Vielleicht ist er ja auch nur ein verkanntes Genie, Egoist oder ein Frauenheld?
Bei einer Tasse Kaffee habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Denn nicht jedes männliche Wesen ist gleich ein Narzisst. Und jeder Narzisst ist anders. Es gibt den offenen Narzissten, den verdeckten Narzissten, den mit einer narzisstischen Neigung, den überaus toxischen Narzissten und viele ähnliche Störfelder, die ich hier gar nicht aufzählen möchte.
Damit stellen sich gleich noch mehr Fragen: Wie kann ich den Narzissten mit einer Persönlichkeitsstörung erkennen und eine Person, die nur narzisstische Züge in sich trägt? Auch hier gibt es signifikante Unterschiede. Und wie stelle ich fest, ob ein Mensch überhaupt diese Störung in sich trägt? Jemand kann durchaus ausgeprägte narzisstische Züge aufzeigen, ohne tatsächlich an einer Persönlichkeitsstörung zu leiden. Je nachdem kann es sich hier auch um einen Egoisten oder einen Frauenhelden handeln. Dann gibt es da noch den Heiratsschwindler und den chronischen Lügner, den Choleriker und andere seltsame Zeitgenossen.
Wie erkenne ich den Unterschied?
Viele Menschen verhalten sich ähnlich negativ, ohne jedoch klassisch narzisstisch zu sein. Sie sind unberechenbar, laut, launisch, destruktiv und grausam. Auch sie haben nur ihren eigenen Vorteil im Blick und verletzen andere mit ihrem Verhalten. Wie kann ich absolut zweifelsfrei feststellen, an wen ich da geraten bin? Ich kann es nicht! Das ist wohl die richtige Antwort.
Was bedeutet das für die Opfer solcher Menschen, diese Frage kann schon eher beantwortet werden!
Gedanken über die verschiedenen Einstufungen und Krankheitsbilder
Narzissten sind darauf ausgerichtet, manipulativ vorzugehen, um das zu bekommen, was sie für sich verwerten können. Die anvisierte Person wird regelrecht annektiert und zerstört zurückgelassen, wenn sie unbrauchbar wird. Ein Egoist, ein Heiratsschwindler und andere destruktive Persönlichkeiten gehen ähnlich vor. Deren Vorgehen ist jedoch nicht umfassend darauf ausgerichtet, uneinsichtig und zerstörerisch auf den anderen zuzugehen, um ihn psychisch zugrunde zu richten. Und das nur, weil dieser sich ihm als Spiegel seiner grandiosen Persönlichkeit verweigert. Diese Personen denken nur an sich und ihren Vorteil. Andere in Ihrem Selbst zu kränken, ist nicht das eigentliche Ziel. Es passiert, aber als Nebeneffekt, der natürlich genauso schmerzhaft ist.
Ein Narzisst dagegen zeigt ein Krankheitsbild, welches genau darauf abzielt.
In langjährigen Beziehungen konditioniert er sein Opfer, um es nicht nur finanziell auszusaugen, sondern auch emotional ausnutzen zu können. In einer Familie spielt er den liebevollen Übervater und ein Kind muss über Jahre sein abwertendes Verhalten aushalten. Die Mutter wird offen oder versteckt schlechtgeredet und verliert so den guten Zugang zu den Kindern. Andererseits wird sie dazu angehalten, sich kaum negativ über ihren Partner zu äußern. Viele betroffene Frauen finden sich beim Jugendamt wieder oder vor Gericht, denn auch dort setzt er seine Manipulationstechniken erfolgreich ein.
Ist mein Partner deshalb ein Narzisst?
Im Internet finden sich viele Seiten mit Informationen, Listen und Fragebögen zu der Frage, ob und wann narzisstische Gewalt angewendet wird. Vorausschauend möchte ich deshalb anmerken, dass ich hier meine ganz persönliche Betrachtungsweise niederschreibe und andere Ansichten zu diesem Thema ebenso schätze.
Obwohl das Krankheitsbild Narzissmus schon lange bekannt ist, bleibt die Einschätzung, wer narzisstisch ist und wer nicht, immer noch sehr schwierig. Wie bereits erwähnt, gibt es viele Differenzierungen innerhalb dieses Krankheitsbildes, und manche möchten diese Persönlichkeitsstörung vielfach nicht einmal als Krankheit bezeichnen. Ich bin mit allen Versionen einverstanden.
Wird die eigene Schmerzgrenze überschritten, wird es Zeit zu gehen. Das allein ist wichtig. Nicht die Einordnung, ob dein Partner ein Narzisst ist oder nicht. Und doch! Mich hat diese Frage auch über Jahre beschäftigt.
