich fast gar nicht abgrenzen und Erwachsenen fällt es oft sehr schwer, den Überblick zu behalten.
Insbesondere in einer Beziehung zu einem Narzissten können die perversen Angriffe auf die Persönlichkeit und die Integrität des Opfers sehr unangenehm werden. Der weitere Kontakt bringt folgenschwere Unsicherheiten mit sich, und der narzisstische Partner mutiert immer mehr zum Mittelpunkt des eigenen Daseins. Der persönliche Fokus verschiebt sich irgendwann komplett zugunsten des Aggressors und das eigene Selbst wird aufgegeben. Eine Co Abhängigkeit zeichnet sich ab.
In meinem Buch habe ich datailliert dargestellt, wie die emotionalen Übergriffe stattfinden und welche Wirkung sie auf das Opfer haben.
Das E-Book zur Website
Der Narzisst und die Frauenwelt
Dieses Buch zeigt detailliert auf, wie sich narzisstische Manipulation Schritt für Schritt entfaltet – und wie sie das Denken und Fühlen der Betroffenen verändert. Klar, direkt und nachvollziehbar beschreibt das Buch die Enteignung des Opfers durch Kontrolle, Abwertung und Verunsicherung.
Buch über narzisstische Manipulation Bei Amazon ansehenTypische Reaktionen von Opfern narzisstischer Gewalt
Dieses Wort ist für viele Betroffene die richtige Beschreibung für ihre Gemütsverfassung. Andere wiederum lehnen diese Bezeichnung generell für sich ab. Wie es sich auch darstellt, beide finden im Bekannten- und Freundeskreis oft nicht das nötige Verständnis oder reden erst gar nicht davon.
Sind die Opfer noch mit dem Aggressor liiert, nehmen sie ihn übermäßig in Schutz oder verlieren sich in wilden Anschuldigungen, die auf die Zuhörer vielfach übertrieben wirken. Diese können sich dann oft kaum vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich dermaßen destruktiv benehmen. Die Gespräche drehen sich im Kreis aufgrund des massiven Missbrauchs, und das Zuhören wird zunehmend ermüdender. Die Partnerin fühlt sich krank und ausgehöhlt und überträgt dieses Gefühl auf die Anwesenden.
Innerhalb ihrer Beziehung werden jetzt auch ganz andere Gefühle gelebt. Statt Liebe und Geborgenheit breitet sich Angst aus – es könnte wieder einen Grund geben, etwas falsch gemacht zu haben. Die Toleranzgrenze liegt unnatürlich hoch und lässt noch mehr Verletzungen zu, während der Frustlevel bis zum Zerreißen gespannt ist. Die Verlustängste des Opfers lähmen zusätzlich das Denken.
Die Nerven liegen blank
Die Partnerin zeigt sich deshalb oft hysterisch und kampfbereit. Da selten etwas von den kranken Vorgängen innerhalb der Beziehung nach draußen dringt, wird ihr dieses – an sich normale – Verhalten als grenzwertig ausgelegt. Die Betroffene erscheint als Täterin und wird für ihr Auftreten insgeheim abgestraft.
Um ihre Haltung tatsächlich richtig zuordnen zu können, wäre sie auf geduldige Zuhörer angewiesen, die sie nicht verurteilen, sondern ihr Handeln hinterfragen. Andere Personen wiederum erkennen sofort den gewalttätigen Hintergrund, fragen sich aber unwillkürlich, warum die Frau noch bei ihrem Partner bleibt. „Mit mir würde er das nicht machen.“ Diese typischen Aussagen prasseln dann auf das Opfer nieder.
Der betroffenen Frau wird scheinbar zur Seite gestanden, jedoch mit der Erwartung, dass sie sich sofort trennt.
Die Opfer von emotionaler Gewalt werden oft missverstanden
In den Fällen, in denen der Aggressor über einen längeren Zeitraum massiv mit emotionalen und destruktiven Mitteln psychisch abwertend vorgegangen ist, ist eine Trennung aufgrund dieser Vorgehensweise jedoch viel schwieriger als normal. Die Umwelt hat dafür selten Verständnis, da die Gewalt sich entweder sehr heftig abzeichnet oder erst gar nicht sichtbar wird.
Egal, wie diese Gewaltform ausgelebt wird: Die ganze Lebenssituation ist gestört, aufgrund der massiven Auswirkungen, die emotionaler Missbrauch mit sich bringt. Die Komplexität und das strategische Vorgehen des Aggressors kann das Opfer gar nicht so ausführlich beschreiben, dass der Zuhörer in die Lage versetzt wird, die verfahrene Situation nach ein paar Sätzen nachvollziehen zu können.
