Mein Partner ist Narzisst

Das fehlende Ich des Narzissten

Emotionale Gewalt, Erpressung und anderes destruktives Verhalten wird oft in Beziehungen angewendet, um eigene Interessen oder Meinungen durchzusetzen. Daran ist erst einmal nichts verwerflich, weil es eben menschlich ist.
Wenn sich dieses Verhalten jedoch selbstständig macht und tiefgreifend das Leben verändert, wird es Zeit sich selbst zu fragen, ob man willkürlich und zerstörerisch dieser Form der Gewalt ausgesetzt ist.

Wenn Betroffene längere Zeit diesen emotionalen und verbalen Angriffen, besonders innerhalb einer Liebesbeziehung ausgesetzt ist, sind diese bald nicht mehr überschaubar und können auch nach kurzer Zeit nicht mehr eingeordnet werden. Die Gewalt ist für andere vielleicht deutlich sichtbar, aber nicht für den, der diese Gewalt erlebt. Der emotionale Missbrauch findet im Kopf der betroffenen Frau statt, hervorgerufen durch das Verhalten des Partners, innerhalb der Beziehung, die eigentlich Liebe und Geborgenheit vermitteln soll.

Möchte man anderen den Missbrauch beschreiben, ist das sehr schwierig.

Da sagt jemand in der einen Minute: "Ich liebe Dich" und in der anderen Sekunde geht er zum Telefon und ruft seine Exfrau an, weil die Betroffene nicht schnell genug reagiert hat und "Ich dich auch" gesagt hat.Ergo, ist es jetzt auch nicht seine Schuld, dass er jetzt seine Exfrau anruft, sondern die Betroffene hat Schuld, da sie sich nicht genug um ihn gekümmert hat. Er fühlt sich von der Partnerin ignoriert und setzt nun ein Bestrafungssystem in Gang. Jeder vernünftige Mensch faßt sich hier natürlich an den Kopf.
Wer jetzt jedoch denkt, diese Situation spielt sich einmalig ab und kann deshalb nicht gewertet werden, der irrt. Dass es ein solches perfides und gemeines Verhalten tatsächlich gibt, setzt niemand voraus. Warum sollte es also die Partnerin tun, obwohl sie fast täglich mit so einem Verhalten konfrontriert wird. Wird die Frau allerdings später gefragt, warum sie nicht früher gegangen ist, sind es jetzt wiederum die gleichen Leute, die diese Frage stellen.

Es ist so, wie es ist. Diese Geschichte allein beschreibt schon den Missbrauch, aber niemand nimmt ihn als Missbrauch wahr. Die Betroffene wird höchstens belächelt und nicht für Ernst genommen. Und hier beginnt das eigentliche Nichtverstehen, da die Denkstruktur des Aggressors völlig anders ist, als die der Partnerin und der restlichen Welt.

Wie die Geschichte weitergeht? Spricht sie den Aggressor später darauf an, merkt er an, dass die Betroffene überempfindlich ist und er seine Exfrau nur wegen der Kinder anruft. Jetzt stimmen alle dem Aggressor zu und die Betroffene kann sehen wo sie bleibt.

Ungerechtigkeit auf Schritt und Tritt

Das destruktive Verhalten entspringt einer destruktiven Denkstruktur, die sich dann durch kränkendes und grausames Verhalten manifestiert. Da er nicht mitfühlen kann, sieht er auch nicht, was er wirklich anrichtet, um sein Verhalten zu korrigieren. Er weiß auch nicht, aus welchem Grund er so handelt. Fragt man ihn direkt danach, sagt er: "Ich weiß nicht, warum ich so gehandelt habe!" Und ich glaube ihm das sogar. Nur, so kann er natürlich niemals eine Veränderung seines Verhaltens herbeizuführen. Sein eigenes Krankheitsbild gibt das nicht her.Diese Menschen wenden diese Gewalt also aufgrund ihrer eigenen emotionalen Hintergründe an. Das sollte frau wissen. Es ist die perfide Art und Weise, wie der Partner seine Macht stärken kann, während der andere Part immer kleiner und unglücklicher wird. Die Partnerin wird unauffällig misshandelt, herabwürdigt und emotional verletzt. Mit normalen Problemen, innerhalb einer Beziehung, haben diese Probleme nichts mehr zu tun. Die Beziehung an sich ist das Problem.

Das fehlende Selbst

Entspricht die Partnerin nicht den Erwartungen des Narzissten, ist sie automatisch fehlerhaft und muss bestraft werden. Zusätzlich wälzt er alle Verantwortlichkeiten auf andere ab, um kein eigenes Versagen aufkommen zu lassen.

Diese Manipulation bleibt in vielen Fällen unerkannt. Während er sich gemütlich zurücklehnt, werden der Partnerin immer mehr Fehler zugerechnet und die Bestrafung lässt nicht lange auf sich warten. Durch Liebesentzug, Lügen und Betrügen zimmert der Narzisst sich eine Welt, in der er keine Schuld trägt und macht sich damit unsichtbar. Schuld haben immer nur die anderen, nie er selbst. 
Ist die Partnerin mit seinem Verhalten nicht einverstanden und fühlt sich missverstanden, schiebt er sie in die Rolle der unwissenden, rechthaberischen Frau und geht seiner Wege. 