Kritik, nein Danke
Hier erkennt man häufig als Erstes die narzisstische Störung. Kritik zerstört die fragile Persönlichkeit des Narzissten, weil sich hinter seiner Person nur ein aufgeblasenes Ego verbirgt. Jede aufkeimende Anfeindung in seine Richtung wird auf das Schärfste zurückgewiesen. Sofort begibt er sich in eine Opferrolle oder findet Mittel und Wege, die aufmüpfigen Personen mundtot zu machen. Liebesentzug ist dabei eine gängige Methode und funktioniert ganz fabelhaft.
Warum kann der Narzisst keine Kritik aushalten?
Mit dem Gefühl, kritisiert zu werden kann er nicht angemessen umgehen, da er sich schnell beschmutzt fühlt und sein Ego in tausend Stücke zerspringt. Kritik ist für ihn deshalb auch nicht hinnehmbar, da dies seine Persönlichkeit angreift und scheinbar verschwinden lässt. Jede Missachtung und Respektlosigkeit, die sich gegen den Narzissten richtet, wird deshalb sofort von ihm abgestraft und im Keim erstickt. An diesem Punkt beendet er häufig die Beziehung und der andere weiß gar nicht, warum. Er wendet sich ab und sucht woanders nach Bewunderung und Bestätigung.
Kann er den anderen für seine kritisierenden Worte vorher noch abstrafen, wird er dies tun. Rache ist sein Lebenselixier. Hat er den anderen mit seiner Abwesenheit lange genug bestraft, steht er wieder vor der Tür.
Auch andere Personen können sich so benehmen und sogar im Streit den anderen körperlich schädigen. Deren Beweggründe liegen ebenfalls darin, nur den eigenen Vorteil zu wahren oder sich am anderen abzureagieren. Sie sind sich jedoch durchaus bewusst, dass sie anderen Menschen Schaden zufügen.
Der Narzisst übernimmt keine Verantwortung für sich
Dem Narzissten fehlt diese Einsicht, da er sich ständig im Recht vermutet. Er hält sein Verhalten für legitim und schiebt dem anderen die Schuld an seinem schäbigen Verhalten zu. Selbst das Herunterbeten der sozialen Gepflogenheiten bringt keine Veränderung. Mit diesen gut gemeinten Worten kann er nichts anfangen. Er lernt höchstens, wie er sich gesellschaftlich unauffällig benehmen kann, damit er im Umgang mit anderen nicht weiter auffällt.
Diese Störung bleibt deshalb auch lange unbemerkt und Aussenstehende bemerken manchmal gar nichts davon. "Aber das ist doch ein ganz lieber Mensch und kein Narzisst". Die nahestehenden Personen, beispielsweise innerhalb der Familie oder die Menschen am Arbeitsplatz, die mehrfach mit ihm zu tun haben, bemerken schon eher, was tatsächlich mit ihm los ist.
Manipulation ist sein zweites Zuhause
Damit kennt er sich aus. Gerät er mit einem Opfer in Streit und ruft dieses die Polizei, ist er es, der plötzlich ganz ruhig ist und den Beamten erklärt, welche Person weggesperrt gehört. Und dieser Mensch ist nicht er! Sofort schaltet er um, damit er nach außen wieder als makelloser Charakter dasteht. Ihm wird geglaubt, dem Opfer nicht. Dieses hat sein schlechtes Benehmen verdient und ist selbst schuld, wenn schlimme Dinge geschehen. Der Narzisst lässt die Polizei gewähren und legt sich ins Bett in der Gewissheit, das Richtige getan zu haben.
Empathie Fehlanzeige
Empathie ist dem Narzissten fremd und das Mitfühlen mit einer anderen Person naturgemäß schwer gestört. Für deren Wünsche, Gefühle und Gedanken interessiert er sich grundsätzlich kaum, wenn sie ihm keinen Nutzen bringen. Er gibt zwar glaubhaft vor, daran interessiert zu sein, aber auf lange Sicht bemerkt man das Desinteresse. Beispielsweise heuchelt er Interesse am Hobby eines anderen, wird sich aber niemals dazu herablassen, sich am Ort des Geschehens blicken zu lassen, nur um eine andere Person zu unterstützen. Es interessiert ihn auch nicht, wie der andere seine Freizeit verbringt oder gestaltet. Er kontrolliert zwar meisterhaft die Abwesenheit, aber in Situationen und Gesprächen, in denen es nicht um ihn selbst geht, gleitet er weg. Bis zu einem bestimmten Punkt nimmt er noch an einem Wortwechsel teil, dann wendet er sich wieder seinen eigenen Themen zu und ist beleidigt, wenn der andere seinem Themenwechsel nicht folgen will. Gekränkt zieht er sich zurück und fühlt sich im schlechtesten Falle sogar kritisiert.