Um wirklich verstanden zu werden, braucht die Betroffene deshalb Menschen, die sich offen auf ein Gespräch einlassen und nicht genervt zur Seite gehen.
Wenn du keine Unterstützung finden kannst, entferne dich eine Zeit lang von diesen Personen. Schreibe sie aber nicht ab. Du kannst ja mit ihnen ins Kino gehen oder Sport treiben. Versuche nur, das Thema Narzissmus so gut wie möglich beiseitezuschieben. Suche nach anderen Möglichkeiten, offen über deine Probleme zu reden und nach Menschen, die dich wirklich verstehen.
Dem Opfer wird nicht geglaubt
Auch diese Erfahrung machen viele Betroffene. Erzählt das Opfer aus seinem Beziehungsleben, werden die Ausführungen oft nicht als Gewalterfahrung eingeordnet. Die geschilderte Wahrnehmung wird lieblos heruntergespielt: „Ach, du bist zu empfindlich. Beruhige dich.“ In anderen Fällen werden die Ausführungen sogar einfach beiseitegeschoben.
Vielfach hat der destruktive Partner hier auch schon vorgesorgt und durchblicken lassen, die Betroffene sei schwierig und psychisch daneben. Leider vermittelt das Opfer dann auch diesen Eindruck. Am Ende jeglicher Kraft angelangt, ist dies nicht weiter verwunderlich. Da der Aggressor in der breiten Öffentlichkeit oft einen tadellosen Eindruck von sich vermittelt, ist die richtige Einschätzung schwierig.
Wird dir nachweislich nicht geglaubt oder hast du das Gefühl, du musst erst endlos über das Thema reden, um dann alles wieder neu zu erklären, erspare dir diese Mühe. Das ist Energieverschwendung. Die anderen werden dir keine Erleichterung verschaffen, wenn sie dich verstehen. Setze dann deine Kraft lieber für dich selbst ein.
Der Umwelt verzeihen können
Emotionale Gewalt ist und bleibt eine Wahrnehmungssache. Der Zuhörer muss sich in eine andere Person hineinversetzen können. Gelingt das nicht und ist ein Einfühlen nicht möglich, heißt dieses Unverständnis jedoch nicht, dass das Opfer Unrecht hat. Es heißt aber auch nicht, dass man jetzt einem schlechten Zuhörer begegnet ist und gnadenlos enttäuscht sein muss. Zuhören und Verstehen sind manchmal zwei verschiedene Dinge, die sich hier im Weg stehen.
Ein wirkliches Verstehen der Situation würde voraussetzen, dass sich der Zuhörer in das Opfer hineinversetzt, ohne seine eigene Sicht der Dinge mit einzubeziehen. Allein schon zu verstehen, dass der Aggressor gar keinen Grund braucht, um sich schlecht zu benehmen, kommt manchen einfach absurd vor. Die dazu erforderlichen Erklärungen verbrauchen unglaublich viel Zeit und Energie und sind selten zielführend.
Wenn das Leiden unter der Ungerechtigkeit des Partners von anderen nicht verstanden wird, ist dies zutiefst demütigend. Ich verstehe dich. Nach langer Zeit beginnt das Opfer endlich, seiner Realität zu vertrauen, und wird sofort wieder zurückgeworfen. Geh deshalb weg und höre nicht zu, wenn dir niemand richtig zuhören will.
Auch wenn andere den Missbrauch nicht sehen oder bestätigen, heißt das nicht, dass er nicht stattfindet. Wenn du den Missbrauch wahrnimmst, ist er auch da.
Vertraue dich deinem Tagebuch an oder lies im Internet, was andere über das Thema sagen oder schreiben. Das ist sehr wichtig. Lass dir nicht von anderen Personen deine Gefühle wegreden. Achte auf dich und nicht auf andere, die vielleicht nur schnell wieder in ihr eigenes, unbelastetes Leben zurückkehren möchten.
Wenn der eigene Blick auf die Realität zerbricht
Nur wer sich unbeirrt zu seiner eigenen Wahrnehmung bekennen kann, ist in der Lage, die Realität einer anderen Person einzuschätzen und sie auch abzulehnen, wenn nötig. Natürlich sollte das Opfer keine Bestätigung brauchen, und doch sucht es verzweifelt danach. Das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung hat sich schon lange verabschiedet und muss nun von anderer Seite wieder aufgebaut werden. Darauf sind die meisten Opfer angewiesen. Ist diese verständnisvolle Hilfe nicht vor Ort, sollte ein Umdenken stattfinden.