Seine unguten Machenschaften tarnt er so gut er kann; und macht sich selbst nur selten die Hände schmutzig. Deshalb erscheinen seine Aktionen seltsam unbestimmt und sind verschieden auslegbar. Doppeldeutig und unterschwellig provozierend schleichen sich diese Personen durchs Leben und schädigen andere massiv. 
Es fehlt Ihnen an eigenständiger Persönlichkeit, die den Mensch als Individium auszeichnet. Deshalb kann er keine Verantwortung für sein Handeln übernehmen und muss die Schuld beim anderen suchen. In seinem Inneren findet er keine persönliche Stimme vor, die dafür zuständig sein könnte. Allein gelassen kommt er nicht zurecht und (ge)braucht die Partnerin, die seine Persönlichkeit am Laufen halten muss. Ist sie fort, weiß er nicht mehr genau wer er sein soll. Schnell sucht er nach Ersatz, damit er nicht in das tiefe Loch seines eigenen Nichts fällt. 

Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er seine Ansichten, seine Einstellung und seine Moralvorstellung jederzeit an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen kann, ohne sich verbiegen zu müssen. Morgen erzählt er etwas anderes als heute und überhaupt ist nichts so, wie er es gestern noch gesagt hat. Zerstörung und Selbstsucht begleiten ihn auf Schritt und Tritt; und es scheint ihm nichts auszumachen, andere auf diesem Weg verletzt liegen zu lassen.
Erhält er keine Bestätigung mehr von seiner Partnerin, weil diese vielleicht schwer leidend im Krankenhaus liegt, ist sie für ihn nutzlos geworden. Deshalb wird er sie auch nicht besuchen, sondern warten, bis sie wieder gesund ist. Tut er es doch, dann nur, um anderen zu zeigen, was für ein toller Partner er doch ist oder um ihr klar zu machen, dass sie sich gefälligst nicht so anstellen soll.

Liebe, Bewunderung und Anerkennung? Nichts davon kann er uneigennützig anderen geben. Stattdessen soll die Partnerin ihm das perfekte Spiegelbild seiner Persönlichkeit liefern, damit er sich gut fühlen kann. Kritik würde dieses Bild zerstören, deshalb wertet er die Partnerin ab, sobald sie sich ihm kritisch und mit eigenen Wünschen oder Forderungen nähert. Die Anerkennung ihrer Individualität, als Ausdruck ihrer Persönlichkeit, ist für ihn nur hinderlich und wird von ihm regelrecht abgeschafft.

Die Medienpräsenz

Obwohl die Medien sich rund um die Uhr mit den Übergriffen von Narzissten beschäftigen, finden die Opfer wenig Beachtung und stehen mit Ihren Problem allein. Das Thema hat für sie in der breiten Öffentlichkeit kaum Ansprechpartner. Jugendämter, Familienberatungsstellen tun so, als ob es diese Gewaltform, die durch Narzissmus in die Familien dringt, gar nicht gibt.
Ja, diese Art der emotionalen Gewalt war schon immer da. Es gab schon immer diese Personen und es werden sogar immer mehr. Jede Familie, die einen Narzissten beherbergt, trägt die Auswirkung dieser Persönlichkeitsstörung weiter. Das elterliche Vorleben, im Umgang mit dieser Gewalt, führt entweder zum eigenen Narzissmus eines Kindes, oder zu der Fähigkeit diese Gewalt schon früh aushalten zu können, also in die Co-Abhängigkeit.

Auch wenn diese Art der Partnerschaftsgewalt eine Wahrnehmungssache ist, gibt es nun einmal den emotionalen Missbrauch von Gefühlen, der weitreichende psychische und damit auch körperliche Folgen haben kann. Das sollte eine allgemeine Akzeptanz finden; und die Mütter und Väter, die sich von diesen Personen trennen, besonderen Schutz bieten. Sattdessen müssen Sie sich rechtfertigen und stehen vor Gericht, weil sie ihre Kinder schützen möchten.

Fazit

Egal, welches Wort auch dafür steht, die Wirkung emotionaler und seelischer Gewalt, auf die umstehenden Menschen, ist fast immer gleich. Narzissten, die dieses Verhalten in ihrem Sinne einsetzen, ohne irgendein Problem damit zu haben, nehmen immer mehr zu. Sie bringen das destruktive Verhalten mit in eine Beziehung und vergiften diese. Sie gründen eine Familie und auch hier verbreitet sich das Gift. Kinder machen schon früh Bekanntschaft mit der eigenen Wertlosigkeit und werden später Narzissten oder Co-Narzissten. Sie als Erwachsene nicht ernst zu nehmen, macht also nichts besser.

Ich hoffe, dass unsere Informationen helfen können, die Erfahrungswerte anderer Frauen zu nutzen. Betroffene, Angehörige, Freunde und Familie können sich informieren, um das Problem besser zu verstehen. Die Artikel und Beiträge informieren umfassend zu diesem Thema. Hier handelt es sich nicht um wissenschaftliche Abhandlungen und fundierte psychologische Gegebenheiten, sondern um Erfahrungsberichte und Erlebnisse von betroffenen Frauen.