Frauenforum

für ein Leben ohne narzisstischen Missbrauch

Co-Abhängigkeit

Mein Partner ist Narzisst!
Ist es Liebe oder Abhängigkeit?

Diese Frage stellen sich viele Betroffene von emotionaler Gewalt und beantworten sie umgehend mit "Nein".

Warum ist das so? Die betroffene Frau sucht nach Erklärungen für "sein" Verhalten und kommt zu dem Ergebnis, dass es an "ihr" liegen muss. Ergo, erlebt Sie auch keine emotionale Gewalt. 

Der Kopf dröhnt zwar heftig, aber damit beendet sich die schlimme Frage nach dem sonderbaren Gefühl, welches sich schnell selbstständig macht. Die Gedanken drehen sich nur noch um die Beziehung und das Kreiseln findet kein Ende.
Den quälenden Fragen, die sich mit der eigenen Person beschäftigen, wird ausgewichen. Menschen, die Interesse zeigen und darauf hinweisen, werden stillschweigend ignoriert oder sogar verstoßen. Die Partnerin möchte in der Beziehung bleiben, also muß der Partner sich ändern und ihr Umfeld den Missbrauch ignorieren. Um eine Besserung zu erzielen, versucht sie den Narzissten zu ändern. Sie fleht, bettelt, verbiegt und verzettelt sich. Wenn alles nichts hilft, beginnt sie Forderungen zu stellen. Der Anfang vom Ende einer friedlichen Beziehung mit einem Narzissten.

Diese werden nämlich nicht erhört, sondern der Aggressor reagiert mit Liebesentzug und die Beziehung steht schnell auf der Kippe. Jetzt müssen wieder andere Strategien ausgearbeitet werden, um das Leben mit dem anstrengenden Partner erträglich zu machen.

Eine Trennung nach der anderen wird eingeleitet, ist aber nicht erfolgversprechend. Die Partnerin hat zunehmend Schwierigkeiten wieder in den normalen Alltag zu finden und geht zurück, sobald der Aggressor sich wieder meldet. Auch während der Trennungszeit findet das Opfer keine Ruhe und überlegt ständig, wie man die Beziehung noch retten könnte. Das Kreiseln um den Partner verstärkt sich noch mehr. 

Um dieses unangenehme Gefühl wieder los zu werden, geht sie wiederum zurück in die Beziehung und hofft auf die Besserung, die der Aggressor auch immer wieder verspricht.

Der Partner ändert jedoch nur kurzfristig sein Verhalten und kehrt dann wieder zu seinem destruktiven Ich zurück. Die Beziehung ist wieder am gleichen Punkt angelangt, der die Trennung ausgelöst hat. Anstatt sich jetzt vielleicht abzuwenden, investiert die Betroffene immer mehr in die Partnerschaft und reibt sich auf. Zeitgleich versucht sie, sein Verhalten vor sich und anderen zu rechtfertigen. Die Verletzungen werden verdrängt.

Längst ist sie vom Partner abhängig geworden, weil ihr ganzes Wohlergehen nur noch innerhalb der Beziehung stattfindet. "Nur wenn der Partner zufrieden scheint, kann sie es auch sein." Einen anderen Zustand kann sie längst nicht mehr ertragen. Jedes Lebenszeichen, nach einer vermeintlichen Trennung, wird deshalb dankbar angenommen.

Da der Aggressor diese Trennung jedoch als Unverschämtheit des Opfers interprettiert, sucht er nach Wiedergutmachung. Erholt sich die Beziehung, sinnt er auf Rache. Seine Scham, dem Opfer eine Veränderung versprechen zu müssen, löst Hassgefühle aus. Nach jeder Trennung nehmen deshalb die Verletzungen zu, weil er das Opfer dafür bestraft.

Mein Partner ist Narzisst. Warum hat er mich ausgesucht? Es gibt unzählige Narzissten auf dieser Welt. Warum trifft es ausgerechnet mich?  mehr lesen


Die Folgen von dem Trennungsspiel

Das Opfer gibt sich mit immer weniger zufrieden und lernt die Grobheiten des Narzissten auszuhalten. Dem Partner werden jetzt noch mehr Rechte eingeräumt und die Beziehung gerät endgültig in eine Schieflage. Da die Betroffene, wie gewohnt, den Grund dafür bei sich selbst sucht, verharrt sie auch jetzt in diesem falschen Denken und macht ihr eigenes fehlerhaftes Verhalten dafür verantwortlich.
Unbemerkt verstärkt sich ihre Abhängigkeit, da ihr "seine" Sicht der Dinge immer wichtiger wird. So gerät die Betroffene immer mehr in eine Abwärtsspirale, die vom Aggressor unterstützt wird. Sie arbeitet ihm zu, weil sie sich selbst als "fehlerhaft" sieht. Ein gutmütiger Partner würde hier einschreiten und versuchen der Partnerin mehr Halt zu geben. Der Aggressor hat daran jedoch kein Interesse. 