Das Opfer sollte verlangen, ernst genommen zu werden und sorgfältig an der eigenen Realität festhalten. Der Missbrauch endet dann hier. Bist du traurig, dann sei traurig. Bist du verletzt, wirst du einen Grund dafür haben. Erlebst du emotionale Gewalt und bist wütend, dann sei wütend.
Deine Gefühle gehören zu dir und sind deine Realität. Deine Gefühle sind deine Wahrnehmung. Diese haben ihre Richtigkeit, weil niemand sonst eine Sicht auf dein Seelenleben haben kann.
Gefühle können nicht falsch sein. Es gibt keine falschen Gefühle. Wie soll das gehen? Du machst sie ja nicht selbst. Dein Körper reagiert – und es ist deine Aufgabe, ihm zuzuhören.
Warum bist du nicht früher gegangen?
Von nicht wissender Seite ist mir immer wieder vermittelt worden, dass ich mir mein Unglück selbst zuzuschreiben habe. Auch sehr beliebt war die Frage, warum ich alles so lange mitgemacht habe.
Heute weiß ich natürlich mehr über mich. In unguten Situationen ergreife ich sehr spät die Initiative; ich schreibe mir nicht genug Wert zu. Mit meiner Kraft und Stärke hat das nichts zu tun. Die funktioniert an anderer Stelle tadellos.
Schütze dich also vor falschen und unqualifizierten Aussagen, weil diese immer nur bedingt zutreffen. Wer sich nicht die Zeit nimmt, sich umfassend mit dem Thema „Narzissmus“ auseinanderzusetzen, Verständnis vorgibt und dann belehrende Äußerungen von sich gibt, verdient sowieso keine weitere Erklärung mehr von deiner Seite. Andere haben einfach kein Recht, dein Leben und dein Handeln zu beurteilen.
Lass die anderen reden und glaube an dich
Sich selbst wieder zu vertrauen ist ein wichtiges Ziel. Sich selbst ernst zu nehmen, auch ohne die Bestätigung von anderen, ist entscheidend. Wenn du als Opfer den Missbrauch wahrnimmst, ist er auch da.
Deine eigene Wahrnehmung muss wieder Gewicht bekommen. Diese Entwicklung ist wichtig für deine Heilung. Du darfst verlangen, ernst genommen zu werden, auch wenn dich niemand versteht. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sich selbst wieder hinten anzustellen und den Platz zu räumen, bringt dich nicht weiter. Es gab Zeiten, in denen du auf dein Bauchgefühl gehört hast. Zeiten, in denen dein Kopf nicht dein Herz niederdrücken musste oder umgekehrt.
Nur so kannst du den Missbrauch beenden, verarbeiten und bewältigen: indem du dir selbst deine Würde zurückgibst und darauf achtest, sie zu behalten. Es ist dieselbe Würde, die dir von anderen abgesprochen wird.
Brauchst du Orientierung, Begleitung oder einfach ein Gespräch?
Das erste Gespräch ist kostenfrei und kann dir helfen, klarer zu sehen.
Hilfe suchen
Mitfühlende Unterstützung zu suchen ist ein guter Weg, den Missbrauch zu beenden. Suche Hilfe, die deine Wahrnehmung ernst nimmt und stärkt und sie nicht wieder kleinredet. Finde Menschen oder Angebote, die akzeptieren, dass kaum ein Opfer bereit ist, den Missbrauch sofort zu beenden.
Viele können die verlangsamte Reaktion des Opfers nicht nachvollziehen. Selbst Frauen, die Ähnliches erlebt haben, tun sich da manchmal schwer. Dieses Ausmaß der Zerstörung auszuhalten und darauf zu warten, dass die Betroffene aus eigenem Antrieb den ersten Schritt macht, ist nicht leicht.
Ich stehe aber allein!
Ja, das Opfer steht allein. Nicht, weil es im Stich gelassen wird, sondern weil der Prozess der Heilung langsam vor sich geht. Lass dich nicht drängen und verdränge nichts. Trauerarbeit darf erlebt werden, auch wenn es der Umwelt nicht gefällt.
Lass alles zu, was kommt: die Trauer, die Angst, die Verzweiflung. Auch die Hoffnung und das Weinen über die zerstörten Träume. Verdrängung hat den Missbrauch erst möglich gemacht. Jetzt muss das reale Bild deiner eigenen Persönlichkeit wieder entstehen. Die Wunden, die dir zugefügt wurden, müssen heilen. Es wird einen neuen Anfang geben, ganz sicher. Aber dieser braucht Zeit.
Zuerst musst du eine andere große Liebe finden.
Die Liebe zu dir selbst.
@Evelina