"Er meint es doch nicht so!"
Ja, ja. Diese Sichtweise ist weit verbreitet. Egal, welcher Partner gerade am Start ist. Die Opfer verdrängen die Beleidigungen, sehen den Missbrauch ihrer Gefühle nur selten und passen sich der unguten Situation an, anstatt sich dagegen aufzulehnen.
Die Aggressoren suchen förmlich nach diesen Menschen, die ihr Verhalten nicht gut finden, aber irgendwie akzeptieren, um die Harmonie in der Beziehung zu erhalten. In diesen Momenten passt der Schlüssel zum Schloss. Ob hier ein Narzisst am Werk ist oder einer von der anderen Sorte, ist völlig egal. Und doch gibt es einen großen Unterschied. Das Opfer kann die Misshandlung durch einen Narzissten fast nie vorzeigen. Der spielt seine Rolle als Gutmensch so perfekt, dass ihm die Pluspunkte von allein zugerechnet werden. "Ich würde ja mitgehen, aber ich muss heute doch arbeiten. Hast du das vergessen? Nie denkst du an mich!" Der Egoist würde vermutlich sagen: "Ich hab keine Lust, mach deinen Kram allein."
Der Egoist ist sichtbar in seinem Selbstbezug. Dieser sagt eine Verabredung ab, weil er keine Lust auf ein Konzert hat, aber nicht, weil seine Freundin sich auf den Abend freut und er diese Freude zunichtemachen will. Er bleibt zu Hause oder macht das, was ihm gefällt.
Der Narzisst geht mit auf das Konzert, aber nur um der Partnerin den Abend mit seinem unangemessenen Verhalten zu verderben. Er spielt seine Opferrolle, verdirbt den Abend und will jetzt noch dafür gelobt werden, dass er überhaupt mitgegangen ist. Das ist eine Erziehungsmaßnahme, die in keine Beziehung auf Augenhöhe gehört.
Ob man stattdessen lieber mit einem Egoisten befreundet sein will, ist noch eine andere Geschichte. Den Unterschied zwischen den beiden Grundeinstellungen zeigt dieses Beispiel auf jeden Fall sehr gut auf.
Hier fällt jetzt auch auf, wie schwierig es ist, anderen die emotionale Gewalt hinter dem Verhalten des Narzissten mit wenigen Worten zu erklären. Schon beim Aufschreiben habe ich mehrere Zeilen gebraucht und ich bin mir fast sicher, dass nur Betroffene erahnen, was ich ausdrücken möchte. In meinem Buch habe ich weiter ausgeholt.
Die narzisstische emotionale Gewalt? Warum setzt der Narzisst diese ein?
Der Narzisst verbringt viel Zeit damit, seinem Opfer immer wieder zu vermitteln, dass es klein, unbedeutend und unwichtig ist. Welche Wirkung dieses Verhalten hat, brauche ich hier sicher nicht mehr auszuführen, die Folgen dieses Missbrauchs liegen ja auf der Hand. Mit viel Energieeinsatz findet er die Schwachstellen seiner Partnerin, um diese gegen sie verwenden zu können. Der Egoist beispielsweise kennt diese überhaupt nicht. Die Schwachstellen seiner Partnerin kümmern ihn ebensowenig wie die ganze Person. Er reagiert nur auf sein eigenes Ich. Er kann dieses Denken auch ändern. Ein Mensch mit einer Persönlichkeitsstörung kann das leider nicht.
Auch der Frauenheld setzt perfides Verhalten ein und die betroffene Frau ist ihm eigentlich egal. Er interessiert sich natürlich für sie und umgarnt sie, damit sie ihn erhört. Diese Intention ist jedoch nicht darauf ausgerichtet, sie bis zur Vernichtung zu schädigen, wenn diese sich ihm verweigert. Er zieht weiter zu einem anderen Opfer und versucht dort sein Glück.
Ein Narzisst dagegen sinnt auf Rache, weil er die gleiche Situation als narzisstische Kränkung wahrnimmt. Im schlimmsten Fall füttert er das Opfer an, nur um es dann wieder wegstoßen zu können. Sein Bestrafungssystem funktioniert mitunter so zeitversetzt, dass ein bestimmter Auslöser gar nicht mehr zugeordnet werden kann. Die emotionale Gewalt hinter einer Handlung bleibt damit unerkannt. Der Egoist macht sich gar nicht erst die Mühe, so perfide und kompliziert gestrickt auf das Opfer zuzugehen.
Die Säulen des Narzissmus
Der Narzisst kann den anderen nicht als eigenständigen Menschen wahrnehmen, sondern nur als den verlängerten Arm seiner selbst.