So bleibt das Opfer aus allen möglichen und unmöglichen Gründen in diesem Zustand, ohne diesen richtig einordnen zu können. Nach einiger Zeit wird es für sie immer schwerer zu erkennen, wo ihre Liebe aufhört und die Abhängigkeit beginnt.

Der Missbrauch wird erkannt

Ist die Partnerschaftsgewalt eindeutig als "emotionale Gewalt" und "seelischer Mißbrauch" enttarnt, beginnt eine andere Abhängigkeit.
Die Betroffene kann sich nicht mehr aus der Beziehung lösen, weil die Vorgänge in der Beziehung sie jetzt definitiv "abhängig" gemacht haben.

Aus der eigenen Hilflosigkeit heraus werden nun viele Gründe dafür gefunden, ein Verbleiben in der Beziehung zu rechtfertigen:

- Ich liebe ihn und werde ihn immer lieben
- Ich kann nicht ohne ihn leben
- Ich habe keine anderen Bezugspersonen
- Ich habe kein Geld um alleine klar zu kommen
- Ich verschlechtere mich allgemein, wenn ich gehe
- Ich nehme meinen Kinder den Vater
- Ich nehme meinem Partner die Kinder weg
- Ich müsste ohne meine Kinder gehen
- Ich muss mir eine andere Arbeit suchen, weil ich mit ihm
  zusammen arbeite


Liebe oder Abhängigkeit vom Narzissten

"Ich kann nicht gehen"

Der Aggressor weiß um diese Gründe und verwendet sie als Druckmittel. Wer sich jetzt nicht abgrenzen kann, der hat verloren. Angriffe auf die Persönlichkeit und Integrität des Opfers bringen noch weitere Abhängigkeiten mit sich und schwächen die eigene Befindlichkeit. Die Tatsache, dass emotionaler Missbrauch stattfindet, wird vom Aggressor bestritten und findet nur in den Augen des Opfers statt.
Zu diesem Zeitpunkt hat die Partnerin das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung schon längst verloren und nur derjenige, der die Gewalt auslöst, kann sie auch wieder zurücknehmen. Der Aggressor bindet damit sein Opfer ein weiteres Mal an sich, da es auf Besserung und Wiedergutmachung hofft.

Die Partnerin versucht ihre Sicht der Dinge gegenüber dem Aggressor darzustellen - findet aber kein Gehör. Sie versucht ihm zu erklären, was tatsächlich vorgefallen ist - findet aber kein Gehör. Die Partnerin fordert Wiedergutmachung - bekommt sie aber nicht.

Jetzt beginnt "sie" an der Beziehung zu arbeiten, um "ihre" Qualen und Verletzungen zu heilen. Eigentlich wäre das jetzt seine Aufgabe, aber eine Entschuldigung gibt es nicht. 

Um diese Qualen zu beenden, ist die Betroffene oftmals sogar bereit, die Verantwortung für Fehler zu übernehmen, die sie gar nicht zu verantworten hat. Hauptsache die Balance in der Beziehung ist wieder hergestellt und der Aggressor ist wieder ausgeglichen und freundlich; hat er doch jemanden gefunden, der die Verantwortung für sein Fehlverhalten übernimmt.

Ein Ausstieg aus der Beziehung würde für das Opfer zudem eine weitere Niederlage bedeuten. Die erbrachten Opfer wären umsonst gewesen. Der Kampf um die Beziehung gälte als verloren. Die Betroffene hätte es nachweislich nicht geschafft, diese Beziehung zu retten und in die richtigen Bahnen zu lenken. Wieder ein Fehler, den Sie zu verantworten hat. Dieses Denken wird ihr unbewusst immer wieder vom Aggressor untergeschoben.

Damit macht sie sich weiter massiv abhängig vom Aggressor, der dieses Denken natürlich ausnutzt und die anderen vermeintlichen Fehlerquellen immer wieder verstärkt zur Sprache bringt. Irgendwann gibt sie den Widerstand auf und ist dankbar, dass der Aggressor noch bei ihr bleibt. Dass der Partner ihr positives Ego gegen ein negatives Ich ersetzt hat, übersieht sie geflissentlich. 

Was kann ich tun?

Um hier eine Änderung herbeizuführen, bedarf es eines neuen Denkens. Die alten Gedankenstrukturen bleiben sonst unangetastet und das Denken gerät immer wieder in die gleichen Bahnen. Kontakt mit anderen Betroffenen kann helfen, diesen Prozess in Gang zu bringen oder zu unterstützen.