Statt die Frau neben ihm als Individuum zu betrachten, bedient er sich ihrer als Spiegel und projiziert seine schlechten Eigenschaften auf sie. Jede Schuld muss sie für ihn tragen und ist damit verantwortlich für sein Wohlergehen. Sie fungiert als Projektionsfläche, nur dafür geschaffen, ihn zu spiegeln und ihm ein gutes Gefühl zu vermitteln.
Das erklärt dann auch perfekt, warum sie mit ihren eigenen Ansichten und Meinungen nicht angehört wird. Nichts, was sie sagt, ist von irgendeinem Interesse für ihn. Was sie liebt, wird zerstört, wenn sie sich fehlerhaft zeigt und was ein Fehler ist, bestimmt nur er allein. Um sie abzustrafen, ist ihm jedes Mittel recht. Auf perfide Weise entzieht er ihr die Kinder, indem er diese gegen die Mutter aufhetzt oder macht sie in ihrem Freundeskreis schlecht. Nichts davon bereut er.
Für diese und andere Arten der Manipulation gibt es zahlreiche Beispiele in meinem Buch.
Kann der Narzisst sich ändern?
Letztendlich ist eine Beziehung mit allen hier genannten Personengruppen sehr schwierig. Egoisten, Frauenhelden oder Idioten können Ihre Haltung gegenüber der Partnerin vielleicht noch ablegen. Ihr Auftreten ist nicht durch eine Persönlichkeitsveränderung geprägt. Ein Narzisst mit dieser Störung dagegen ist zu keinem anderen Verhalten fähig, weil er immer nur die Schuld beim anderen findet. Diese Unfähigkeit zur Selbstreflexion macht eine Veränderung fast unmöglich. Seine Vorstellung von Liebe und Partnerschaft ist deshalb eine ganz anders gestaltete Welt, in die eine liebevolle Partnerin keinen Zutritt findet.
In einer Beziehung mit ihm geht es nur um Macht, Bestrafung und Schuldübernahme. Benimmt sich der andere nicht seinen Wünschen entsprechend, wird er bestraft. Alles ist auf sein Gegenüber ausgerichtet, ohne die Persönlichkeit des anderen überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Deshalb ist man auch schnell bereit, sich auf die Wünsche des Aggressors einzulassen, um dieses Unwohlsein in seiner Gesellschaft wieder loszuwerden.
Verhält man sich angepasst und läuft wie auf Eierschalen, ist man garantiert einem Narzissten aufgesessen. Das ist natürlich keine sehr genaue Beschreibung, weil sich dies eher auf das ungute Bauchgefühl bezieht und nicht auf klare Fakten. Deshalb habe ich hier noch eine Liste erstellt, um das Bild abzurunden.
Ist mein Partner ein Narzisst?
Ist er ein guter Redner und auf oberflächliche Weise charmant?
Redet er gerne nur von Begebenheiten, die ihn interessieren, und ändert dabei häufig seine Meinung?
Ist er ein Meister darin, andere zu manipulieren und passt seine Reden seinem Nutzen an?
Ist er ein krankhafter Lügner, wenn es um seinen eigenen Vorteil geht?
Ist er unfähig, tiefe Reue zu empfinden und sich an die getroffenen Absprachen zu halten?
Übernimmt er niemals die Verantwortung für das, was er tut?
Ist er schnell gelangweilt und wendet sich anderen Dingen zu?
Kann er die Gefühle nahestehender Personen nachvollziehen?
Sucht er ständig nach Bestätigung platonischer oder sexueller Art?
Trifft er Entscheidungen, zu denen er nachher nicht mehr steht?
Hatte er als Jugendlicher massive Probleme?
Geht er unnütze Risiken ein und bringt andere in Gefahr?
Freut er sich über Missgeschicke anderer und kann deren Erfolge nicht anerkennen?
Macht er Dein persönliches Umfeld wie Freunde, Kinder usw. schlecht?
Verlangt er immerzu nach Anerkennung, Mitleid oder Aufmerksamkeit?
Bringt er Dich dazu, Deine Termine oder Verabredungen abzusagen?
Flüchtet er sich oft in eine Opferrolle?
Ist er krankhaft eifersüchtig und neidisch?
Bringt er Dich dazu, sich so zu fühlen?
Bedenke bitte, dass das nur eine Liste ist.
Und eine Liste ist eine Liste und noch dazu wild durcheinandergeschrieben. Dein eigenes Gefühl gibt dir am besten Auskunft, was keine Liste auf der ganzen Welt ersetzen kann!
Noch dazu hast du den Weg auf diese Website gefunden und bis hierher gelesen. Du hättest auch einen Spaziergang machen können oder ins Kino gehen. Stattdessen bist du hier, studierst du tief gebeugt diese Liste und fragst dich, was los ist.
Dabei weißt du doch schon längst Bescheid!
@Evelina

